Neue Studie enthüllt, warum Verbraucher wirklich bei AliExpress & Co. bestellen

Deutsche Verbraucher kaufen online zunehmend bei ausländischen Online-Marktplätzen wie AliExpress und Wish.com, die vor allem für preisgünstige Ware aus Fernost bekannt sind. Immer wieder hört man daher, dass die China-Portale auch einmal Platzhirschen wie Amazon den Rang als Shopping-Plattform in Deutschland ablaufen könnten. Doch eine neue Studie zeigt, warum das wohl nicht passieren wird.

Kai Hudetz
Kai Hudetz (Bild: ECE / IFH Köln)

So hat jetzt das auf Handelsforschung spezialisierte ECC Köln insgesamt 1.200 Konsumenten zu ihrem Shopping-Verhalten bei Online-Marktplätzen befragt.

Dabei bestätigt die Befragung zunächst einmal prinzipiell, dass Wish.com, AliExpress und ähnliche Anbieter bei Verbrauchern in Deutschland aktuell „mehr und mehr im Trend“ liegen. Aufhorchen lässt aber vor allem, warum deutsche Verbraucher denn nun zunehmend bei AliExpress & Co. bestellen – wenn Marktplatz-Primus Amazon doch – überspitzt formuliert – nahezu jedes Produkt zu einem guten Preis schnell vor die eigene Haustür bringt.

Doch die Studie zeigt nun: Verbraucher bestellen bei Fernost-Marktplätzen aus anderen Kaufmotiven als etwa bei Amazon. Denn wer bei AliExpress und Wish bestellt, muss oft lange Lieferzeiten in Kauf nehmen. Dazu ist oftmals nicht wirklich klar, welche Qualität ein Produkt hat – bis die Ware eintrifft.

Generell ist jeder fünfte Käufer (22 Prozent) mit seinem Online-Einkauf bei Wish & Co. unzufrieden, weil das Produkt nicht die gewünschte Qualität hat, die Lieferzeit nicht eingehalten wurde – oder das Paket gar nicht angekommen ist. Doch laut der ECC-Studie nehmen Verbraucher solche Mängel bewusst in Kauf, wenn sie dafür günstige Preise erhalten oder exklusive Produkte bekommen. So sagen 73 Prozent der Befragten, dass günstige Preise häufig wichtiger sind als eine schnelle Lieferung. Und 50 Prozent der Käufer geben zudem an, dass es ihnen wichtig sei Produkte zu besitzen, die einfach nicht jeder hat.

Konsumenten suchen Nervenkitzel statt Komfort

Das führt sogar dazu, dass viele Käufer erneut bei Wish & Co. bestellen – auch wenn es zuvor Probleme wie etwa mit der Ware gab. 28 Prozent der Käufer empfinden es zudem prinzipiell als spannend, ob ein bestelltes Produkt überhaupt ankommt. Daher spielt auch der Preis eine entscheidende Rolle. Denn ein geringerer Preis reduziert für Käufer schlichtweg das finanzielle Risiko, wenn die Ware nicht ankommt.

So eine Denkweise ist bei deutschen Marktplätzen quasi undenkbar, wo Kunden eine schnelle Lieferung und eine gute Qualität erwarten. Doch bei China-Marktplätzen stehen beim Online-Shopping ganz klar Exklusivität und Preis im Vordergrund für Käufer – und eben nicht Convenience. Im Prinzip erinnert der Online-Einkauf bei AliExpress, Wish & Co. damit an eine Art von Glücksspiel: Die Kunden nehmen teil (Bestellung), setzen ihren Einsatz (Kaufpreis) und warten dann gespannt auf das Ergebnis (Zustellung der Ware). Vor diesem Hintergrund erklärt sich dann auch, warum Kunden selbst bei einer schlechten Erfahrung erneut bestellen – weil das Glücksrad quasi erneut gedreht wird und der Ausgang offen ist.

Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass Verbraucher bei Wish & Co. vor allem den Nervenkitzel suchen – ansonsten beim Standard-Shopping aber weiter auf die etablierten Player setzen. Passend dazu kauft auch über die Hälfte der Befragten (54 Prozent) seltener als einmal pro Quartal bei China-Marktplätzen ein. Gleichzeitig geben 44 Prozent an, mindestens einmal pro Monat bei Amazon.de zu bestellen. „Marktplätze wie Wish haben sich bei deutschen Konsumenten positioniert“, weiß ECC-Chef Kai Hudetz (siehe Foto). „Ihr Erfolg reicht aber nicht an etablierte Marktplätze wie Amazon heran.“

Viele Online-Händler aus Deutschland dürften daher auch in Zukunft bei Amazon & Co. verkaufen – auch wenn zum Beispiel der Verkauf bei Wish.com ja deutschen Online-Händlern ermöglicht wird. Doch wer keine exotische Ware führt, dürfte nur schwer die Erwartungshaltung der Kunden bedienen.

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Über Stephan Randler 2491 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

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