(K)eine Chance? Migros-Tochter Digitec versucht sich in Deutschland

Deutsche Online-Händler müssen sich auf einen weiteren Wettbewerber einstellen. So plant die Digitec Galaxus AG aus Zürich, bereits im kommenden Jahr nach Deutschland zu expandieren. Dann wollen die Eidgenossen auch hierzulande einen Online-Shop ihrer Zweitmarke „Galaxus“ betreiben, den es bereits seit Frühjahr 2012 für Schweizer Kunden gibt. Damit expandiert der Versender erstmals überhaupt seit der Gründung im Jahr 2001 ins europäische Ausland – und dabei aus gutem Grund nach Deutschland.

Florian Teuteberg
Florian Teuteberg (Bild: Digitec)

So kommen die Schweizer zum einen bald nach Deutschland, weil Digitec in der Bundesrepublik eine zehnmal so große Bevölkerung wie in der Schweiz ansprechen könne. Zum anderen würden eine „höhere Affinität zum Einkauf im Internet“ und die gemeinsame Sprache dafür sprechen, mit dem Online-Shop Galaxus.ch nach Deutschland zu gehen.

„Ich bin überzeugt, dass die Kunden in Deutschland unseren Online-Shop schätzen werden“, glaubt daher Florian Teuteberg (siehe Foto), CEO und Mitgründer von Digitec Galaxus.

Doch ein Selbstläufer dürfte das Geschäft in Deutschland sicher nicht werden. Denn hierzulande hat wohl kein Kunde darauf gewartet, dass mit Galaxus ein weiterer Wettbewerber im Haifischbecken E-Commerce mitmischt. Erschwerend kommt hinzu, dass Galaxus mit einem Universalangebot punkten will. So sind zum Beispiel in der Schweiz neben Smartphones und Druckerpatronen auch Windeln, Lippenstifte oder Sofas im Angebot. Mit so einem Sortiment konkurriert man hierzulande allerdings direkt mit Amazon.de, wo Kunden ebenfalls ein Sammelsurium an allen möglichen Produkten finden.

Gegenüber der Konkurrenz punkten will Galaxus hierzulande zum einen damit, dass man sich preislich mit „den günstigsten Mitbewerbern“ messen will. Dazu möchte Galaxus mit redaktionellen Inhalten die Kundschaft ködern, da Verbraucher in der Schweiz bereits Testberichte oder Kauf-Ratgeber im Online-Shop finden. So erklärt der Versender zum Beispiel, wie man einen Backofen wieder sauber bekommt oder welche Saugroboter wirklich etwas taugen. Doch ob das reicht im Wettbewerb mit Amazon.de?

Gute Preise bietet jedenfalls auch der US-Versandriese. Dazu können sich Kunden auch in Produkt-Bewertungen darüber informieren, welcher Artikel zu ihnen passt. Im direkten Vergleich fehlt Galaxus daher eine scharfe Positionierung – auch weil sich der Anbieter in der Schweiz recht nichtssagend als „Das Online-Warenhaus“ vermarktet. Am Schweizer Shop wird man sich aber auch hierzulande orientieren, um dadurch unter anderem den Aufwand in der Entwicklung klein halten zu können.

Firmensitz von Galaxus.de wird Hamburg. Wenn die Expansion nach Deutschland erfolgreich verläuft, sollen weitere Länder-Versionen des Galaxus-Shops folgen. Aktuell scheint das aber kaum vorstellbar.

Die Digitec Galaxus AG betreibt die beiden Online-Shops Digitec.ch (Start: 2001) und Galaxus.ch (Start: 2012). Während Galaxus als Universal-Versender positioniert ist, liegt bei Digitec der Fokus auf IT und Elektronik sowie Telekommunikation. Laut einer Marktanalyse der Schweizer E-Commerce-Beratung Carpathia war Digitec mit einem Netto-Umsatz von 602 Mio. Franken (exkl. MwSt.) im Jahr 2016 der größte Schweizer Online-Shop. Auf Platz zehn im Ranking liegt Galaxus mit einem Netto-Umsatz von 102 Mio. Franken. Der Handelskonzern Migros ist zu 70 Prozent an Digitec Galaxus beteiligt.

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