„Infotainment-Shopping“? Handelskette Real enttäuscht mit „Real.tv“

Die Handelskette Real beschreitet im E-Commerce neue Wege und will bei Verbrauchern nun mit einer „Infotainment-Shopping-Plattform“ punkten. Unter dem Motto „RealTV“ finden Internetnutzer daher nun eine Handvoll an Online-Videos, die Shoppen bei Real.de jetzt nicht nur zu einem „lebendigen Einkaufserlebnis“ machen sollen. Obendrein will Real so auch „völlig neue Zielgruppen“ erreichen.

Mike Weber
Mike Weber (Bild: Real Digital Services GmbH)

„Mit RealTV bieten wir modernes Infotainment, das inspirieren, empfehlen, erklären und Orientierung geben will“, argumentiert Mike Weber (siehe Foto links), Geschäftsführer der für den Online-Shop zuständigen Firmentochter Real Digital Services GmbH aus Düsseldorf. „Besondere Produkte werden hier detailliert und vor allem auf persönliche Art präsentiert.“

Dennoch ist schwer vorstellbar, dass Real mit seiner Video-Shopping-Strategie die vollmundig ausgerufenen Ziele erreichen wird. Denn bei dem Bewegtbild-Angebot macht die Handelskette schlichtweg zu viel falsch.

Zunächst einmal ist die Auswahl überschaubar. So gibt es in vier Kategorien im Online-Shop gerade einmal 23 Videos. Eine mehr als magere Auswahl für eine Plattform, die Nutzer mit „Infotainment-Shopping“ begeistern soll. In der Rubrik „Origins“ gibt es lediglich drei Clips und den Hinweis darauf, dass „mehr Videos in Kürze“ folgen sollen. Und in der Kategorie „Genusswerke“ sind vier von sieben Videos lediglich TV-Spots – die nun bei RealTV plötzlich „völlig neue Zielgruppen“ erreichen sollen.

Wobei letztlich auch der eigens produzierte Inhalt enttäuscht. So präsentiert ein Moderator zwar einzelne Artikel in Produktvideos. Doch „detailliert präsentiert“ wird die Ware nicht, wie ein Beispiel illustriert. So zeigt ein Video eine Bratpfanne einer Real-Marke (siehe Clip), die über eine Anti-Haft-Beschichtung verfügt. Was aber nun genau diese Pfanne einzigartig macht und wieso Kunden diesen Artikel kaufen sollten, wird in dem Video nicht verraten. Kaufempfehlungen wären ohnehin nicht glaubwürdig. Denn präsentiert wird die Ware von einem Künstler, der an sich Poetry Slams macht.

Produkt- und Sortimentskompetenz vermittelt man aber nicht, wenn man austauschbare Moderatoren ohne Bezug zur Ware vor die Kamera setzt. Vielleicht daher ein Glück, dass Real im Online-Shop seine Videos versteckt. So fehlt zum Beispiel auf der Produktseite der Real-Pfanne das passende Video.

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Über Stephan Randler 2133 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr

1 Kommentar zu „Infotainment-Shopping“? Handelskette Real enttäuscht mit „Real.tv“

  1. Ich bin immer wieder erstaunt, wie hochbezahlte Manager der Metro (Noch-Eigentümer von Real) es immer und immer wieder schaffen, einen Flop nach dem anderen zu produzieren.

    Der Artikel hier beschreibt absolut zutreffend, was an diesem neuen Projekt falschläuft. Videos ohne Mehrwert, in viel zu geringer Zahl, lieblos und folgerichtig auch noch gut versteckt (wohl aus Scham).

    Und es ist ja nicht so, das Real Zeit hat, sich auszutoben und auszuprobieren. Real ist seit Jahren mehr oder weniger ein Zombie und die Mutter Metro hat nun endgültig die Geduld verloren.

    Den Onlinetrend hat man jahre-, ja fast schon jahrzehntelang verschlafen. Dann kam man auf die Idee, einen Marktplatz aufzumachen. Das ist etwas, was Ebay und Amazon bereits seit zehn Jahren erfolgreich machen … und zwar besser, reichweitenstärker, zuverlässiger und angenehmer für den Kunden als Real. Welchen Grund sollte es für mich als Kunden geben, nun ausgerechnet bei real.de etwas zu bestellen und nicht bei Amazon und Ebay oder bei spezialisierten Versendern? Einen Grund bitte? Dazu fällt ja nicht einmal Real selbst etwas ein.

    Es ist wirklich erbärmlich und auch traurig mit anzusehen, was da gut bezahlte Manager sich so auszudenken. Am besten ist es mit dem Wort Fremdscham zu beschreiben. Ehrlich würde es sein, zuzugeben: Wir haben keine Ideen mehr und wir können es auch nicht. Das würde zumindest noch einen gewissen Mitleidseffekt auslösen.

    Mich wundert nur, dass die Metro-Eigentümer (allen voran Haniel, Schmidt-Ruthenbeck, Ceconomy und Beisheim mit zusammen etwas mehr als 50 % der Stimmrechte) nicht längst schon mal den Aufsichtsrat in die Wüste geschickt und kompetentere Leute eingesetzt haben. Denn es ist ja der Aufsichtsrat, der die Vorstände ernennt. Aber ok, es ist deren Geld, nichts meins.

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