Geschäftsjahr 2015: Westwing wächst schwächer als zuvor

Der Shopping-Club Westwing hat im vergangenen Geschäftsjahr 2015 einen Netto-Umsatz von 219,2 Mio. Euro eingefahren. Das berichtet die E-Commerce-Firma Rocket Internet, zu deren Portfolio der Shopping-Club zählt. Demnach ist der Umsatz zum Vorjahr um 19,6 Prozent gestiegen, was bei einem dreistelligen Millionenumsatz ein starker Wert ist. Ein Jahr zuvor konnte Westwing aber noch um 66,1 Prozent auf 183,3 Mio. Euro zulegen. Im Vergleich dazu hat sich das Wachstum daher im vergangenen Jahr merklich abgeschwächt. Und in einem der Quartale gab es 2015 sogar einen Umsatzrückgang.

Westwing Quartalszahlen
In den einzelnen Quartalen gab es 2015 nicht nur Zuwächse (Bild: eigene Grafik)

Denn für das dritte Quartal 2015 steht ein Umsatz von 45,3 Mio. Euro in den Büchern, wenn man von den 154,1 Mio. Euro aus den ersten neun Monaten 2015 die 108,8 Mio. Euro abzieht, die bereits im ersten Halbjahr 2015 generiert wurden. Für das Vorjahr ergibt sich dagegen mit 47,3 Mio. Euro Netto-Umsatz wiederum ein höherer Wert, wenn man von den 121,1 Mio. Euro aus den ersten neun Monaten 2014 den Umsatz aus den ersten sechs Monaten 2014 in Höhe von 73,8 Mio. Euro abzieht.

Im vierten Quartal 2015 konnte Westwing seinen Umsatz zwar wieder steigern. Mit einem Plus von 4,6 Prozent auf 65,1 Mio. Euro fällt das Wachstum aber vergleichsweise beschaulich aus. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2015 konnte Westwing noch um rund 58 Prozent auf 52 Mio. Euro zulegen, im zweiten Quartal 2015 immerhin den Umsatz noch um 39 Prozent auf 56,8 Mio. Euro steigern (siehe Grafik).

Nach Angaben von Rocket Internet hatten Wechselkurseffekte beim Geschäft von Westwing in Brasilien und Russland den Gesamtumsatz des Shopping-Clubs belastet. Bei konstanten Wechselkursen wäre der Umsatz von Westwing im Jahr 2015 daher um 25,7 Prozent gestiegen statt um nur 19,6 Prozent, wie es in den Konzernunterlagen von Rocket Internet heißt. Dort steht auch, dass man sich im vergangenen Geschäftsjahr darauf fokussiert habe, die Profitabilität von Westwing signifikant zu verbessern.

Erste Ergebnisse dieser Strategie hätten sich im vierten Quartal 2015 gezeigt, was die Zahlen so auch hergeben. Denn im vierten Quartal gab es mit einem Verlust von -4,1 Mio. Euro zwar ebenfalls ein negatives EBITDA (vor anteilsbasierter Vergütung). Der Vergleichswert aus dem Vorjahr war aber mit -11,8 Mio. Euro deutlich schlechter ausgefallen, so dass sich im Jahresvergleich auch die EBITDA-Marge von zuvor -18,9 auf -6,4 Prozent verbessert hat (siehe Tabelle). Mit einem Wert von -22,8 Prozent fällt die EBITDA-Marge zwar auch für das gesamte Jahr ein wenig besser aus als zuvor (2014: -25,6 Prozent). Absolut betrachtet hat sich der Verlust aber von zuvor -46,9 auf -49,9 Mio. Euro erhöht. Als Grund nennt man Investitionen in Teams, Technik und den Einfluss von Maßnahmen zur Kundengewinnung.

Westwing Kennzahlen
Neben dem Umsatz hat sich 2015 auch der Verlust erhöht (Bild: Screenshot)

Wie Westwing den Verlust im vierten Quartal 2015 minimieren konnte, wird zunächst nicht verraten. Den Unterlagen von Rocket Internet lässt sich aber entnehmen, dass im vierten Quartal 2015 nur 17 Prozent vom Umsatz (65,1 Mio. Euro) für allgemeine Verwaltungskosten ausgegeben wurden – umgerechnet etwa 11,1 Mio. Euro. Im vierten Quartal 2014 waren es noch 29 Prozent von 62,2 Mio. Euro – gerundet 18 Mio. Euro. In Werbung hatte Westwing im vierten Quartal 2015 zudem nur neun Prozent vom Umsatz investiert – etwa 5,9 Mio. Euro. Im vierten Quartal 2014 waren es noch 16 Prozent vom Umsatz – gerundet knapp zehn Mio. Euro. Gerade die geringeren Marketing-Kosten könnten – neben Wechselkurseffekten – erklären, warum es im vierten Quartal 2015 nur ein moderates Plus gab.

Warum Westwing generell den Umsatz im gesamten vergangenen Jahr steigern konnte, wird explizit im Geschäftsbericht nicht verraten. Der Shopping-Club hatte aber neue Smartphone-Apps veröffentlicht, was das Geschäft befeuert haben könnte. Unter dem Namen „Westwing Now“ bieten die Münchner zudem seit dem vergangenen Jahr erstmals auch ein dauerhaftes Sortiment an Accessoires und Möbeln an, das die wechselnden Aktionsangebote ergänzt. Auch das dürfte zu mehr Umsatz geführt haben.

Westwing verkauft derzeit an Kunden in elf europäischen Ländern und ist außerdem in Brasilien aktiv.

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Über Stephan Randler 2630 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.