Erster Magalog von Westwing: Bestellen schwer gemacht

Eigentlich ist der Münchner Shopping-Club Westwing ja darauf spezialisiert, seinen Mitgliedern immer wieder zeitlich begrenzte Aktionsangebote mit hohen Rabatten anzubieten. Zusätzlich zu diesen Flash-Sales gibt es seit diesem Jahr erstmals auch ein dauerhaftes Sortiment an Accessoires und Möbeln, das Kunden online auf der Seite WestwingNow.de kaufen können.

Um das Geschäft der neuen Shopping-Plattform zu befeuern, setzt man nun auch zum ersten Mal auf Print-Anstöße im Hause Westwing. Konkret wurde ein 100 Seiten starker Magalog mit einer Auflage von etwa 270.000 Exemplaren gedruckt, der in diesen Tagen an die Kunden von Westwing und WestwingNow verschickt wurde. Dass es sich dabei um den ersten Schritt der Münchner ins Print-Marketing handelt, zeigt sich aber schnell. So offenbart der Magalog einige handwerkliche Schwächen, die Westwing in Zukunft besser vermeiden sollte.

Westwing MagalogErste Schwachstellen hat bereits das Titelbild. Gut gelöst ist hier zwar, dass neben dem Titel des neuen Shopping-Kanals auch die entsprechende Internet-Adresse genannt wird („WestwingNow.de“). Schließlich könnten Bestandskunden im dümmsten Fall die Ware aus dem dauerhaften Sortiment im bekannten Shopping-Club suchen – und scheitern. Auch ein Leistungsversprechen steht auf dem Titel („Ihr Online-Einrichtungshaus“), wobei der Slogan aber recht beliebig ist und zu jedem Möbelhändler passen dürfte.

Viel schwerer wiegt aber, dass ein Kaufanreiz auf dem Cover fehlt. So wird über einen Störer zwar kommuniziert, dass WestwingNow „jetzt neu“ ist (siehe Foto). Besser wäre hier aber wohl ein Gutschein für Neukunden oder Erstbesteller, um Käufe anzuschieben (kurioserweise gibt es einen Willkommensgutschein von fünf Euro, den Westwing aber auf Seite 99 versteckt).

Magalog-Check: Keine Kennziffern, wenig Kaufanreize, versteckte Vorteile

Schade ist auch, dass auf dem Titelbild weitere Angaben zu den abgebildeten Produkten fehlen. Wer sich für die Artikel auf dem Cover interessiert, kann diese daher nicht bestellen. Das ist umso ärgerlicher, weil das Titelbild auf Seite 8 erneut auftaucht und mit dem Störer „Unser Cover-Look“ beworben wird. Auf den Titel gehört deshalb ein Hinweis auf die Seite 8.

Westwing MagalogTypische Doppelseite aus dem ersten Westwing-Magalog (Bilder: Screenshots)

Den Einkauf erschwert Westwing allerdings auch auf seinen Produktdoppelseiten. Wer daher die Seite 8 aufblättert, findet neben einer Szenerie zwar viele Abbildungen einzelner Artikel. Bei allen Produkten fehlt aber eine Kennziffer, über die sich diese Produkte im Online-Shop suchen und bestellen lassen. Wer die Ware online kaufen will, muss daher entweder mit den Namen im Online-Shop suchen. Alternativ kann man online Seiten aufrufen, die alle Produkte einer Doppelseite enthalten. Das ist aber ziemlich umständlich, weil man dazu lange Seitentitel wie www.westwingnow.de/looks/dinner-unterm-dach von Hand eintippen muss.

Prinzipiell liegt bei den Störern auch noch Potenzial brach, da diese immer gleich gestaltet sind – egal ob es sich um einen Kaufanstoß („Shop Now!“) handelt oder eine Eigenschaft betont wird („Design-Klassiker“). Besser wäre hier, wenn Westwing für die verschiedenen Botschaften auch unterschiedliche Störer nimmt, die sich beispielsweise in Form oder Farbe unterscheiden.

Prinzipiell gelungen ist dagegen, dass Westwing auf einer Katalogseite alle Kundenvorteile listet (Beispiel: „Unkomplizierte Rückgabe“). Diese Mehrwerte versteckt Westwing aber ebenfalls im Innern des Katalogs (Seite 3), anstatt sie zum Beispiel auf dem Rücktitel aufzuführen – diese Seite ist schließlich die aufmerksamkeitsstärkste Seite neben dem Cover. Aus diesem Grund platzieren Versender hier gerne Bestseller aus ihrem Sortiment, um von dieser hohen Aufmerksamkeit zu profitieren. Westwing zeigt hier zwar eine Vase, doch Infos zum Produkt fehlen – womit die Münchner auch auf der letzten Seite das Bestellen unnötig erschweren.

Wer sich selbst ein Bild machen will: Hier gibt es eine Online-Version von dem Magalog.

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Über Stephan Randler 2271 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr