Elektronik-Handel: Pixmania beantragt Sanierungsverfahren

Der Elektronik-Spezialist Pixmania steht mehr denn je vor einer ungewissen Zukunft. Konkret befindet sich der französische Online-Pureplayer seit wenigen Tagen in seinem Heimatland in einem Sanierungsverfahren (Fachbegriff: „Procédure de Sauvegard„), das sich im deutschen Recht mit einem Schutzschirmverfahren vergleichen lässt. Wie bei diesem Verfahren bleibt bei der französischen „Procédure de Sauvegard“ das bestehende Management im Amt. Es wird aber vom Gericht ein Verwalter beauftragt, der des Management im Verfahren unterstützt.

Pixmania Online-ShopPixmania beklagt harten Wettbewerb im Elektronik-Handel (Bild: Screenshot)

Das französische Verfahren läuft nun über einen Zeitraum von sechs Monaten, in denen das Geschäft von Pixmania saniert werden soll. Vorrangiges Ziel ist dabei, die Kosten des Online-Händlers weiter zu reduzieren. So könne sich Pixmania im laufenden Sanierungsverfahren zum Beispiel schneller als üblich von Mitarbeitern trennen und dadurch die Personalkosten reduzieren, wie der deutsche Eigentümer Mutares gegenüber neuhandeln.de verdeutlicht. Wenn die Kosten aber nicht sinken, könnte in einem halben Jahr auch die Insolvenz drohen.

Überraschen dürfte es Leser von neuhandeln.de jedenfalls nicht, dass Pixmania nun mit Hochdruck saniert werden soll. Denn bereits vor einem guten Monat hatte die deutsche Mutares AG davor gewarnt, dass das Marktumfeld von Pixmania im ersten Halbjahr 2015 von einem “starken Preiswettbewerb” gekennzeichnet war, was zu einem “starken Margendruck” geführt habe. Im Halbjahresbericht hieß es damals zudem, dass die schwierige Ertragslage sowie “Einmalaufwendungen für die Anpassung der Kostenstruktur” und “eine signifikante Reduzierung der Finanzierungslinien bei Lieferanten” die Liquidität von Pixmania belasten.

Zur Erinnerung: Im ersten Halbjahr war der Netto-Umsatz um über 20 Prozent auf 88,9 Mio. Euro gesunken, das EBITDA hatte sich von 5,4 Mio. auf 2,9 Mio. Euro verschlechtert. Zuvor sank der Umsatz bereits im Geschäftsjahr 2014 von nahezu 300 Mio. auf nur noch 213,2 Mio. Euro, obwohl man ursprünglich mit einem Umsatz von 250 Mio. Euro gerechnet hatte.

Ein Stück weit war der Umsatzrückgang zwar geplant, weil sich Pixmania im vergangenen Jahr von einigen Randsortimenten wie Gartenmöbeln getrennt hatte. Die Mutares AG beklagte aber auch einen „harten Wettbewerb im E-Commerce„, der die Brutto-Margen unter Druck setze.

Perspektive: Pixmania könnte zu einem reinen Online-Marktplatz werden

Nach eigenen Angaben konnte Pixmania zwar im Geschäftsjahr 2014 sehr große Fortschritte in der Restrukturierung des Geschäfts erzielen. Demnach wurden Personal- und Gemeinkosten „signifikant gesenkt“ und der Einkauf „deutlich verbessert„. Beim selbst entwickelten Programm zur Restrukturierung braucht Pixmania laut Mutares aber auch bessere Umsätze und Margen. Da der Umsatz zuletzt sank, dürfte nun das Sanierungsverfahren gestartet worden sein.

Das fränzosische E-Commerce-Unternehmen Pixmania ist in 14 Ländern aktiv – darunter auch Deutschland – und gehört seit Januar 2014 zur deutschen Mutares AG, die den Händler von der britischen Dixons-Gruppe übernahm. Zur Gruppe gehört neben dem Kernangebot Pixmania (über das auch externe Händler verkaufen) das B2B-Portal Pixmania Pro sowie der Live-Shopping-Dienst Oferton und der Online-Shop Grosbill. Bis vor zwei Jahren gab es auch einige Filialen, die aber allesamt geschlossen wurden. Gegründet wurde Pixmania bereits im Jahr 2000, in früheren Zeiten kam der Händler auf einen Jahresumsatz von 800 Mio. Euro.

Kosten sparen könnte Pixmania übrigens, wenn der Elektronik-Händler den eigenen Verkauf komplett einstellt und nur noch Dritte über die Online-Portale der Franzosen verkaufen. Nach eigenen Angaben ist das für Pixmania derzeit jedenfalls eine Option für die Zukunft.

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Über Stephan Randler 3151 Artikel
Stephan Randler (43) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

1 Kommentar

  1. Wenn ich mir die Bewertungen auf diversen Portalen anschaue, dann sollte dort eher mal am Kundenservice gefeilt werden.
    Nichts ist abschreckender als ein schlechter Kundendienst, der erst in Bewegung kommt wenn schlechte Bewertungen abgegeben werden.
    Dort ein paar Euro investieren, und sie werden sehen dass die Käufer guten Gewissens wieder einkaufen werden !

Kommentare sind deaktiviert.