"Aldi Life Musik": Die Chancen und Risiken beim Streaming

von Stephan Randler

23.09.2015

 (Bild: NH-Pressebild)
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Bild: NH-Pressebild unter Creative Commons Lizenz
In dieser Woche steigt mit dem Discounter Aldi   erstmals ein deutscher Lebensmittelhändler in das Geschäft mit Musik-Streaming ein. Konkret startet am Donnerstag unter dem Namen "Aldi Life Musik   " ein Service, mit dem Aldi mit Anbietern wie Apple   oder Spotify   konkurriert. Und die Chancen stehen gut, dass der Lebensmittel-Discounter mit dem Angebot auch punkten kann.

Aldi Life MusikAldi entert das Geschäft mit digitalem Content (Bild: obs/Aldi/©Medion AG)

Zunächst einmal lässt bei Aldi das Pricing aufhorchen. So verspricht der Discounter bei seinem neuen Streaming-Dienst nicht weniger als 34 Mio. Songs, die man für eine Monatspauschale von 7,99 Euro nach Belieben online abrufen kann. Zum Vergleich: Apple kommt bei seinem vor ein paar Monaten gestarteten Streaming-Service "Apple Music   " auf 30 Mio. Songs, die man für 9,99 Euro hören kann. 30 Mio. Songs für eine Pauschale von 9,99 Euro im Monat verspricht auch der Streaming-Anbieter Spotify   , der den Markt bereits seit knapp zehn Jahren beackert. Aldi unterbietet aber nicht seine Konkurrenten nicht nur preislich. Der Discounter hat zudem den Vorteil, dass er seinen neuen Streaming-Dienst auch über Werbung in seinen Filialen bei Bestandskunden bewerben kann. Damit könnte Alid auch weniger online-affine Verbraucher für sich gewinnen, die der etablierten Marke "Aldi" vertrauen und reine Online-Dienstleister wie Spotify möglicherweise noch gar nicht kennen. Und das ist allein schon vor dem Hintergrund interessant, dass der Markt für Musik-Streaming-Dienste in Deutschland derzeit brummt.

Marktanteil von Streaming soll stark steigen, doch eine Gratis-Kultur droht

So zeigen Zahlen vom Bundesverband Musikindustrie   : Allein im Jahr 2014 sind die Umsätze der Streaming-Dienste um 79 Prozent gewachsen   , während parallel das Geschäft mit klassischen MP3-Downloads um 1,2 Prozent (Alben) beziehungsweise 7,4 Prozent (Singles) zurück ging   . Mit einem absoluten Umsatz von gerade einmal 108 Mio. Euro kommen Streaming-Dienste im digitalen Musikgeschäft allerdings erst von einen Marktanteil von 29,1 Prozent, während weiter klassische Downloads den Digitalmarkt dominieren. Insgesamt wurde sogar in Deutschland mit Musik im vergangenen Jahr ein Gesamtumsatz von 1,48 Mrd. Euro erzielt, wobei digitale Inhalte prinzipiell nur ein Viertel des Marktes ausmachten und physische Tonträger mit einem Umsatz von 1,11 Mrd. Euro nach wie vor den Markt beherrschen - die CD ist also längst nicht "tot" (zur Info: alle Umsatzangaben beziehen sich auf Endverbraucherpreise inklusive Mehrwertsteuer).

Umsatzanteile DigitalgeschäftStreaming wächst - aber in der Nische (Grafik: Bundesverband Musikindustrie)

Dennoch ist bei dem bislang bescheidenen Marktanteil der Streaming-Dienste verständlich, dass der Musikverband für Spotify & Co. eine gute Zukunft prognostiziert. So soll im Jahr 2019 bereits ein Anteil von 24 Prozent am gesamten Musikumsatz über Streaming erzielt werden   . Realistisch erscheint in der Tat, dass Musik-Streaming für Verbraucher an Bedeutung gewinnt. So können Nutzer überall Musik hören, ohne einzelne Songs dazu umständlich auf einzelne Geräte kopieren zu müssen. Durch die zunehmende Verbreitung von mobilen Daten-Flatrates dürfte es Nutzer auch immer weniger kümmern, wenn zum Hören unterwegs eine mobile Datenverbindung nötig ist. Ob Nutzer aber auf Dauer für Streaming-Dienste bezahlen, steht wieder auf einem anderen Blatt. Durch das neue Aldi-Angebot wird der Konkurrenzkampf jedenfalls mit einem neuen Dumping-Preis befeuert, auf den wohl auch die Wettbewerber mit Preissenkungen reagieren werden. Bei Amazon bekommt man in den Staaten und UK zudem bereits heute einen Musik-Streaming-Service dazu   , wenn man zum Prime-Mitglied   wird. Diesen Service dürfte Amazon auch einmal in Deutschland anbieten. Dadurch wird Musik aber preislich weiter entwertet und verkommt zunehmend zu einem Marketing-Instrument für Big Player wie Amazon oder Aldi, die Kunden nun über digitale Inhalte an sich binden können. Es dürfte daher immer schwerer werden, für Streamings noch extra Geld verlangen zu können.
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