„Amazon Go“: So funktioniert der kassenlose Supermarkt in der Praxis

Unter der Bezeichnung „Amazon Go“ testet der US-amerikanische Versandriese seit einem guten Jahr in Seattle ein neues Stationärkonzept, das völlig ohne klassische Kassensysteme auskommt. Nachdem der futuristische Supermarkt zunächst nur Mitarbeitern von Amazon vorbehalten war, können seit kurzem auch erstmals externe Kunden dort einkaufen. Jetzt hat Stephan Tromp – der stellvertretende Hauptgeschäftsführer vom Handelsverband Deutschland (HDE) – die Chance genutzt und sich bei einer US-Reise einmal ausführlich vor Ort im Amazon-Store umgesehen.

Amazon Go
Der Markt von außen (Bild: Stephan Tromp)

„Der neue kassenlose Convenience-Store in Seattle hat seine Türen für alle Kunden geöffnet. Auf rund 170 qm werden hauptsächlich Convenience-Produkte angeboten. Es gibt aber auch Grundnahrungslebensmittel sowie einige Non-Food-Produkte.

Betreten kann man den Supermarkt nur, wenn man vorher die Go-App heruntergeladen hat und mit seinem Amazon-Konto angemeldet ist. Die App stellt dann einen QR-Code bereit, den man beim Check-In an einer Schranke scannen muss.

Im Laden werden dann von über 100 Kameras und zusätzlichen Sensoren alle Aktionen erfasst und in Verbindung mit künstlicher Intelligenz ausgewertet. Amazon nennt die drei Technologien: Computer Vision, Sensor Fusion und Deep Learning. Das Resultat ist, dass jede Entnahme eines Produktes aufgezeichnet wird. Man kann dies in Echtzeit auf seiner App nachvollziehen. Zurücklegen von Produkten, die man bereits in seine Einkaufstasche gelegt hatte, wird ebenfalls sofort erkannt.

Amazon Go
Die Checkout-Schranke (Bild: Stephan Tromp)

Das betreffende Produkt wird danach von der Einkaufskiste in der App entfernt. Amazon generiert mit Hilfe der Identifizierung durch den QR-Code aus der App für jeden Kunden beim Betreten einen virtuellen Einkaufskorb.

Ist man mit seinem Einkauf fertig, verlässt man den Laden über eine Check-Out-Schranke. Danach wird sofort vom Amazon-Account ein Bon erstellt und der Einkaufswert über das Amazon-Konto abgerechnet.

Festzuhalten ist, dass sich „Amazon Go“ im Ladenbau und Sortiment nicht von einem Convenience-Store oder „To go-Shop“ unterscheidet.

Das Revolutionäre ist daher die Technik und die Kombination aus Bildauswertung, Echtzeitverarbeitung von Daten sowie die Auswertung mittels künstlicher Intelligenz. Die Erfassung aller Kunden und deren Einkäufe bietet eine bisher so nicht gekannte Möglichkeit der Analyse der Einkaufsgewohnheiten sowie Management und Optimierungsmöglichkeit des Warenbestandes. Kundenbedürfnisse und Trends können so schnell erfasst und im Laden umgesetzt werden. Gleichzeitig dient die Technik nicht nur der Erfassung der Einkäufe, sie ist auch Diebstahlschutz, so dass die Inventurdifferenzen gegen Null gehen dürften. Da es im Store auch kein Bargeld gibt, ist der Schutz vor Überfällen ebenfalls sehr hoch.


 

„Amazon Go“ zeigt, wohin sich Handel entwickeln kann: Kassen- und bargeldlos sowie datengetrieben. Nur eins hat Amazon noch nicht automatisiert. Wer an das Regal mit Weinen und Spirituosen möchte, muss sich mit seinem ID ausweisen, der von einem Mitarbeiter manuell von Mensch zu Mensch Aug in Aug kontrolliert wird. Aber bestimmt wird es auch hierfür demnächst eine Technologie geben.“

Stephan Tromp HDE
Stephan Tromp (Bild: HDE)

Über den Autor: Stephan Tromp (siehe Foto links) ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Handelsverband Deutschland (HDE).

Der HDE ist als Spitzenorganisation des deutschen Einzelhandels das legitimierte Sprachrohr der Branche gegenüber der Politik auf Bundes- und EU-Ebene, gegenüber anderen Wirtschaftsbereichen, den Medien und der Öffentlichkeit. Dabei kann er auf die breite Unterstützung von Landes- und Regionalverbänden sowie Fachverbänden bauen. In allen Bereichen der Wirtschaftspolitik, der Steuerpolitik, der Gesetzgebung und der Qualitätssicherung ist der HDE für seine Mitglieder tätig.

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