Projekt „Collins“: Feature-Flut statt E-Commerce-Revolution

Heute hat die Otto-Gruppe in Hamburg das Millionenprojekt Collins offiziell gestartet. Auf den ersten Blick liefert die passende Pressemeldung wenig neue Erkenntnisse. So wird zwar bestätigt, dass die Online-Shops Aboutyou.de sowie Edited und SisterSurprise die ersten Collins-Marken sind. Wer die einschlägigen E-Commerce-Blogs verfolgt, dürfte das aber längst wissen.

About YouBildquelle: Screenshot

Revolutionär wirken Shops wie Aboutyou auf den ersten Blick außerdem nicht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Otto-Gruppe in das Collins-Projekt einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. Und man mit spannungsgeladenen Statements („Wir glauben daran, dass Menschen künftig anders einkaufen werden als bisher„) im Vorfeld doch hohe Erwartungen geweckt hat.

Für die Projekt-Verantwortlichen ist allerdings der Shop Aboutyou.de nach eigenen Angaben zunächst nur ein Fundament. Wichtiger sei vielleicht, was nicht sofort sichtbar ist:

„Collins ist anders strukturiert als die meisten Unternehmen in unserem Bereich. Schon zum Start von aboutyou.de haben Entwickler aus unserem Umfeld, aber auch Händler und Menschen aus dem Fashion-Business über unser Developer Center 29 Apps entwickelt.“

Tatsächlich gibt es zahlreiche Apps bei AboutYou, die von externen Entwicklern stammen. Diese erhalten im Gegenzug für jeden Verkauf über ihre App eine Provision, wenn die Ware nicht retourniert wird. Die Anwendungen haben das Ziel, die Besucher im Online-Shop zu (Impuls-)Käufen zu inspirieren. Dieser Ansatz ist sicher richtig, da Online-Shops heute noch viel zu oft auf die Bedarfsdeckung fokussiert sind. Wirklich innovativ sind viele Ansätze allerdings nicht.

Über die App „Ask your Friend“ kann man mit Freunden über Produkte auf Facebook sprechen, was der Trachtenanbieter Lodenfrey allerdings in ähnlicher Form bereits vor drei Jahren angeboten hatte. Die Anwendung „Daily Cut“ präsentiert jeden Tag ein anderes Produkt zum Spezialpreis, was man von zahlreichen Live-Shopping-Portalen oder Quelle kennt („Q des Tages„).

Die Anwendung „Hot or Not“ erinnert an ein ähnliches Voting von Bonprix. Dass man Looks von Prominenten abonnieren kann („Get the Look„), gab es bereits bei Google Boutiques. Die App „Nachteule“ empfiehlt Outfits für Diskotheken. Doch auch das erinnert an bereits Bekanntes wie die Yalook-Trendmap, wo Nutzer die in ihrer Stadt angesagte Mode angezeigt bekamen.

Diese Beispiele verfestigen jedenfalls den Eindruck, dass dem Otto-Konzern keine E-Commerce-Revolution gelungen ist. Diese mag vielleicht auch nicht geplant gewesen sein, konnte durch die Geheimniskrämerei im Vorfeld aber doch erhofft vermutet werden.

Der Konzern muss vielmehr aufpassen, seine Nutzer nicht mit zu vielen Features zu erschlagen. Denn neu mögen einzelne Anwendungen vielleicht nicht sein, in dieser Menge sind sie in einem Online-Shop wahrscheinlich aber schon einzigartig. Doch Features allein garantieren keinen Erfolg. Für diese These sprechen jedenfalls zwei prominente Beispiele: So ist das Google-Portal Boutiques längst offline und die Otto-Tochter Yalook mit Trendmap bereits Geschichte.

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2 Kommentare zu Projekt „Collins“: Feature-Flut statt E-Commerce-Revolution

  1. Find den Ansatz spannend andere auf die Plattform zu lassen. Ist zwar nicht völlig neu, kennt man ja schon von Apple und Facebook, aber aus dem ecommerce kenne ich es noch nicht. Bin gespannt.

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  1. Collins versetzt eine ganze Branche in Verzückung « Exciting Commerce

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