„Zweite Chance“ für Kallax & Malm: Ikea experimentiert mit Re-Commerce

Der schwedische Möbel-Riese Ikea startet in Deutschland demnächst ein interessantes Pilotprojekt. So kauft der Multichannel-Händler ab September 2018 hierzulande erstmals gebrauchte Möbel von seinen Kunden zurück. Damit reagiert Ikea auf ein „wachsendes Bedürfnis nach einem nachhaltigen Konsum“.

Ikea Fundgrube
Fundgrube in einem Möbel-Markt (Bild: Ikea/André Grohe)

Die Vorgehensweise erinnert dabei an das Geschäftsmodell von deutschen Re-Commerce-Spezialisten wie Momox oder reBuy, die gebrauchte Ware ankaufen und anschließend als Second-Hand-Ware erneut anbieten. Dabei wird in einem ersten Schritt online ein Ankaufspreis für die Ware ermittelt.

So läuft der Verkauf auch bei Ikea ab. Kunden können ab September 2018 auf der Internetseite Ikea.de/ZweiteChance zunächst das Produkt angeben, das sie wieder verkaufen möchten. Angekauft werden aber nur Möbel, die sich in einem guten bis einwandfreien Zustand befinden. Dafür gibt es zwischen 30 Prozent (guter Zustand) bis 50 Prozent (wie neu) vom Neupreis.

Im Anschluss kann der Kunde seine gebrauchten Möbel am Rückgabe-Schalter in einem Ikea-Markt abgeben, wo er eine Guthabenkarte bekommt. Die Second-Hand-Ware bietet der Möbel-Händler vor Ort in seiner „Fundgrube“ an, wo es bereits heute Produkte mit Macken oder Ausstellungsstücke zu reduzierten Preisen gibt. Hier werden die Second-Hand-Möbel zu dem Preis angeboten, den Ikea seinen Kunden auch beim Ankauf zahlt. Denn am Weiterverkauf der gebrauchten Möbel will Ikea nach eigenen Angaben nichts verdienen, lediglich die Mehrwertsteuer wird auf den Ankaufspreis aufgeschlagen.

Mit diesem Re-Commerce-Modell kann Ikea im Idealfall mehrfach punkten. So wird die „Fundgrube“ aufgewertet, wenn Kunden dort bald mehr Ware in guter Qualität vorfinden. Damit zieht Ikea vielleicht mehr Menschen mit kleinem Geldbeutel an, die günstigere Möbel suchen. Bei seiner Stammkundschaft kann Ikea wiederum mit Nachhaltigkeit punkten. Schließlich passiert es immer wieder, dass nach einem Umzug ein Möbelstück nicht mehr zu der neuen Wohnung passt. Ware kann man künftig nicht nur bei eBay & Co. wieder zu Geld machen, sondern direkt bei Ikea abgeben – und mit dem Guthaben dann das nächste Möbelstück kaufen. So bindet Ikea im Idealfall auch noch seine Stammkunden enger an sich.

Wobei das Re-Commerce-Modell zum Start einige Einschränkungen hat. So werden nicht alle Möbel angekauft, sondern gerade Bestseller von Serien wie Kallax (Regale) oder Malm (Betten, Kommoden).

Angekauft wird die Ware zum Start zudem nur in fünf Märkten. Das dürfte sich zwar ändern, wenn der Service ankommt. Möbel kann man aber nur abgeben, wenn sie aufgebaut sind. Große Möbel muss man also entweder mit einem Transporter anliefern oder vorher auseinander bauen und bei Ikea wieder zusammensetzen. Da wirkt ein Verkauf über eBay deutlich angenehmer. Denn hier holen Verbraucher die Gebrauchtware ja oft selbst ab, so dass Verkäufer hier kaum Mehraufwand haben.

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Über Stephan Randler 2220 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr

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