„Wenig attraktiv“: Die neue Hugendubel-Kundenkarte im Praxis-Check

“Meine Karte fürs Lesen“: Unter diesem Motto steht die brandneue Kundenkarte von Hugendubel, die Verbrauchern verschiedene Vorteile verspricht. Zentraler Bestandteil ist dabei, dass Verbrauchern jeder Einkauf mit so genannten „Lesepunkten“ versüßt wird – das gilt sowohl für Bestellungen im Online-Shop als auch für Einkäufe in den bundesweit rund einhundert Filialen. Für jeden Euro Brutto-Umsatz gibt es von Hugendubel jeweils zehn Punkte, für einen Einkauf im Wert von 20 Euro also zum Beispiel dann 200 Lesepunkte. Diese sind drei Jahre gültig und verfallen nach Ablauf von drei Jahren zum 30. Juni.

Hugendubel Kundenkarte
Die neue Kundenkarte (Bild: Hugendubel)

Bevor die Punkte aber verfallen, sollen Kunden sie im Prämien-Shop von Hugendubel einlösen (Zugang nur für Verbraucher mit Kundenkarte). Hier können Kunden unter Büchern und Sachprämien wie Spielen oder Zubehör für den eReader „Tolino“ wählen.

Inhaber einer Kundenkarte bekommen neben diesen Prämien über ihre gesammelten „Lesepunkte“ aber auch noch weitere Vergünstigungen. So gibt es zum Beispiel noch Ermäßigungen auf Hugendubel-Veranstaltungen wie Lesungen oder Rabatt-Gutscheine für Kalender oder Tolino-Zubehör.

Überzeugen kann Experten dieses Angebot trotzdem nicht. „Das Kernproblem liegt vor allem in der mangelnden Attraktivität der Prämien“, bemängelt Georg Blum, Inhaber der CRM-Beratung 1A Relations. Der Hintergrund: Buchhändler dürfen aufgrund der Buchpreisbindung auf den Kauf von Büchern nur dann Prämien vergeben, solange die einzelne Prämie maximal zwei Prozent des zuvor eingekauften Buchwertes nicht überschreitet. Für das Buch „Kann weg“ benötigen Kunden daher 9.000 Lesepunkte, um den Titel im Wert von 17,99 Euro zu erhalten. Eine Prämie von zehn Lesepunkten hat damit einen Wert von zwei Cent – das sind zwei Prozent vom ursprünglichen Einkaufswert (1 Euro).

Georg Blum
Georg Blum (Bild: 1A-Relations GmbH)

„Damit ist Hugendubel viel weniger attraktiv als andere Bindungsprogramme“, kritisiert Blum. Die ersten Prämien gibt es bei Hugendubel zudem erst ab 2.500 Punkten, so dass Kunden also 250 Euro Umsatz machen müssen, um in den Genuss einer ersten Prämie zu kommen.

„Als Außenstehender sehe ich wenige Chancen für einen durchschlagenden Erfolg“, prognostiziert Blum. Dennoch sollte man dem Programm eine Chance geben. „Wenn einige Kunden deshalb auf Käufe bei Amazon oder Thalia verzichten, stellt das Programm zumindest einen Beitrag zum Erfolg dar.“

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Über Stephan Randler 2244 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr