„Strukturwandel im Handelsmarkt“: Ex Libris schließt 43 Filialen

Die Migros-Tochter Ex Libris setzt in der Schweiz den Rotstift an: So schließt der auf das Geschäft mit Medien spezialisierte Multichannel-Händler den Großteil seiner Ladengeschäfte in der Alpenrepublik, wo Kunden momentan noch in 57 Filialen einkaufen können. Übrig bleiben sollen davon allerdings nur noch 14 Standorte, den Rest will die Migros-Tochter bis spätestens zum Jahresende 2018 einstampfen.

Ex Libris Filiale
Filiale von Ex Libris (Bild: Ex Libris)

Der Grund für diese strategische Entscheidung ist, dass sich bei Ex Libris ein „Strukturwandel im Handelsmarkt“ bemerkbar mache. Das bedeutet: Im Online-Geschäft kann die Migros-Tochter zwar zulegen, parallel bröckelt aber das Filialgeschäft. Hier sind die Umsätze nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren flächenbereinigt um ein Drittel gesunken.

Vor Ort geht das Geschäft zurück, weil Kunden ihre Medien zunehmend online einkaufen – nicht zuletzt bei internationalen Anbietern. Diese Entwicklung bekämen die Ladengeschäfte „in aller Härte“ zu spüren.

Deshalb seien „schmerzliche Eingriffe“ unvermeidlich und 114 Mitarbeiter verlieren bei „Ex Libris“ ihren Job. Ein Sozialplan wurde bereits verabschiedet, um die Auswirkungen für die Betroffenen abzufedern.

Ex Libris wurde 1947 als Buchclub gegründet und ist seit 1956 eine Tochtergesellschaft der Migros. Im vorletzten Jahr 2016 wurde ein Umsatz von 112 Mio. Franken erzielt, was ein Minus von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Der Online-Umsatz war im vergangenen Jahr aber um acht Prozent gestiegen und macht bereits 60 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Stationär gab es einen Rückgang von zehn Prozent. Das Ergebnis hatte sich um 0,8 Prozent verbessert, konkrete Zahlen nennt man nicht.

Der erste Online-Shop ging bereits 1999 an den Start, seit dem Jahr 2010 verfolgt die Migros-Tochter eine Omni-Channel-Strategie. Deshalb können Kunden in einer Filiale einen Artikel bestellen und nach Hause liefern lassen, der vor Ort nicht vorrätig ist. Dazu können Kunden sich ihre Online-Bestellungen auf Wunsch auch in eine Filiale liefern lassen, um die Ware selbst abzuholen. Kunden können vor Ort auch die Rechnungen ihrer Bestellungen bezahlen und online abrufen, welche Artikel wo vorrätig sind.

Auch in Zukunft will Ex Libris vor allem mit Service punkten. „Wir sind näher bei unseren Kunden als die Konkurrenz aus dem Ausland“, argumentiert die Migros-Tochter und investiert weiter in ein „nahtloses Einkaufserlebnis“. Etwas anderes bleibt den Schweizern ja kaum übrig, denn über das Sortiment kann sich Ex Libris nur schwer vom Wettbewerb differenzieren. Denn Bücher, CDs und DVDs gibt es auch bei zahlreichen anderen Anbietern – oder bei konkurrierenden Streaming-Diensten wie Spotify. Durchaus möglich also, dass sich schlichtweg das aktuelle Geschäftsmodell von Ex Libris einmal überleben wird.

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