Sinnvoll oder überflüssig? Zalando will Retouren mit Body-Scanner reduzieren

Der Berliner Mode-Händler Zalando verstärkt sich mit einem Zukauf. So übernimmt nun der Fashion-Spezialist den IT-Dienstleister Fision aus Zürich in der Schweiz, der auf so genannte „3D-Body-Scans“ spezialisiert ist. Mit dieser Technik will Zalando die Retourenquoten bei Online-Bestellungen senken.

Zalando Fision Meepl
Fision ermittelt richtige Größen (Bild: Fision)

Und in der Praxis geht das aktuell so: Nutzer laden die entsprechende App von Fision auf ihr Smartphone, die momentan unter dem Namen „Meepl“ angeboten wird. Anschließend starten Nutzer den Body-Scanner und stellen sich so vor ihr Smartphone, dass die App über die Smartphone-Kamera den ganzen Körper des Nutzers erfassen kann (siehe Abbildung links).

Dabei werden zwei Bilder aufgenommen, um so ein Abbild des Körpers zu ermitteln. Die erfassten Maße sollen Nutzer danach als Orientierungshilfe verwenden, um bei Bekleidung die passende Größe online einzukaufen.

Diesen Service will Zalando auch in sein Online-Angebot integrieren. So sollen Kunden in ihrem Profil präzise Körpermaße hinterlegen, um genaue Größenempfehlungen zu erhalten. Denn ein Thema der Fashion-Industrie ist ja nach wie vor, dass sich einzelne Größen von Marke zu Marke unterscheiden.

Zalando löst ein Problem, das Kunden gar nicht haben

Wenn Kunden dagegen ihren Körper scannen, erhält Zalando die individuellen Maße. Passend dazu kann Zalando die richtigen Größen empfehlen. So sollen Verbraucher nur Artikel kaufen, die wirklich passen. Wie das Verfahren einmal genau aussieht, ist aktuell aber offen. Denn zunächst wird Zalando das Team von Fision integrieren und den Standort Zürich zu einem „Tech-Hub“ ausbauen. Bis Kunden den 3D-Scanner direkt bei Zalando nutzen können, werden daher noch 18 bis 24 Monate vergehen.

In dieser Zeit sollte Zalando die Anwendung noch ein wenig optimieren. Denn beim Praxis-Test ist der Body-Scan beim ersten Versuch direkt fehlgeschlagen, obwohl bereits die Bilder aufgenommen waren. Beim zweiten Mal hat der Scanner zwar funktioniert und meine Maße ermittelt. Doch das Verfahren ist nicht so simpel wie es im ersten Moment scheint. Denn es ist etwas umständlich, die richtige Position vor dem Smartphone zu finden, damit der 3D-Body-Scanner auch den ganzen Körper erfassen kann.

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Sonst wird der Scan nicht durchgeführt. Dazu muss sich die Person mit ihrer Kleidung stark genug vom Hintergrund abheben (siehe Video). Doch selbst wenn die Technik funktioniert: Es stellt sich durchaus ja die Frage, wie sinnvoll der Body-Scanner an sich überhaupt ist. Zumindest aus der Sicht der Kunden.

Denn diese haben ja kein Problem damit, einzelne Textilien in verschiedenen Größen zur Anprobe zu bestellen. Schließlich wirbt Zalando ja genau damit („Kostenloser Versand und Rückversand“). Für den Kunden löst die App daher eigentlich ja gar kein Problem. Im Gegenteil. Zalando muss sich ja vielmehr überlegen, wie man Kunden dazu bringt, sich vermessen zu lassen. Denn Retouren sind in erster Linie ein Thema, das Zalando bewegt. Verständlich also, dass Zalando hier etwas unternimmt. Denn weniger Retouren bedeuten weniger Aufwand und geringere Kosten. Doch das ist die Sicht des Händlers. Wenn Kunden aber keinen Vorteil in dem Scanner sehen, wird sich das Verfahren auch nicht durchsetzen.

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Über Stephan Randler 2653 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.