Öko-Tüten mit Rasierklingen: Otto testet neue Versandverpackungen

Der Hamburger Online-Händler Otto hat ein interessantes Logistik-Projekt gestartet, bei dem eine Alternative zu den klassischen Versandverpackungen getestet wird. Ausgewählte Bestellungen werden daher in diesen Tagen in kompostierbaren Versandtüten verschickt, die Otto mit dem Start-up Traceless entwickelt. Dabei soll jetzt zum einen ermittelt werden, wie Kunden die neuen Taschen annehmen. Zum anderen will Otto aber auch herausfinden, ob und wie sich die Öko-Alternative in bestehende Logistik-Prozesse integrieren lässt.

Otto Traceless
Das ist die alternative Versandtüte (Bild: Otto)

Deshalb werden gerade insgesamt 5.000 Bestellungen in kompostierbaren Versandtaschen verschickt. Dabei ermittelt Otto zufällig, welche Kunden ihre Bestellung in der neuen Verpackung erhalten. Generell verschickt Otto solche Produkte in den neuen Taschen, die sich dafür eignen – und vom Hamburger Online-Händler normalerweise in regulären Plastiktüten an die Kunden gehen.

Verschickt werden in den neuen Versandtaschen daher vor allem Textilien oder kleinere Artikel wie Staubsaugerbeutel oder Rasierklingen. Wer so ein Produkt bestellt, kann also prinzipiell die Lieferung in der neuen Öko-Tasche erhalten.

Im Versandzentrum wurden die Tüten dafür an den Packstationen verteilt und die Mitarbeiter dort informiert, dass ein entsprechender Test startet. Bei einer Bestellung wird am Packplatz dann ermittelt, ob die Ware in einem Karton oder in einer Versandtüte verschickt wird. Wenn eine Tüte reicht, können Mitarbeiter wählen, ob sie den Artikel in eine normale Plastiktasche stecken oder in der brandneuen Öko-Variante verschicken.

Versandtaschen biologisch abbaubar

Otto rechnet damit, dass die kompostierbaren Verpackungen nach wenigen Tagen aufgebraucht sind. Dann wird Feedback eingesammelt. So enthält jede Öko-Tüte einen Beileger, der Kunden dazu aufruft, an einer Umfrage teilzunehmen. Herausfinden will Otto damit beispielsweise, ob Kunden die neuen Verpackungen einfach öffnen können und die enthaltenen Artikel auch heil angekommen sind. Testen will Otto zudem, ob sich die Öko-Tüten problemlos auf den vorhandenen Förderanlagen in den Versand- und Sortierzentren transportieren lassen. Wenn das alles gewährleistet ist, will Otto die Taschen in großen Mengen einsetzen.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. So gibt es momentan zum Beispiel erst eine Pilotanlage für die Produktion. Der Otto-Partner Traceless muss also noch Kapazitäten aufbauen, um große Mengen an Öko-Taschen produzieren zu können. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Test erfolgreich verläuft. So wurden zwar schon Prototypen über mehrere Monate hinweg erprobt und verbessert. Doch jetzt zeigt sich, wie alltagstauglich die Öko-Tüten unter realen Versandbedingungen sind. Wichtig ist beispielsweise, dass auch die biologisch abbaubaren Versandtaschen in der Praxis wasserbeständig bleiben und reißfest sind.

Einfache Entsorgung möglich

Die neuen Taschen bestehen aus Graspapier und einem biobasierten Plastikersatz, der aus Pflanzenabfall hergestellt wird. Diese Tüten sind nach Angaben von Otto kompostierbar und innerhalb von zwei Wochen vollständig abgebaut. Verbraucher können daher die Verpackung einfach über den Heimkompost oder die gelbe Tonne entsorgen, wenn die Tasche nicht mehr benötigt wird. Gut vorstellbar also, dass künftig mehr Bestellungen in den neuen Öko-Tüten verschickt werden – wenn sie denn jetzt den Praxistest bestehen.

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Über Stephan Randler 3152 Artikel
Stephan Randler (43) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.