Offiziell: eBay startet Plus-Programm zur Kundenbindung

Bereits seit einigen Monaten verdichten sich die Hinweise darauf, dass eBay an einem eigenen Kundenbindungsprogramm arbeitet und damit einen Gegenentwurf zum Prime-Programm von Amazon plant. Nun ist es tatsächlich so weit. So will eBay in Deutschland sein Prime-Pendant in diesem Monat bereits den ersten Kunden anbieten, spätestens im November sollen dann alle deutschen Nutzer von eBay das Kundenbindungsprogramm in Anspruch nehmen können.

eBay PluseBay Plus verspricht Händlern mehr Umsatz zu weniger Kosten (Bild: Screenshot)

Kunden will eBay mit einer Handvoll Vorteilen für das neue Programm begeistern. Demnach bekommen Kunden alle Artikel auf dem Online-Marktplatz mit dem Label „eBay Plus“ ohne Versandkosten. Wenn Kunden bis 14 Uhr bei einem Verkäufer bestellen, soll die Ware zudem noch am gleichen Tag versendet werden und dadurch im Idealfall bereits am nächsten Werktag bei dem Kunden eintreffen. Dieser kann die Plus-Artikel zudem innerhalb von einem Monat kostenlos retournieren. Zusätzlich soll es für Nutzer von „eBay Plus“ exklusive Deals geben.

Diese Service-Leistungen gibt es aber nicht umsonst. So müssen Nutzer von eBay im Jahr eine Pauschale von 19,90 Euro bezahlen, wenn sie das neue Kundenprogramm nutzen wollen.

Das funktioniert zudem nur, wenn auch Händler mitziehen und ihre Angebote als Plus-Artikel auf dem Online-Marktplatz vermarkten. Prinzipiell können nur gewerbliche Händler an dem Programm teilnehmen, zum Start von „eBay Plus“ sollen ungefähr zehn Prozent der Angebote von gewerblichen eBay-Händlern in Deutschland über das neue Programm erhältlich sein.

Benefits für Händler: Höhere Sichtbarkeit bei geringeren Gebühren

Damit möglichst viele Händler mitziehen und damit das Plus-Programm für eBay-Nutzer auch attraktiv wird, ködert eBay seine Handelspartner mit einigen Vorteilen. So gewährt eBay auf Plus-Transaktionen seinen Verkäufern einen Rabatt von 15 Prozent auf die Verkaufsprovision, alle Plus-Artikel will man zudem mit einem entsprechenden Logo in Suchtreffern hervorheben.

Wer am Plus-Programm teilnimmt, soll also mehr verkaufen und weniger Provision abdrücken. Die Kosten für die Rücksendungen übernimmt eBay obendrein für seine Plus-Partner.

Wie sich das rechnet, muss man wohl im EinzeIfall kalkulieren. Denn im Gegenzug kann man bei Plus-Artikeln auch keine Versandkosten berechnen, obwohl diese de facto ja anfallen. Wer aber mit Plus-Artikeln neue Kunden ködert, kann eventuell durch zusätzlichen Traffic auch die Verkäufe von regulären Angeboten in seinem eBay-Shop steigern. eBay argumentiert zudem, dass viele der potenziellen Plus-Partner bereits heute ihre Artikel versandkostenfrei liefern.

Teilnehmen können prinzipiell aber nur gewerbliche Händler, die den Status „Verkäufer mit Top-Bewertung“ besitzen und bereits ein einmonatiges, kostenloses Rückgaberecht bieten.

Mit dem neuen Plus-Programm will eBay augenscheinlich einen ähnlichen Lock-in-Effekt erreichen, den man Amazon bei seinem Prime-Programm nachsagt. Demnach sollen Prime-Mitglieder nicht nur deshalb Amazon die Treue halten, weil sie eine Jahresgebühr bezahlen.

Immer wieder hört man auch, dass Prime-Kunden den Einkauf bei Amazon so schätzen, dass sie meist nur noch direkt bei Amazon nach Produkten suchen und gar nicht mehr bei Preis-Portalen oder Suchmaschinen. Angeblich spielt der Preis für viele Prime-Kunden auch nur eine untergeordnete Rolle. Demnach sollen Prime-Kunden selbst dann bei Amazon ordern, wenn der gewünschte Artikel woanders vielleicht einmal günstiger zu haben ist. Denn Prime-Kunden bleiben Amazon angeblich auch treu, weil sie die reibungslose Abwicklung schätzen.

Amazon PrimeAmazon Prime bietet Mitgliedern mehr als Gratis-Versand (Bild: Screenshot)

Im direkten Vergleich zum neuen Plus-Programm von eBay bietet Amazon Prime neben einem kostenlosen Versand aber auch noch weitere Vorteile wie kostenlose eBooks für den Amazon Kindle und eine Gratis-Flatrate für Video-Streamings von Fernsehserien und Kinofilmen. Dafür kostet die Mitgliedschaft bei Amazon Prime aber mit einer Jahresgebühr von 49 Euro gleich mehr als doppelt so viel wie das neue Kundenbindungsprogramm von eBay. Amazon-Kunden zahlen zudem für alle Inklusiv-Leistungen – auch wenn sie nur kostenlosen Versand wollen.

Hier kann eine Chance für eBay liegen, da man sich mit dem Plus-Programm auf kostenlosen Versand fokussiert. Hier lauern aber auch Risiken. Denn eBay ist darauf angewiesen, dass die Partner die Service-Versprechen tadellos umsetzen. Amazon dagegen ist selbst als Händler aktiv und kann daher selbst steuern, dass Kunden ihre Ware auch wirklich schnell erhalten.

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Über Stephan Randler 2263 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr