Neues Filialkonzept: Hugendubel reduziert weitere Flächen

Der Müncher Buchhändler Hugendubel will sein Filialnetz weiter umkrempeln. Demnach wird das Unternehmen zusätzliche Standorte seiner bundesweit insgesamt 90 Filialen nach und nach verkleinern. Hintergrund ist, dass in einem halben Dutzend Filialen in den vergangenen zwei Jahren die Fläche bereits um durchschnittlich 50 Prozent verkleinert worden ist und dieses neue Konzept mit einem übersichtlicheren Sortiment nach eigenen Angaben sehr gut funktioniere:

Hugendubel Online-ShopDer Hugendubel Online-Shop (Bildquelle: Screenshot)

„Unsere deutschlandweit 90 Filialen bleiben trotz erfreulich wachsender Online-Umsätze das Fundament unseres Geschäftsmodells. Dennoch haben wir verstanden: Dank Online wollen unsere Kunden in den Filialen nicht mehr das komplette Buchangebot vorfinden, sondern die beste Auswahl und die beste Beratung.“

Obwohl weiter Fläche reduziert wird, spricht Hugendubel deshalb von einem „klaren Bekenntnis zum stationären Handel„. Passend dazu wurden die Mietverträge der Hugendubel-Standorte in Erfurt (Fläche: 2.200 Quadratmeter), Ulm (2.250 Quadratmeter) und der Wilmersdorfer Straße in Berlin (1.200 Quadratmeter) gerade um bis zu neun Jahre verlängert. Zum Vergleich: Bei dem halben Dutzend Filialen mit bereits reduzierter Fläche hat Hugendubel im Schnitt die Größe der Geschäfte von zuvor 1.200 Quadratmetern auf nun rund 600 Quadratmeter reduziert.

Auch die Mietverträge der „Leuchtturm-Filialen“ in den Top-Lagen in der Frankfurter Innenstadt (Größe: 4.000 Quadratmeter) und am Münchner Stachus (2.000 Quadratmeter) wurden jeweils um 15 Jahre beziehungsweise zehn Jahre verlängert. Reduziert wird die Fläche dagegen sicher in Stuttgart, wo das Geschäft in der Königstraße bei einer Fläche von 4.000 Quadratmetern mit der Filiale in Frankfurt zu den zwei größten Hugendubel-Filialen gehört.

Das bisherige Geschäft schließt im April 2015, in der Königstraße sucht Hugendubel nach einer kleineren Fläche für das neue Filialkonzept. Denn wenn Fläche reduziert wird, mietet der Buchhändler in der Regel in der Nähe ein kleineres Geschäft. Die Immobiliensituation in den Top-Lagen sei momentan allerdings „sehr angespannt„, wie Hugendubel berichtet.

Zahlen bestätigen Konzept: Gleicher Umsatz bei halber Fläche

Dass Hugendubel dennoch verstärkt kleinere Geschäfte sucht, war abzusehen. So hieß es bereits im Konzernabschluss 2012/2013 (Stichtag: 30. Juni) der Konzern-Mutter DBH, dass an ersten Standorten mit nur noch halb so viel Fläche nahezu der gleiche oder sogar mehr Umsatz wie zuvor erzielt werden konnte und man das neue Filialkonzept daher an weiteren Standorten konsequent umsetzen werde. Durch die Verknüpfung von Filialgeschäft und Online-Shop sei der Umsatz im E-Commerce im Vergleich zum Vorjahr erneut um über 50 Prozent gestiegen.

Kein Wunder also, dass die neuen Filialen auch den Online-Handel befeuern sollen. So sollen Kunden die Buchhandlungen zunehmend „als Anlaufstelle für sämtliche Fragen rund um die Welt der Bücher“ nutzen, wozu auch die Tolino-eReader zählen. Auch das hatte sich angedeutet: Denn laut dem Konzernabschluss 2012/2013 hätten bereits damals die Absatzzahlen der frisch eingeführen Kindle-Alternative belegt, dass Kunden ihre eReader „in bedeutsamen Maße in einem buchnahen und stationären Umfeld kaufen“ und es dabei schätzen würden, durch „die direkte Beratung vor Ort einen möglichst einfachen Zugang zu digitalem Lesestoff“ zu bekommen.

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Über Stephan Randler 2244 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr