„Ideale Zeit für Innovationen“: Wie Mustang sein Geschäft digitalisiert

Brandneuer Online-Shop, modernisierte Filialen sowie zusätzliche Vertriebskanäle im Internet: Mit einer regelrechten Digitalisierungsoffensive hat die deutsche Jeans-Marke Mustang im vergangenen Jahr die Weichen für die Zukunft gestellt. Denn mit Multichannel-Services wie „Click & Collect“ will der Hersteller sein Filialgeschäft ausbauen, während Mustang online mit einer Markenerlebnis-Plattform punkten will. Die Rechnung geht auf, wie E-Commerce-Chef Fabian Koßmehl im Gespräch mit neuhandeln.de erklärt.

Fabian Kossmehl
Fabian Koßmehl (Bild: Mustang Store GmbH)

neuhandeln.de: Welche Rolle hat der Online-Shop im Plattform-Zeitalter?

Fabian Koßmehl (30): „Uns ist es wichtig dort zu sein, wo unsere Kunden sind. Daher können Verbraucher unsere Kollektionen auch auf anderen Online-Portalen wie Amazon oder Zalando kaufen. Als Hersteller und Händler müssen wir uns fragen, welchen Mehrwert wir Kunden in unserem Online-Shop bieten können. Aus diesem Grund möchten wir unsere Kunden im eigenen Online-Shop mit einem Marken-Erlebnis begeistern und durch ausführliche Produktdetails einen echten Mehrwert bieten, den es in dieser Form online bei anderen Plattformen oder Marktbegleitern nicht gibt.“

neuhandeln.de: Deshalb wurde beim Shop-Relaunch einiges geändert.

Koßmehl: „Auf Produktseiten verlinken wir nun auf einzelne Blog-Beiträge, in denen wir Kunden bestimmte Outfits empfehlen. Dazu zeigen wir authentische Postings von Instagram-Nutzern, die unsere Mode tragen. In Kürze folgt zudem ein Outfit-Berater, der Kunden passende Jeans empfiehlt. Solche Mehrwerte zahlen auf unsere Marke ein – weil es diese bei anderen Online-Portalen nicht gibt.“

neuhandeln.de: Es wurde aber längst nicht nur am Frontend geschraubt.

Koßmehl: „Seit dem vergangenen Jahr können sich Kunden ihre Bestellungen über „Click & Collect“ in eine Filiale liefern lassen, wenn sie zu Hause nicht auf den Postboten warten möchten. Über den Service „Ship to Home“ haben Mitarbeiter in unseren Filialen zudem die Möglichkeit, vergriffene Artikel den Kunden nach Hause liefern zu lassen. Dabei belassen wir es aber nicht. Wir ermutigen Mitarbeiter dazu, sich Online-Bestellungen genau anzusehen. Unsere Store-Mitarbeiter können so zum Beispiel von einer Jeans andere Größen bereitlegen, falls die bestellte Hose nicht passt. So können wir Kunden bei einer Abholung einen Mehrwert bieten, während Verkäufer höhere Chancen auf einen Abschluss haben.“

neuhandeln.de: Spielt der monetäre Aspekt denn eine große Rolle?

Koßmehl: „Wie es in der Branche üblich ist, beteiligen wir unsere Mitarbeiter durch Provisionen. Dabei gilt der Grundsatz: Wenn stationär inszenierte Einkäufe über den Online-Shop nach Hause gesendet werden, wird dieser Umsatz auch der entsprechenden Filiale zugerechnet. So wollen wir das Online- und Offlinegeschäft bestmöglich verbinden. Aus diesem Grund digitalisieren wir auch unsere Stores. Unter dem Motto „Magic Mirror“ bieten wir in ersten Filialen in den Umkleiden digitale Displays an, über die man Jeans in anderen Größen vom Personal anfordern oder im Store-Sortiment stöbern kann.“

neuhandeln.de: Sind diese digitalen Gimmicks aber überhaupt nötig?

Koßmehl: „Wir wollen unseren Kunden auch offline ein breites Marken-Erlebnis bieten. Kunden sind von den „Magic Mirrors“ begeistert und finden es daher spannend, einen Store aufzusuchen. Wie nachhaltig solche Services sind, steht aber sicher auf einem anderen Blatt. Jetzt ist jedoch die ideale Zeit, um neue Dinge auszuprobieren. Gerade für unsere Marke, bei der Lifestyle zur DNA gehört. Nicht umsonst hatten wir zum Beispiel einmal eines der ersten Internet-Cafés in Deutschland betrieben.“

neuhandeln.de: Wobei Mustang nicht zuletzt online stark investiert.

Koßmehl: „Wir möchten dort sein, wo die Kunden sind. Deshalb verkaufen wir seit dem vergangenen Jahr zum ersten Mal selbst als Händler bei Amazon und Zalando, nachdem wir diese Anbieter bislang nur über das klassische Wholesale-Geschäft mit unserer Ware bedient haben (hier kooperiert Mustang mit dem Marktplatz-Spezialisten Tradebyte, der neuhandeln.de als Sponsor unterstützt – Anm. d. Verf.). Marktplätze wie Amazon bieten meist nicht den gesamten Umfang einer Kollektion an. Durch die Präsenz unseres eigenen Online-Shops können wir aber das gesamte Sortiment anbieten und unsere Kunden in vollem Umfang bedienen. Dabei achten wir darauf, unsere Mode auf allen Plattformen zum gleichen Preis anzubieten. Das halten wir für nötig, um gegenüber Kunden einheitlich aufzutreten.“

PS: Verpassen Sie keine Beiträge mehr! Jeden Freitag liefert Ihnen unser Info-Service alle Nachrichten, Analysen und Insider-Infos der Woche kostenlos in Ihr Postfach. 4.561 Kollegen aus dem Versand- und Multichannel-Handel nutzen dieses Angebot schon, um up-to-date zu bleiben. Jetzt hier anmelden:

Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung. Die Einwilligung lässt sich jederzeit widerrufen. *Pflichtfeld

Über Stephan Randler 2286 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr