„2021 in a nutshell“: Liefer-Dienst Gorillas macht bei der Plakat-Werbung viel falsch

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„Lebensmittel geliefert in zehn Minuten“: Mit diesem Kundenversprechen wirbt der Lieferdienst Gorillas auf seiner Website. Wie sinnvoll dieser Service ist, steht zwar auf einem anderen Blatt. Zumindest ich bin nicht darauf angewiesen, meinen Einkauf bei einem Online-Supermarkt in Windeseile zu erhalten.

Gorillas
Plakat von Gorillas (Bild: Stephan Randler)

Trotzdem aber bringt Gorillas auf seiner Website klar zum Ausdruck, was das eigene Alleinstellungsmerkmal ist. Denn die Berliner liefern die Bestellungen quasi sofort, während Verbraucher bei klassischen Online-Supermärkten in der Regel ja deutlich länger auf ihre bestellten Lebensmittel warten müssen.

Die superschnelle Zustellung von Lebensmitteln ist also der zentrale Vorteil, den Kunden bei Gorillas erhalten. Leider wird das so zwar auf der Website kommuniziert. Bei der Plakat-Werbung dagegen bleibt im Dunkeln, wie der Lieferdienst bei der potenziellen Kundschaft eigentlich nun punkten will.

Aus der Offline-Werbung geht zudem nicht einmal hervor, was Gorillas überhaupt ist geschweige denn, wofür das Unternehmen denn steht. Das zeigt der Blick auf ein aktuelles Gorillas-Plakat, das so gerade in einem Vorort von Stuttgart zu finden ist (siehe Foto oben). Von einem Online-Supermarkt oder einem Liefer-Service steht hier nämlich gar nichts. Zu lesen gibt es auf dem Plakat nur den Spruch: „2021 in a nutshell“ sowie der Name und das Logo von Gorillas als auch die Unterzeile „Faster than you“. Dazu kommen nur noch ein Hashtag (#obsessed) sowie Hinweise auf die App Stores von Apple und Google.

Was hat eine Nussschale mit einem Online-Supermarkt zu tun?

Doch was sagt das jetzt dem neutralen Beobachter? Wenig bis nichts. Denn schon die zentrale Aussage „2021 in a nutshell“ verwirrt. So bergen englische Werbebotschaften nicht nur generell das Risiko, dass manche Verbraucher in Deutschland sie schlichtweg nicht verstehen. Erschwerend kommt hier dazu, dass der Begriff „Nutshell“ – das englische Wort für „Nussschale“ – nun wirklich nicht gebräuchlich ist.

Auf Deutsch heißt der Satz also: „2021 in einer Nussschale“. Im Englischen steckt eine Redewendung dahinter. Denn wer etwas in eine Nussschale packt, bringt eine Sache auf den Punkt. Wer also diesen Gedankensprung hinbekommt, weiß: Das Jahr 2021 steht ganz im Zeichen von Gorillas. Doch was sagt das dem Verbraucher? Selbst wer Gorillas kennt, wundert sich: Der Lieferdienst verspricht doch eine schnelle Zustellung von Lebensmitteln. Was hat das jetzt mit dem Jahr 2021 zu tun? Auch der Zusatz „faster than you“ („Schneller als du“) verwirrt. Denn unklar bleibt, auf was sich die Aussage bezieht.

Gemeint ist wohl: Verbraucher bekommen ihre Lebensmittel schneller, als wenn sie selbst einkaufen würden. Doch dieser Kundenvorteil geht aus dem Plakat nicht hervor. Es wird ja nicht erklärt, wer oder was Gorillas überhaupt ist. Doch wenn das unklar ist, kann sich auch der Zusatz „faster than you“ auf alles beziehen. Vielleicht also gibt es von Gorillas ja einen Saugroboter, der die Hausarbeit schneller erledigt als man selbst? Das Plakat ist jedenfalls so nichtssagend, dass selbst das ja denkbar wäre.

Dabei könnte es so einfach sein: „Gorillas – Dein neuer Online-Supermarkt. Liefert Lebensmittel in zehn Minuten.“ Und statt einem nackten Hinweis auf die App-Stores: „Jetzt online über unsere App bestellen und Bonus für Erstkunden sichern“. Diese Plakat-Werbung wäre zumindest klar und verständlich. Und dass Gorillas es besser kann, zeigt ja die eigene Website. Ob ein besseres Plakat aber überhaupt etwas hilft, steht ohnehin auf einem anderen Blatt. Denn ich habe mir direkt vor dem Plakat die App auf mein Smartphone geladen – um umgehend zu erfahren, dass bei mir aktuell eh noch gar nicht geliefert wird.

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Über Stephan Randler 2887 Artikel
Stephan Randler (42) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

2 Kommentare

  1. Was die Platkatwerbung aber definitv erzeugt, ist Neugier. Nachdem heutzutage sowieso gefühlt jede/r mit einem Smartphone durchs Leben wandelt, googlet man schnell nach dem Markennamen und wird sofort fündig.

    Das Plakat – unter anderem auch die anderen Plakate der Kampagne – verwenden teilweise typische Phrasen nach dem „Clickbait“-Schema: „Supermärkte hassen diesen Trick: GORILLAS“. Online-affinen Menschen zaubert sowas doch mal zumindest ein Schmunzeln aufs Gesicht.

    Und für die Zielgruppe – junge Menschen, die den ganzen Tag online sind, die XBOX dem Gang in den Supermarkt vorziehen und sich nicht mehr ohne Tutorial die Schnürsenkel zubinden können – sind wenig Text, große Schrift und ein QR-Code doch genau das Richtige.

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