Comeback nach 14 Jahren: Der Katalog von Adler Mode im Praxis-Check

Die Modemarkt-Kette Adler feiert in diesem Herbst ihr Katalog-Comeback. Denn nach einer Pause von gleich 14 Jahren ist nun erstmals wieder ein gedruckter Katalog von Adler Mode erschienen. Auf 64 Seiten finden Kunden daher nun Herren- und Damen-Mode für den Herbst und Winter. Doch wie verkaufsstark ist die erste Print-Ausgabe seit 2008? Ein Praxis-Check zeigt einige Schwachstellen, die Adler künftig beheben sollte.

Adler Katalog
So sieht die Titelseite aus vom neuen Adler-Katalog (Bild: Adler Modemärkte GmbH)

Reichlich Potenzial für Verbesserungen bietet bereits die Titelseite. Hier bewirbt Adler zwar ausgewählte Angebote aus dem Katalog, um Kunden neugierig zu machen. Leider belässt es Adler aber dabei, lediglich die Angebote zu benennen. So heißt es zum Beispiel: „Tu dir etwas Gutes mit Wolle & Cashmere“ (siehe Abbildung). Doch auf welcher Seite im Katalog die entsprechenden Produkte gezeigt werden, verrät Adler nicht. So müssen Kunden mühsam selbst nach den Artikeln suchen, wenn sie sich dafür interessieren.

So eine Mühe dürfte sich aber nicht jeder Interessent machen, weshalb viel Verkaufspotenzial direkt auf dem Titel verpufft. Dabei müsste Adler lediglich noch zusätzlich die Seitenzahlen auf dem Cover nennen, auf denen man die beworbenen Produkte nachher auch im Katalog findet. Das gilt auch für das Outfit, das die Dame auf dem Cover trägt. Hier fehlt ebenfalls ein Hinweis, wo man diese Textilien denn im Katalog findet.

Anonymes Editorial, keine Vorteilsargumentation

Nach dem Cover folgen die nächsten Baustellen. Denn auch der Katalogeinstieg kann nicht überzeugen. Zwar gibt es auf Seite 3 ein Editorial, in dem Jasmin Schröter die Leser begrüßt. Doch es wird weder die Funktion genannt, die sie bei Adler ausübt – noch gibt es ein Foto von ihr zu sehen. So bleibt der Einstieg anonym, Nähe zum Kunden entsteht nicht. Was ebenso komplett auf den ersten Seiten fehlt, ist zudem eine Vorteilsargumentation: Eine Übersicht also mit den wichtigsten Vorteilen, die Kunden bei Adler erhalten. Auch hier wären zahlreiche Varianten denkbar. Potenzielle Kunden ködern könnte man beispielsweise mit Hinweisen auf exklusive Angebote, besonderen Service-Vorteilen für Besteller oder – bei dem Katalog-Comeback vielleicht am naheliegendsten – einem Rabatt für alle, die aus dem neuen Katalog bestellen.

Gut gestaltet sind dagegen die Produktseiten. Hier zeigt Adler gerne ein Bild mit einer Person, die ein komplettes Outfit trägt (zu sehen zum Beispiel auf Katalogseite 7). Neben dem Bild werden dann die einzelnen Artikel aufgelistet, die im Outfit enthalten sind – also zum Beispiel Mantel, Bluse und Hose. Bei jedem Artikel gibt es zudem eine Nummer, über die sich das jeweilige Produkt bestellen lässt. Zusätzlich garniert Adler seine Produktseiten mit QR-Codes. Wer also die Produkte eines Outfits direkt online ansehen will, muss lediglich den QR-Code im Bild scannen. Leider wird aber nicht direkt erklärt, wie das funktioniert.

So steht bei einem QR-Code entweder gar nichts oder nur: „Direkt online shoppen“. Lesern sollte man aber zumindest einmal im Katalog erklären, dass sie dazu den Code im Kamerabild ihres Smartphones ausrichten und dann den Link öffnen müssen, der angezeigt wird. Schließlich adressiert Adler nach eigenen Angaben ja die Altersgruppe 50plus, die weniger Technik-affin ist. Besonders bitter aber ist: Manche QR-Codes führen zu Seiten, die eine Fehlermeldung produzieren („Die von Ihnen gesuchte Seite besteht leider nicht mehr“).

QR-Codes führen immer wieder ins Leere

Überraschend kommt zudem, dass auf einigen Seiten im Print-Katalog plötzlich Bücher und Spielwaren präsentiert werden. Diese Sortimente hatte zumindest ich jetzt gar nicht bei Adler erwartet. Wünschenswert wäre daher eine Einleitung, warum Adler auch solche Produkte führt und warum ausgerechnet diese Artikel für den Katalog ausgewählt wurden. So folgt auf Herren-Unterwäsche recht unvermittelt eine Auswahl an acht Gesellschaftsspielen (Seite 56), bevor es dann mit Kindermode wieder zurück zum Kernsortiment geht.

Richtig schwach ist aber die Rückseite des Katalogs. Erfahrene Experten aus dem Versandhandel wissen: Diese Seite zählt mit zu den verkaufsstärksten Flächen in einem Print-Katalog. Händler nutzen diese Fläche daher traditionell gerne, um einen Bestseller aus ihrem Sortiment zu bewerben – oder benennen hier noch einmal alle Vorteile, die sich Kunden durch eine Bestellung sichern. Dadurch sollen möglichst viele Leser darin bestärkt werden, jetzt auch tatsächlich einzukaufen. Und Adler? Auf dem Rücktitel ist lediglich eine Person abgebildet, die Pullover, Hose und Schuhe trägt. Daneben steht in Großbuchstaben: Gerry Weber.

Potenzial der Rückseite verpufft

Ob es Mode von Gerry Weber bei Adler gibt? Verrät die Seite nicht. Und falls ja, dann wo im Katalog oder Shop? Ebenfalls unklar. Denn rechts unten auf der Seite klebt lediglich verloren ein QR-Code – ohne die gewohnte Handlungsaufforderung („Direkt online shoppen“). Vielleicht auch besser so. Denn der Scan zeigt in meinem Test keine Produktseite im Online-Shop – sondern lediglich eine 16-stellige Nummer. Und wenn ich mit dieser im Online-Shop suche, erhalte ich – der geneigte Leser möge es erahnen – keinen Treffer.

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Über Stephan Randler 3203 Artikel
Stephan Randler (43) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.