Beate Uhse: Wachstum der Versandsparte schwächt sich ab

Die Beate Uhse AG hat in diesen Tagen einen interessanten Zwischenbericht für die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres 2014 vorgelegt. Demnach zeigt sich der Erotik-Spezialist mit dem Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2014 zufrieden (siehe Seite 4 im PDF):

Beate UhseBildquelle: Screenshot

„Mit Beginn dieses Geschäftsjahres sind wir in die Expansionsphase eingestiegen. Insbesondere in den Bereichen Großhandel und Versandhandel konnten wir Wachstumspotentiale erfolgreich nutzen. Dadurch realisierte der Konzern in den ersten sechs Monaten 2014 einen Umsatzanstieg von 2,3% auf 70,0 Mio. Euro. Das EBIT konnte ebenfalls gesteigert werden von 1,1 Mio. Euro auf 1,5 Mio. Euro. Diese Zahlen belegen, dass wir die Phase der Stabilisierung hinter uns gelassen haben und auf Wachstumskurs sind.“

Tatsächlich war der Gesamtkonzern im Vorjahreszeitraum nur um 0,3 Prozent gewachsen, so dass man durchaus von einem Wachstumskurs sprechen kann. Kein Wunder. So wurde in diesem Frühjahr nicht nur erstmals im deutschen Fernsehen geworben. Der Multichannel-Händler positioniert sich seit dem vergangenen Jahr im Erotik-Geschäft zudem mit einem neuen Markenbild, um verstärkt junge Frauen anzusprechen. Dieses Ziel konnte das Unternehmen im zweiten Halbjahr 2014 auch erreichen, wie es im Halbjahresbericht heißt (Seite 8 im PDF):

„Seit Beginn des Jahres lässt sich ein Neukundenanstieg von 14% im Versandhandel verzeichnen. Dies zeigt, dass die Markenrepositionierung im wichtigsten B2C-Kanal erfolgreich ist. Bis zu 80% der Neukunden sind derzeit weiblich. Obwohl wir uns noch im Prozess der Etablierung unseres neuen Markendesigns und unserer neuen Markenbotschaften befinden, wird die Akzeptanz unserer neuen konzeptionellen Ausrichtung bereits jetzt schon sichtbar.“

Wenn man aber die nackten Zahlen im Halbjahresbericht analysiert, ergeben sich dennoch einige Fragezeichen. Denn obwohl man etwa im Versandhandel (Kataloggeschäft und E-Commerce) nach eigenen Angaben „Wachstumspotenziale erfolgreich nutzen konnte“, ist der Umsatz hier nur um 1,5 Prozent auf 30,6 Mio. Euro (netto) gestiegen. Zum Vergleich: Im Vorjahr konnte der Erotik-Spezialist seinen Versandumsatz noch um 6,7 Prozent auf 30,1 Mio. Euro steigern (siehe Halbjahresbericht) – ohne dass man in einer Expansions- bzw. Wachstumsphase war.

Im Jahresvergleich hat sich das Wachstum im Versandhandel also abgeschwächt – obwohl es im ersten Quartal 2014 im Versandhandel noch ein Umsatzplus von 6,6 Prozent auf 16,82 Mio. Euro gegeben hatte. Beim Filialgeschäft gab es im ersten Halbjahr 2014 zudem einen Rückgang von 3,0 Prozent auf 20,8 Mio. Euro Umsatz (Vorjahr: +2,7 Prozent). Auf Nachfrage von neuhandeln.de nennt Beate Uhse aber mehrere Gründe, warum man dennoch zufrieden ist (via Mail):

„Der Halbjahresbericht betrachtet die Umsätze über alle Regionen. Wir sehen einerseits erhebliche Wechselkursschwankungen und wir haben andererseits unsere Neupositionierung noch nicht in allen Ländern vollständig umgesetzt. Dies sind nur zwei Gründe. Dabei ist Deutschland stabil – bei weniger Läden als im Vorjahr (35 statt 37 Geschäfte) und einem immensen Umstellungsprozess. Denn mit der Etablierung einer sehr starken Veränderung und Ansprache gänzlich neuer Zielgruppen geht häufig auch erst einmal ein Rückgang einher. Diesen sehen wir nicht. Wir sehen aber in den Niederlanden zum Beispiel, dass wir mit der Neupositionierung der holländischen Ländermarke sehr nah an unsere zweite NL-Marke (Christine Le Duc) herangerückt sind und in diesem Zuge Umsätze abtreten mussten. Das zweite Quartal ist zudem traditionell das schwächste Quartal des Jahres.“

Die holländische Zweitmarke soll auch noch neu positioniert werden. Was nun hier genau geplant ist, hat der Konzern auf Nachfrage bislang aber nicht verraten.

Insgesamt konnte der Konzern europaweit im ersten Halbjahr einen Netto-Umsatz von 70,0 Mio. Euro erzielen, der über Einzelhandel, Versandgeschäft und Großhandel erzielt worden ist. Zum Vorjahreszeitraum gab es damit ein Plus von 2,3 Prozent. Das EBIT hat sich von 1,1 Mio. auf 1,5 Mio. Euro verbessert (+32,9%), weil man unter anderem Kosten im Einzelhandel reduzieren und die Logistik im Großhandel optimieren konnte. Im Versandhandel hat sich das EBIT von 1,6 Mio. Euro auf 1,8 Mio. Euro verbessert, Gründe dafür nennt die Beate Uhse AG nicht.

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Über Stephan Randler 3148 Artikel
Stephan Randler (43) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.