Zalando will den nächsten Logistikstandort in Betrieb nehmen

Heinrich Dehn

Erst vor kurzem hat Zalando im südbadischen Lahr den Grundstein für ein neues Logistikzentrum gelegt, nun planen die Berliner bereits den nächsten Logistik-Standort. Entsprechende Pläne hat der Mode-Spezialist jetzt auf Nachfrage von neuhandeln.de bestätigt. Wo sich der Standort für das nächste Logistikzentrum befinden soll, mag Zalando zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch nicht verraten. Insider überraschend dürften die Pläne aber nicht, da Zalando bereits vor einigen Monaten davon gesprochen hatte, aufgrund der starken Wachstumsdynamik „die Planung für ein weiteres großes Logistikzentrum“ vorgezogen zu haben. Thematisiert wurde dieses Vorhaben bisher aber nicht groß.

Zalando Logistik-Standorte
Zalando betreibt eigene Lager in Berlin, Erfurt, Gladbach und Lahr (Grafik: Zalando)

Denkbar wären nun verschiedene Varianten. Zum einen könnte Zalando erneut in ein eigenes Lager investieren, nachdem die Berliner bereits eigene Fulfillment-Center in Brieselang (bei Berlin), Erfurt und Mönchengladbach betreiben. Nach diesem Vorbild entsteht aktuell bereits der Neubau in Lahr, der im Herbst 2016 in den Testbetrieb gehen soll.

Möglich wäre aber auch, dass Zalando bei dem nächsten Standort wieder eine vorhandene Immobilie nutzt und dort mit einem Fulfillment-Partner kooperiert. Nach diesem Muster verfährt Zalando in Stradella.

Aus der norditalienischen Stadt (südlich von Mailand) verschickt Zalando seit Dezember 2015 erstmals Ware an Kunden in Italien.

Betrieben wird das Logistikzentrum dabei allerdings nicht von Zalando selbst, sondern von Fulfillment-Dienstleister Fiege. Das unterscheidet den Standort daher von den Lagern in Erfurt, Mönchengladbach sowie Brieselang (Berlin) und künftig Lahr, wo Zalando jeweils eigenes Personal vor Ort beschäftigt.

Bereits heute werden 50 Prozent der Bestellungen von italienischen Kunden über Stradella abgewickelt und nicht mehr wie bislang von Deutschland aus. Dadurch habe man die Versandzeit auf 1,5 Tage reduzieren können. Zum Vergleich: Kunden in anderen ausländischen Märkten wie Frankreich müssen auf Ware nach wie vor drei bis sechs Werktage warten. Um Lieferzeiten zu verkürzen, würde sich ein weiterer Standort im Ausland anbieten. Schließlich bedient Zalando derzeit Kunden in 15 Ländern.

Vorbild Italien? Neuer Standort könnte erneut im Ausland liegen

Prinzipiell denkbar wäre daher ein Versandlager nördlich, westlich oder südlich der Bundesrepublik, um damit zum Beispiel Kunden in Skandinavien, Ost- und Westeuropa schneller zu bedienen. Der Standort Mönchengladbach befindet sich aber schon am westlichen Rand der Bundesrepublik, Erfurt wiederum im Osten Deutschlands. Auf dem Papier wäre daher ein Standort im Norden sinnvoll, um so schneller nach Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen und Großbritannien zu liefern. Nach Norwegen etwa kann die Lieferzeit derzeit bis zu sieben Werktage betragen, wie eine Stichprobe im Zalando-Shop zeigt.

Während man sich bei den Logistik-Plänen noch sehr bedeckt hält, zeigt man sich bei den aktuellen Quartalszahlen umso auskunftsfreudiger. Demnach konnte Zalando im ersten Quartal 2016 einen europaweiten Netto-Umsatz von 796,1 Mio. Euro erzielen, was einem Plus von 23,7 Prozent entspricht. Damit liegt das Wachstum auch im oberen Korridor des Bereichs von 22,5 bis 24,5 Prozent, den Zalando bereits bei seinen vorläufigen Quartalszahlen vor einem Monat kommuniziert hatte.

Profitieren konnte Zalando unter anderem davon, dass die Zahl der aktiven Kunden um 19,7 Prozent auf 18,4 Mio. Käufer gestiegen ist. Die Zahl der Bestellungen hat um 30 Prozent auf 15,6 Mio. Orders zugenommen, was Zalando unter anderem mit einer „zunehmenden Kundenzufriedenheit“ begründet. So bekommen derzeit erste Kunden ihre Bestellungen bei einem Same-Day-Pilotprojekt ohne Aufpreis noch am selben Tag, Retouren holt Zalando bei ersten Kunden zudem bereits kostenlos zu Hause ab.

Wegen Investitionen in die Logistik (u.a. Stradella) hat sich das EBIT des Versenders aber von 25,1 Mio. auf 16,4 Mio. Euro verschlechtert. Der Quartalsbericht zeigt aber auch, dass die Bruttogewinnmarge um 3,2 Prozentpunkte zurückging. Hauptgründe hierfür waren Währungskursentwicklungen sowie höhere Rabatte. Demnach hatten ein milder Januar und ein kalter März 2016 zu einer niedrigeren Abverkaufsquote der Herbst­/Winter­-Kollektion geführt. Das führte danach wiederum zu höheren Preisnachlässen und einem langsameren Start in die aktuelle Frühjahr­/Sommer-Saison 2016.

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