Re-Commerce: Wieso bei Momox das Geschäft brummt

Diese Zahlen lassen aufhorchen: Gleich um satte 50 Prozent konnte der auf gebrauchte Ware spezialisierte Online-Händler Momox seinen Netto-Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr 2015 steigern, wie in der vergangenen Woche bekannt wurde. Doch nicht nur prozentual gesehen wirkt das Wachstum beeindruckend. Denn die Berliner erhöhten ihren Umsatz in absoluten Zahlen auch von zuvor 80,1 Mio. Euro (2014) auf nun rund 120 Mio. Euro (2015), so dass man den zweistelligen Zuwachs obendrein auf einem hohen Umsatzniveau erzielen konnte.

Momox Online-ShopVor allem das Geschäft mit Büchern im eigenen Shop boomt (Bild: Screenshot)

Für das starke Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr gibt es gleich eine Handvoll Gründe. Zum einen konnten die Berliner davon profitieren, dass das Geschäft im Ausland angezogen hat. So wurde vom Gesamtumsatz in Höhe von rund 120 Mio. Euro im vergangenen Jahr jeder fünfte Euro mit Kunden erwirtschaftet, die in Frankreich, UK und Österreich gebrauchte Ware bei Momox bestellt haben – umgerechnet also etwa 24 Mio. Euro netto im vergangenen Jahr.

Zum Vorjahr haben sich damit die Umsätze mit ausländischen Kunden verdoppelt. Interessant ist das wiederum vor dem Hintergrund, dass die Berliner im vergangenen Jahr keine weiteren Aktivitäten im Ausland gestartet haben. Im vorletzten Geschäftsjahr 2014 hatte Momox noch einen Online-Shop für Kunden in Frankreich gestartet, von dessen Geschäft man allerdings 2015 auch erstmals über die Dauer von einem vollen Geschäftsjahr profitieren konnte.

„Die Deutschen pflegen eine besondere Beziehung zu ihren Büchern“

Vor dem Start des französischen Online-Shops hatte Momox in Frankreich seine gebrauchten Waren bereits über die Online-Marktplätze von FNAC, PriceMinister und Amazon in Frankreich angeboten. In Großbritannien verkaufen die Berliner über Amazon UK, hierzulande über den eigenen Online-Shop sowie bei Amazon und eBay (jeweils unter der Zweitmarke Medimops).

Während bei diesen Verkaufsaktivitäten der Fokus auf gebrauchten Medien liegt (Bücher, CDs, Filme, Spiele), verdienen die Berliner zunehmend auch an gebrauchter Bekleidung. So wurde im Frühjahr 2014 der separate Online-Shop Ubup.com (Abkürzung für „Used but precious“) an den Start gebracht, der 2015 ebenfalls zum ersten Mal volle zwölf Monate zum Geschäft beitrug.

Heiner Kroke

Vor diesem Hintergrund hatte sich dann auch der Netto-Umsatz mit Second-Hand-Mode verdreifacht, wobei Momox zu den einzelnen Sortimenten auch gegenüber neuhandeln.de keine absoluten Zahlen nennt. Laut Geschäftsführer Heiner Kroke (siehe Foto links) zeige die aktuelle Entwicklung bei Momox aber stellvertretend auf, dass es einen immer größeren Bedarf an gebrauchter Kleidung gebe. Trotz diesem Trend bleibt aber für die Berliner weiter der Handel mit gebrauchten Medien das Brot-und-Butter-Geschäft.

Beim Handel mit alten Büchern und CDs hat der Umsatz im vergangenen Jahr ebenfalls stark angezogen. Auch hier nennt man auf Nachfrage zwar keine konkreten Zahlen. Laut dem zuletzt veröffentlichten Abschluss für das vorletzte Geschäftsjahr 2014 kam man aber bereits damals auf einen Netto-Umsatz von 48,8 Mio. Euro durch den Verkauf von gebrauchten Büchern.

Kennzahlen MomoxMomox konnte den Umsatz in den letzten Jahren stark steigern (eigene Grafik)

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Profitieren konnte Momox beim Mediengeschäft unter anderem davon, dass die Berliner beim eigenen Online-Shop Medimops.de in Deutschland das Einkaufserlebnis verbessert haben. So hat man beispielsweise die Versandkosten reduziert, die jetzt nur noch einen Euro betragen, ab einem Bestellwert von zehn Euro wird inzwischen sogar kostenlos geliefert. Früher lag diese Grenze noch bei 20 Euro, bis zu diesem Bestellwert hatte das Porto drei Euro betragen.

Profitieren dürften die Berliner generell zudem davon, dass sie ihre Marke immer wieder über TV-Spots bekannt gemacht haben und auch aktuell wieder in TV-Werbung investieren. Wenn es allerdings keine Nachfrage nach Gebrauchtware geben würde, dürfte das auch kaum etwas bringen. Doch gerade das Geschäft mit gebrauchten Medien boomt ungebrochen – obwohl es mit eBooks und Musik-Streaming-Services ja digitale und zeitgemäße Alternativen gibt.

Die Deutschen pflegen eine besondere Beziehung zu ihren Büchern„, bemerkt allerdings auch Momox-Chef Kroke. Das bestätigen eigene Umfragen, nach denen Verbraucher ihr Geld im Zweifelsfall lieber in ein gedrucktes Buch investieren als in ein eBook. „Das hat nicht mit einer skeptischen Haltung gegenüber der digitalen Technik zu tun„, verdeutlicht Kroke. „Sondern vielmehr mit der Vorliebe, lieber ein gedrucktes Buch in den Händen zu halten und darin zu schmökern, als einen Text auf einem Display zu lesen.“ Indirekt bestätigt wird seine These durch offizielle Marktstudien, nach denen das Geschäft mit eBooks bereits auf geringem Niveau lahmt.

Neben dem Umsatz konnte Momox im vergangenen Jahr auch seine Profitabilität verbessern. Genau Zahlen kommuniziert man hier nicht. Erst im vorletzten Geschäftsjahr 2014 waren die Berliner wieder in die Gewinnzone gerutscht (siehe Grafik), nachdem es in den Jahren zuvor wegen “Vorlaufinvestitionen in das zukünftig geplante Wachstum” noch rote Zahlen gab.

Verkaufen können die Berliner übrigens immer nur Gebrauchtware, wenn sie diese zuvor von Verbrauchern ankaufen konnten. Aus diesem Grund hatte man 2015 unter anderem auch in eine neue Mobile-App investiert, mit der Verbraucher ihre Ware besser verkaufen können.

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