Projekt “Collins”: Wieso der App-Store (k)ein Killer-Feature ist

Mode und Shopping für die digitale Generation verändern“: Dieses Ziel verfolgt die Otto-Gruppe mit ihrem millionenschweren E-Commerce-Projekt “Collins“. Helfen soll dabei ein eigener App-Store, dank dem sich Dritte am Ökosystem beteiligen und Ideen einreichen können:

Collins Developer SiteBildquelle: Screenshot

“Collins setzt auf die Demokratisierung des E-Commerce, indem es sich für kreative Köpfe im Markt wie Content-Lieferanten, Developer, Markenanbieter und Händler radikal öffnet. Auf Basis einer neu entwickelten Technologie- und Business-Plattform entwickeln Dritte neue Zugänge zu Mode in Form von Content-, Social Media- und Mobile-Applikationen.”

Dieser Ansatz ist im klassischen E-Commerce tatsächlich neu. Doch hat der AppStore wirklich das Potenzial, um zu Recht eine ganze Branche in Verzückung zu versetzen? Auf den ersten Blick schon, da der AppStore allen Beteiligten zentrale Vorteile verschaffen kann:

  • Über den AppStore kommt die Otto-Gruppe an neue Ideen, ohne dass die Hanseaten dafür selbst klassische Ressourcen binden müssen (z.B. Personal)
  • Entwickler können ihre Ideen monetarisieren, da es für jeden Verkauf von Otto-Ware im Schnitt eine Verkaufsprovision in Höhe von acht Prozent gibt
  • Handelspartner können ihr Sortiment an die Otto-Shops andocken, wodurch Otto seinen Nutzern ein größeres Sortiment bieten kann und Dritte ihre Reichweite und Umsätze steigern können (aktuell gibt es beispielsweise bereits Second-Hand-Fashion bei Aboutyou.de, die aus dem Sortiment des Online-Marktplatzes Mädchenflohmarkt stammt)

Bei allen Punkten offenbaren sich beim näheren Hinsehen allerdings mögliche Hürden, die bei der aktuellen Diskussion um das AppStore-Modell meiner Meinung nach zu kurz kommen:

  • Fremdsortimente und Otto-Ware kann man über einen gemeinsamen Warenkorb kaufen, die Lieferung ist kostenlos. Diese Bluse von Dolce & Gabbana gibt es daher bei Otto ohne Porto, beim Mädchenflohmarkt nur mit vier Euro Versand. Vielleicht will aber nicht jeder Partner auf Versandkosten verzichten? Zumal Otto auch Provisionen bekommt.

Unterm Strich gibt es also neben einigen Vorteilen auch viele Fragezeichen. Entscheidend wird zudem sein, ob Kunden in den Collins-Shops einen Mehrwert für sich gegenüber Angeboten von Wettbewerbern wie Asos und Zalando sehen. Denn ohne eine kritische Masse an (potenziellen) Kunden dürfte auch der AppStore für Entwickler uninteressant bleiben.

Kurz notiert: Weitere Einschätzungen zum Thema gibt es auch in meinem iBusiness-Artikel über die Zukunftsperspektiven von Collins (“Collins-Check: Woran Ottos Großprojekt scheitern könnte“).

Weiterlesen:

Weiterlesen

Verbundgruppen: Das plant Expert beim Multichannel-Handel Die Verbundgruppe Expert feilt weiter an ihrer Multichannel-Strategie. Langfristiges Ziel ist demnach nicht nur, dass Verbraucher einmal alle Produkte aus den Warensortimenten der angeschlossenen Händ...
“Two For Fashion”: So will der Otto-Versand mit Social Media punkten Seit nun schon acht Jahren betreibt der Otto-Versand das Social-Media-Portal "Two For Fashion", auf dem Blogger über neue Trends bei Beauty, Mode und Lifestyle berichten. Zum achtjährigen Jubiläum hab...
Local Commerce einmal anders: Wie “Run1st” im Multichannel-Handel punkten will "Local Online Shopping": Unter diesem Motto steht der brandneue Online-Shop Run1st, über den ein Verbund von 50 lokalen Laufschuh-Händlern im deutschen E-Commerce mitmischen will. Und die Chancen steh...
Start-Up “giggs” will größter Anbieter für Kinderschuhe werden Unter dem Namen "giggs" ist seit zwei Jahren ein Online-Händler am Markt aktiv, der sich auf den Versandhandel mit Kinderschuhen spezialisiert hat. Hinter dem Spezialversender steht der Mitgründer Chr...
Produkt statt Händler: Was die eBay-Neuerungen bedeuten Der deutsche Online-Marktplatz eBay.de hat in den vergangenen Tagen sein Online-Angebot immer wieder überarbeitet. Das Ergebnis sind neue Leistungen für Händler und Kunden, die sowohl Käufern als auch...

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen