Kein Wachstum, weniger Ertrag: Baur-Gruppe schwächelt im Kerngeschäft

Adreko

Die Baur-Gruppe hat schon einmal bessere Zeiten gesehen. Das veranschaulichen stellvertretend die aktuellen Zahlen für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2016/2017 (Ende: 28. Februar). Demnach konnte die gesamte Gruppe von Anfang März bis Ende August 2016 zwar einen Netto-Umsatz von 323 Mio. Euro verbuchen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das aber einen Rückgang von drei Prozent (H1/2015: 334 Mio. Euro). Gesunken ist auch das Ergebnis, das nach eigenen Angaben „das hohe Vorjahresniveau nicht erreichen“ konnte. Konkrete Zahlen nennt die Otto-Tochter aber nicht.

Albert Klein
Baur-Chef Albert Klein (Bild: Baur-Gruppe)

Zum Vergleich: In den ersten sechs Monaten des vergangenen Finanzjahres 2015/2016 konnte die komplette Baur-Gruppe ihren Netto-Umsatz noch um vier Prozent erhöhen. Befeuert wurde diese positive Entwicklung damals vor allem durch das Kerngeschäft der Versendermarke Baur.

Demnach war dem Baur-Versand zum einen „ein außerordentlich guter Start“ in das Frühjahrsgeschäft im März 2015 gelungen und auch der Sommerschlussverkauf im Juni und Juli 2015 war damals gut verlaufen. Deshalb konnte der Baur-Versand im ersten Halbjahr sogar ein Plus von fünf Prozent erzielen und damit stärker wachsen als die Gruppe insgesamt.

Davon kann nun keine Rede mehr sein. Demnach konnte zwar die auf Logistik-Services spezialisierte Baur Fulfillment Soultions GmbH neue Kunden gewinnen und dadurch die Erwartungen übertreffen. Auch die österreichische Unito-Gruppe aus dem Baur-Verbund konnte über ihre Versendermarken und das Service-Geschäft ein Umsatzplus von 2,1 Prozent verbuchen. Doch bei der Kernmarke „Baur“ blieb das Geschäft unter den Plan- und Vorjahreswerten. „Mit der Entwicklung unserer Kernmarke Baur sind wir nicht zufrieden“, klagt daher auch Albert Klein, Sprecher der Geschäftsführung (siehe Foto).

Neue Shop-Software und Sortimente sollen Wachstum schüren

Dass die Erwartungen beim Baur Versand verfehlt wurden, hat vor allem zwei Gründe. So hatten nach eigenen Angaben ein „preisaggressiver Wettbewerb“ und eine „schwache Textilkonjunktur“ das Geschäft erschwert. Um das Geschäft jetzt anzuschieben, setzt der Baur-Versand daher zum einen auf zusätzliche Marketing-Anstöße. Zum anderen will man beim Geschäft im E-Commerce mit einer besseren Performance und einer höheren Nutzerfreundlichkeit punkten. Aus diesem Grund wurde bei der E-Commerce-Plattform von Baur.de im Sommer von Intershop 6.4 auf Intershop 7.0 gewechselt.

Langfristiges Wachstum verspricht sich die Baur-Gruppe bei ihrer Kernmarke zudem von einer neuen Sortimentsstrategie. So soll das Angebot mit den Kernkategorien „Fashion“ und „Home“ zusätzlich um die Rubrik „Lifestyle“ erweitert werden. Das ist ein zentraler Bestandsteil der Strategie „Vision 2025“, mit der sich der Baur-Versand langfristig bei Kundinnen von Anfang 40 bis Mitte 50 positionieren will.

Dafür sollen unter anderem redaktionelle Inhalte vermehrt die Kunden zu Käufen inspirieren. Wie das konkret in der Praxis aussehen wird, mag die Otto-Tochter aktuell zwar noch nicht verraten. Sicher ist aber, dass die neue Produkt-Kategorie bereits im kommenden Jahr an den Start gehen soll.

Baur-Umsätze
Bei der Baur-Gruppe stiegt der Umsatz zuletzt noch (eigene Grafik)

Im gesamten vergangenen Geschäftsjahr 2015/16 konnte die Baur-Gruppe einen Gesamtumsatz von 683 Mio. Euro netto erzielen. Im Vergleich zum Vorjahr kam die Otto-Tochter damit zwar auf ein Plus von 1,3 Prozent. Ursprünglich hatte man aber mit einem deutlich stärkeren Umsatzplus von drei Prozent gerechnet. Dazu kam es aber nicht, weil die gesamte Otto-Gruppe eine große IT-Umstellung angeschoben hatte. Deshalb wurden die Online-Aktivitäten bei Baur und Unito reduziert. Beim Baur-Versand selbst verlief obendrein die Herbst-/Winter-Saison „deutlich schwieriger“ als die gute Frühjahr-/Sommer-Saison, da die vertrieblichen Maßnahmen nicht wie geplant gegriffen hatten.

Zur Baur-Gruppe zählen neben dem Baur-Versand und dem Schuh-Anbieter I’m Walking auch Dienstleister wie die auf Logistik-Dienstleistungen spezialisierte Baur Fulfillment Solutions GmbH und die E-Commerce-Agentur Empiriecom. Zur Gruppe gehört außerdem noch die österreichische Unito-Gruppe, die ebenfalls mit verschiedenen Versendermarken im Handel aktiv ist (Marken: Universal, Otto Österreich, Quelle, Ackermann und Alpenwelt) und Service- und Logistik-Dienstleistungen anbietet.

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