Finanzen: Baur-Gruppe kratzt an der 700-Millionen-Marke

Die Baur-Gruppe wird das Geschäftsjahr 2015/2016 (Stichtag: 29. Februar) voraussichtlich mit einem Plus von drei Prozent abschließen können. Das hat Geschäftsführer Albert Klein gerade auf dem Neujahrsempfang der Baur-Gruppe in Aussicht gestellt, den das Unternehmen aus der Otto-Gruppe traditionell immer Ende Januar im oberfränkischen Kloster Banz veranstaltet.

Albert Klein

Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr konnte die Baur-Gruppe nur um 0,8 Prozent auf 674 Millionen zulegen. Mit einem Plus von drei Prozent im laufenden Geschäftsjahr wächst die Otto-Tochter aber jetzt nicht nur spürbar stärker. Mit einem Netto-Umsatz von rund 694 Mio. Euro übertrifft die Baur-Gruppe nun auch die eigenen Erwartungen, wie Geschäftsführer Klein (siehe Foto links) betont. Und für das spürbare Umsatzplus auf fast 700 Mio. Euro netto im laufenden Geschäftsjahr gibt es gleich verschiedene Gründe.

Zum einen konnte man bei der Kernmarke – dem Baur-Versand – die Umsatzziele übertreffen, wobei es im gesamten Geschäftsjahr hier nur ein leichtes Wachstum geben wird. Das liege mit daran, dass es starke Schwankungen im Geschäft gab. So war dem Baur-Versand zwar ein sehr guter Start in das Frühjahrsgeschäft gelungen und auch der Sommerschlussverkauf im Juni und Juli sei gut verlaufen, wodurch sich zur Halbzeit noch ein Plus von fünf Prozent ergeben hatte.

Die Herbst-/Winter-Saison in der zweiten Jahreshälfte 2015/16 konnte dann aber nicht an die gute Frühjahr-/Sommer-Saison anschließen, da sich das Geschäft dann “deutlich schwieriger” gestaltete. Auf Nachfrage von neuhandeln.de heißt es, dass die vertrieblichen Maßnahmen nicht wie geplant gegriffen hätten, die Bestellungen ab November aber wieder zunahmen.

Baur-UmsätzeBei der Baur-Gruppe geht der Umsatz nach oben (eigene Grafik)

Profitieren kann die Baur-Gruppe im laufenden Geschäftsjahr zudem von der österreichischen Versendergruppe Unito, die ebenfalls zu Baur gehört und mit verschiedenen Versendermarken und Dienstleistungsgesellschaften im Distanzhandel aktiv ist. Die österreichische Tochter habe sich einmal mehr als “der gewohnt zuverlässige Umsatz- und Ergebnisträger” erwiesen, wobei laut Klein nach zuletzt starken Zuwächsen nun wieder “eine gewisse Normalität” eingekehrt sei.

Genaue Zahlen zum Österreich-Geschäft will die Baur-Gruppe zwar erst im April verraten. Das Geschäft erschwert habe aber, dass sich in der Schweiz die Rahmenbedingungen grundsätzlich verändert hätten – unter anderem durch einen harten Preiswettbewerb und einen ungünstigen Wechselkurs. Erfreulich entwickle sich dagegen das Geschäft der reanimierten Traditionsmarke Quelle, deren Online-Shops in Deutschland, Österreich und der Schweiz von der Unito-Gruppe betreut werden. Potenzial berge zudem das Geschäft in Ungarn, Tschechien und der Slowakei, wo die Unito-Gruppe seit dem vierten Quartal 2015 erstmals mit passenden Länderversionen des Online-Shops der Dessous-Marke “Lascana” aktiv ist, die zur Otto-Gruppe gehört. Über die drei neuen Online-Shops wurden 2015/2016 erstmals Umsätze für die Baur-Gruppe erzielt.


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Während sich das Geschäft bei Unito gut entwickelte, gab es bei dem Dienstleistungsgeschäft der Baur Fulfillment Solutions GmbH (BFS) ein durchwachsenes Jahr. So hatte sich zum 30. Juni 2015 der Großkunde Fressnapf verabschiedet, weshalb BFS im Anschluss 138 Stellen streichen musste. Die fehlenden Umsätze des ehemaligen Großkunden hätten zwar “negative Spuren im Zahlenwerk” hinterlassen. Im weiteren Jahresverlauf hatte aber Bestandskunde s.Oliver weitere Ländermärkte erschlossen. Nachdem BFS hier zunächst nur für das Versandgeschäft in den Niederlanden, Belgien und der DACH-Region zuständig war, kümmert man sich nun auch um das Fulfillment für die Web-Shops in Frankreich und Slowenien. Mit Freizeitmode-Händler Eddie Bauer Deutschland wurde zudem ein neuer Großkunde gewonnen, für den BFS ab sofort die Pakete verschickt. Deshalb sei BFS im Jahresverlauf wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt.

Apropos Gewinn: Laut Geschäftsführer Klein erreiche die Baur-Gruppe beim Ergebnis einen “respektablen Wert“. Zwar werde man das Ergebnisziel nicht ganz erreichen, dennoch eine “überdurchschnittliche Rendite” erwirtschaften. Konkrete Zahlen nennt die Gruppe aber nicht.

Zur Baur-Gruppe zählen neben dem Baur-Versand und dem Schuh-Anbieter I’m Walking auch Dienstleister wie die auf Logistik-Dienstleistungen spezialisierte Baur Fulfillment Solutions GmbH und die E-Commerce-Agentur Empiriecom. Zur Gruppe gehört außerdem noch die österreichische Unito-Gruppe, die ebenfalls mit verschiedenen Versendermarken im Handel aktiv ist (Marken: UniversalOtto ÖsterreichQuelle in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Ackermann und Alpenwelt) und Service- und Logistik-Dienstleistungen anbietet.

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