„Überwältigendes Feedback“: Otto Now punktet in der Praxis

Seit rund einhundert Tagen betreibt der Otto-Versand unter dem Namen „Otto Now“ ein neues Online-Portal, auf dem Verbraucher einzelne Produkte mieten können – anstatt sie wie ansonsten üblich beim Versender einzukaufen. Im Gespräch mit neuhandeln.de ziehen die Hamburger nun ein erstes Fazit. Demnach freut sich der Versender zwar über ein „überwältigendes Feedback“. Ob das neue Miet-Portal aber auch dauerhaft eine Zukunftsperspektive im Otto-Kosmos hat, ist dennoch weiterhin offen.


 

So befinden sich die Hamburger nach eigenen Angaben nach wie vor „mitten in der Beta-Phase“, wie eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber neuhandeln.de betont: „Zu diesem Zeitpunkt werten wir immer noch aus, wie Kunden das neue Angebot annehmen. Sollten wir positive Ergebnisse aus unseren Markttests erhalten, so werden wir weitere Schritte in den nächsten Monaten planen.“

Erst dann werde endgültig darüber entschieden, ob der Otto-Versand sein Miet-Portal „Otto Now“ aus der aktuellen Testphase in ein dauerhaftes Geschäftsmodell überführt. Positiv stimmt die Hamburger aber, dass insbesondere Fernseher, Kaffeevollautomaten und Laufbänder gerne ausgeliehen werden. Je nach Kundengruppe sind allerdings andere Artikel beliebt. So interessieren sich Familien vor allem für Waschmaschinen und Kaffee-Vollautomaten zur Miete, was nicht sonderlich überrascht.

Fernseher, Kaffee-Automaten und Laufbänder gefragt

Schließlich handelt es sich um teure Gebrauchsgegenstände, die quasi notwendig sind (in jedem Fall die Waschmaschine) und über eine monatliche Miete für Familien erschwinglicher werden und nicht gleich mit dem vollen Kaufpreis zu Buche schlagen. Bei Studenten wiederum sind erwartungsgemäß eher Gadgets beliebt, die nicht gerade überlebensnotwendig sind: etwa Sound-Systeme und Drohnen.

Das Miet-Portal „Otto Now“ (Motto: „Einfach alles, einfach mieten“) wurde Mitte Dezember 2016 gestartet. Ansprechen soll der Service in erster Linie solche Kunden, die sich Technik-Produkte wie Smartphones, Notebooks oder Waschmaschinen nicht auf einmal leisten können oder wollen. Zur Zielgruppe zählen nach eigenen Angaben daher sowohl Studenten, die sich für ihre WG nicht einfach so eine neue Waschmaschine leisten können – aber auch die so genannten „Early Adopter“, die neue Technik-Gadgets gerne ausprobieren, aber nicht unbedingt auf Dauer besitzen möchten.

Stefan G. Gfrörer
Interimsmanager Stefan G. Gfrörer

Überzeugen können die Konditionen bislang aber nicht: Wer ein Produkt bei Otto mieten will, muss mindestens drei Monate buchen.

Ein Smartphone wie das Xperia XZ von Sony kostet den Interessenten bei einem Mietpreis von 37,99 Euro im Monat daher gleich über 110 Euro.

„Bei Nichtgefallen ist das viel Geld“, kritisiert stellvertretend Interimsmanager Stefan Gfrörer (siehe Foto), der unter anderem schon als IT-Chef für den Elektronik-Versender Redcoon tätig war.

Die lange Mindestmietzeit hat ihren Grund. Wenn Verbraucher nämlich ein Produkt nur kurz nutzen und direkt zurücksenden, wären die Prozesskosten für Lieferung und Abholung wohl zu hoch. Otto bietet zudem keine Option, dass Kunden die gemietete Ware abkaufen können – was Media-Saturn wiederum bei seinem eigenen Miet-Service ermöglicht, der ebenfalls vor kurzem gestartet ist.

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1 Kommentar zu „Überwältigendes Feedback“: Otto Now punktet in der Praxis

  1. Ich halte die Abkaufoption für das wichtigste Tool. Ohne, wird OTTO keinen Erfolg haben.

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