Social-Commerce-Sterben: Spreadshirt schließt LaFraise

Vor einigen Jahren war Social Commerce eines der größten Hype-Themen im Online-Handel, da zahlreiche Start-Ups mit innovativen Geschäftsmodellen aufhorchen ließen. Seit geraumer Zeit macht sich aber Ernüchterung breit, da immer mehr der Social-Commerce-Stars von damals von der Bildfläche verschwinden. Nachdem ehemalige Hoffnungsträger wie der deutsche Live-Shopping-Dienst Guut.de und der Widget-Shop-Dienstleister Zlio bereits seit einiger Zeit nicht mehr am Markt aktiv sind, verabschiedet sich nun auch die Design-Community LaFraise:

LaFraiseBildquelle: Screenshot

„We’ve tried to keep up in an extremely competitive market. Despite our efforts to return laFraise to its former glory, we now face the fact that we were unable to turn around the constant downward trend. […] In recent years it became increasingly difficult to run a profitable business with laFraise’s original concept. We must admit that we are still too far away from being a profitable business to justify necessary further investments.“

Die französische Design-Community LaFraise ist vor über zehn Jahren gegründet worden und gehört seit Juli 2006 dem deutschen Mass-Customization-Dienstleister Spreadshirt. Momentan ist die Community noch online, ein genaues Datum für das bevorstehende Ende gibt es nicht.

Auf Nachfrage von neuhandeln.de hat Spreadshirt leider auch keine weiteren Hintergründe dazu verraten, warum man die Design-Community nicht profitabel bekommen konnte. Auch zur Zahl der Kunden und dem Umsatz von LaFraise schweigt man sich aus. Prinzipiell könnte ich mir aber vorstellen, dass der Betrieb der Community im Tagesgeschäft vergleichsweise aufwändig gewesen sein dürfte und viele Ressourcen gebunden hat. Dieser Gedanke drängt sich zumindest auf, wenn man sich das Geschäftsmodell von LaFraise ins Gedächtnis ruft.

Denn die Design-Community basierte auf einem nutzergetriebenen Geschäftsmodell. Nutzer konnten eigene Designs in der Online-Community veröffentlichen, die Portalbetreiber haben anschließend die vielversprechendsten Motive ausgesucht. In einem zweiten Schritt durften alle Nutzer der Community darüber abstimmen, welche Designs ihnen am besten gefallen. Von den zwei beliebtesten Designs wurden T-Shirts produziert, die LaFraise verkauft hatte. Die Umsatzerlöse gingen an LaFraise, die Designer der Gewinner-Motive wurden mit jeweils 1.000 Euro vergütet. Veranstaltet wurde der Design-Wettbewerb traditionell einmal in der Woche.

Positiv formuliert hat LaFraise nur solche Produkte ins Sortiment genommen, die sich bereits vorab als potenzieller Bestseller beweisen konnten. Doch LaFraise war letztlich bei seinem Geschäftsmodell mehrfach darauf angewiesen, dass Nutzer selbst aktiv wurden. Dadurch war der Anbieter extrem von seinen Nutzern abhängig, was für mich generell Social-Commerce-Modelle in den meisten Fällen unattraktiv macht. Denn Untersuchungen zeigen, dass im Internet nur ein Bruchteil der Nutzer selbst aktiv wird und der Großteil vor allem passiv konsumieren will. Social-Commerce-Dienstleister haben daher bereits in der Vergangenheit viel Zeit und Ressourcen aufgebracht, um ihre Community immer wieder aufs Neue zu aktivieren („Bauchpinseln gehört zum Tagesgeschäft“) – was wiederum ein Grund dafür sein kann, warum man ein Social-Commerce-Modell nicht profitabel bekommt. Bei LaFraise könnte zudem noch erschwerend hinzu gekommen sein, dass die Zielgruppe der Designer überschaubar ausgefallen sein dürfte und damit auch das Wachstum endlich war.

Vor diesem Hintergrund ist es auch kein Widerspruch, dass Spreadshirt seinen Netto-Umsatz zuletzt um 10,4 Prozent auf 72 Mio. Euro steigern konnte. Denn mit seinem Kerngeschäft adressiert der Mass-Customization-Dienstleister eine viel breitere Zielgruppe als LaFraise (siehe aktuelle TV-Kampagne). Bei Spreadshirt kann man zudem eigene Shirts verkaufen oder auch individuelle Produkte für sich selbst gestalten, ohne dass es dazu eine aktive Community braucht. Wo Spreadshirt also personalisierte Produkte ermöglicht, war LaFraise ein normaler T-Shirt-Shop – wenn auch mit einem etwas anderen Sourcing-Modell. Und da beide Online-Portale letztlich „grundlegend unterschiedliche Zielgruppen“ ansprechenhat man LaFraise auch nie mit Spreadshirt verschmolzen, wie das Unternehmen gegenüber neuhandeln.de erklärt.

Seinen Umsatz befeuern will Spreadshirt künftig übrigens auch über den brasilianischen Mass-Customization-Dienstleister VitrinePix, den die Leipziger gerade eben vollständig übernommen haben. Spreadshirt ist damit momentan in 18 Märkten und zehn Sprachen aktiv, dazu gibt es insgesamt fünf Produktionsstandorte in Deutschland, Polen, den USA und ab sofort eben auch in Brasilien. Zum Unternehmen gehört zudem der B2B-Shop Yink, über den Geschäftskunden seit einem halben Jahr größere Bestellungen (ab 50 Stück) in Auftrag geben können.

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