„Project Star“: Umstrukturierungen prägen Quartalsbilanz von Windeln.de

Adreko

Die deutsche Windeln.de AG hat durchwachsene Zahlen für das dritte Quartal 2016 vorgelegt. Auf der einen Seite konnte der Spezialversender zwar seinen gesamten Netto-Umsatz um 19,6 Prozent auf 45,7 Mio. Euro steigern. Vor einem Jahr war das Wachstum aber mit einem Plus von 63 Prozent nicht nur deutlich stärker ausgefallen. Damals konnte der deutsche Online-Shop Windeln.de auch noch um 41 Prozent auf 32,7 Mio. Euro zulegen, während das Geschäft nun auf 31,4 Mio. Euro leicht gesunken ist.

Windeln.de Umsatz
Der Umsatz des Online-Shops Windeln.de ging in Q3/16 zurück (Grafik: Windeln.de)

Für diese Entwicklung gibt es mehrere Gründe. So ging bei dem deutschen Online-Shop Windeln.de nun das Geschäft zurück, weil zum einen weniger in Marketing investiert wurde. Stattdessen hatte man den Fokus auf Bestandskunden gelegt, um mehr Wiederbestellungen auszulösen. Zum anderen hatte der Konzern sein Sortiment überarbeitet und dabei rund 400 Marken bzw. 12.000 Produkte ausgelistet, um so die Prozesse zu vereinfachen. Für Leser von neuhandeln.de keine Überraschung. Denn diese Maßnahme hatte der Händler im Juli mit dem Restrukturierungsprogramm „Project Star“ angekündigt.

Von den 31,4 Mio. Euro Netto-Umsatz des deutschen Online-Shops Windeln.de wurden allein 20,9 Mio. Euro über Kunden aus China erzielt, die über eine einheimische Sprachversion bei dem deutschen Handelskonzern bestellen können. Nachdem das Geschäft mit Kunden aus Fernost im zweiten Quartal 2016 noch rückläufig war, gab es nun zwar wieder ein leichtes Wachstum von 3,0 Prozent. Dazu beigetragen hat nun allerdings auch erstmals ein Online-Shop auf dem chinesischen Internet-Marktplatz Tmall, über den die Windeln.de AG seit Anfang August zusätzlich in China verkauft.

Generell konnte Windeln.de in China davon profitieren, dass die Regierung ihre neuen Importregeln wieder ausgesetzt hat. So galten seit Anfang April 2016 zunächst neue Importregeln für Lieferungen nach China, wodurch Konsumenten aber verunsichert waren und generell weniger bestellt hatten. Dadurch waren auch bei Windeln.de die China-Umsätze im Frühjahr „deutlich hinter den Erwartungen“ geblieben. Die neuen Importregeln wurden dann aber wieder ausgesetzt und derzeit überarbeitet. So sollen sich Marktteilnehmer besser auf die neuen Rahmenbedingungen in China vorbereiten können.

Windeln.de Umsatz
In China zog das Geschäft leicht an, in Europa deutlich stärker (Grafik: Windeln.de)

Interessant: Zieht man den China-Umsatz (20,9 Mio. Euro) vom Geschäft des deutschen Online-Shops Windeln.de (31,4 Mio.) ab, so verbleibt ein Netto-Umsatz von 10,5 Mio. Euro mit Verkäufen an Kunden in Deutschland und Österreich. Vor einem Jahr lag dieser Wert aber noch bei 12,4 Mio. Euro.

Anders ist es bei dem Segment „Internationale Shops“, zu denen die ausländischen Online-Angebote Feedo (Länder: Tschechien, Slowakei und Polen) sowie Bebitus (Spanien, Frankreich, Portugal) als auch Pannolini (Italien) gehören sowie die drei Schweizer Shops Kindertraum, Toys und Windeln.ch.

Hier konnte der Konzern seinen Umsatz von 5,4 Mio. auf 14,4 Mio. Euro steigern (+167 Prozent), was man aber etwas relativieren muss. Zum einen ist das Umsatzniveau der ausländischen Online-Shops noch vergleichsweise gering, so dass hier starke Zuwächse einfacher möglich sind. Zum anderen trägt das Geschäft von Bebitus in Spanien erst seit Oktober 2016 zum Gesamtumsatz bei, so dass der spanische Spezialversender vor einem Jahr gar nicht zu den Quartalsumsätzen beigetragen hatte.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) des gesamten Konzerns hat sich im dritten Quartal 2016 von -5,5 Mio. auf -10,1 Mio. Euro verschlechtert, was vor allem an der Auslandsexpansion liegt – das internationale Geschäft wächst stark, ist aber in der Profitabilitätsentwicklung noch nicht so weit. Dazu kommen Effekte aus den Umstrukturierungen. So habe die Auslistung von annähernd 400 Marken etwa zu einer geringeren Rohertragsmarge geführt, da vorhandene Ware abverkauft werden musste.

Kosten wurden zudem verursacht durch den Start des Tmall-Shops in China und den Relaunch des Shopping-Clubs Nakiki. Hier finden Verbraucher seit Ende September erstmals ein Sortiment rund um Spielzeug und Kindermode, das dauerhaft verfügbar ist und eine kurze Lieferzeit von ein bis zwei Werktagen hat. Zuvor wurden unter der Marke „Nakiki“ zeitlich limitierte Verkaufsaktionen mit Sonderposten gestartet. Bei diesem Modell wurde Ware aber erst in der entsprechenden Menge beim Lieferanten geordert, wenn eine Verkaufskampagne zu Ende war. Von diesem Club-Modell hatte man sich im dritten Quartal 2016 verabschiedet, um die Logistik-Prozesse des Konzerns zu vereinfachen.

w&co

Sowohl die Investitionen in den Tmall-Shop als auch das neue Nakiki-Angebot sollten im vierten Quartal 2016 den Umsatz des deutschen Online-Shops Windeln.de befeuern, wo die Umsätze aus diesen beiden Aktivitäten konzernintern verbucht werden. Nicht im aktuellen Quartalsumsatz von 45,7 Mio. Euro enthalten ist das Geschäft des eingestellten Shopping-Clubs Nakiki, das noch bis Ende September lief.

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