Paketkästen: Hermes & Co. präsentieren DHL-Alternative

Heinrich Dehn

Die drei Paket-Zusteller Hermes, GLS und DPD haben heute in Düsseldorf ihren gemeinsamen Paketkasten präsentiert, mit dem man künftig gegen das Quasi-Monopol von DHL antreten will. Demnach bringen die Verbundpartner gleich zwei Varianten ihres Paketkastens auf den Markt, mit denen Nutzer selbst dann Pakete empfangen sollen, wenn sie nicht zu Hause sind.

ParcelLockDas brandneue ParcelLock-System für Häuser (links) und Wohnungen (rechts)

Zum einen gibt es eine Lösung für frei stehende Einfamilienhäuser, die optisch an einen etwas überdimensionierten Briefkasten erinnert und an zwei Stangen im Garten aufgestellt wird. Wer dagegen eine Wohnung in einem Mehrparteienhaus bewohnt, kann eine Pakettasche an die Tür hängen und darin seine Bestellungen aus dem Versandhandel packen lassen (siehe Foto).

Beworben werden die Produkte unter dem Namen „ParcelLock„, was sich bereits abgezeichnet hatte. Denn vor gut einem Monat hatten die Paketzusteller DPDGLS und Hermes gemeinsam die ParcelLock GmbH gegründet, um ihre selbst entwickelten Paketkästen zu vermarkten.

Öffnen und schließen lassen sich die Paketkästen von ParcelLock über PIN-Codes. So gibt der Zusteller einen Code ein, wenn er ein Päckchen hinterlegt. Im Anschluss kann der Kunden mit seinem Code den Paketkasten öffnen und die Bestellung entnehmen. In die Paketkästen kann der Kunde auch eine Retoure legen, die der Zusteller dann entnimmt. Produziert werden die Paketkästen von der Firma Burg Wächter, die ein Hersteller von Sicherungssystemen ist.

Noch kein Verkauf: Marktstart von ParcelLock lässt weiter auf sich warten

Punkten will ParcelLock bei Verbrauchern damit, dass Kunden über die Paketkästen prinzipiell Pakete von allen Zustellern empfangen können. Das ist der große Mehrwert im Vergleich zu den Paketkästen von DHL, über die man nur Sendungen von DHL Paket empfangen kann.

Das große Manko ist aber: Die Paketkästen von ParcelLock kommen erst im Sommer 2016 auf den Markt – obwohl die Verbundpartner bereits seit über einem Jahr ihr gemeinsames Projekt planen und man gegenüber neuhandeln.de in Aussicht gestellt hatte, dass der Marktstart für diesen Herbst geplant sei. Auf Nachfrage heißt es, dass ein anbieterneutrales System ein sehr komplexes Vorhaben sei. DPD, GLS und Hermes sind nach eigenen Angaben daher zufrieden damit, dass es im Sommer 2016 – innerhalb von zwei Jahren nach Ankündigung – zur breiten Markteinführung kommen wird. Zumal das System ja bereits in der Praxis getestet werde.

Zum Pricing macht man aktuell allerdings auch keine Angaben. Interessierte Verbraucher können sich daher auf der Website von ParcelLock bislang lediglich registrieren lassen, um per E-Mail weitere Infos zu erhalten, wenn die Paketkästen in den Handel kommen. Vor diesem Hintergrund war die offizielle Produktpräsentation heute dann doch etwas ernüchternd.

Das nächste dreiviertel Jahr kann DHL jetzt zudem nutzen, um sein Quasi-Monopol im Markt für Paketkästen auszubauen. Zwar könnte sich DHL prinzipiell auch ParcelLock anschließen, da dieses System ja allen Zustellern offen steht. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass DHL die eigene Lösung aufgeben wird – schließlich hat DHL ja auch eigene Packstationen etabliert.

w&co

DHL PaketkastenDHL besetzt den Markt für Paketkasten vorerst weiter allein (Bild: DHL Paket)

Angeboten wird der DHL-Paketkasten offiziell bereits seit dem Frühjahr 2014, wie bei der neuen Lösung von ParcelLock kann man Pakete in den XXL-Briefkästen von den Zustellern hinterlegen lassen. Dadurch sollen Kunden keine Pakete mehr verpassen, wenn sie bei der Zustellung nicht zu Hause sind. Auch Retouren lassen sich im DHL-Paketkasten hinterlegen.

Den DHL-Paketkasten gibt es ebenfalls als Variante für Einfamilienhäuser, wo der Kasten im Garten aufgestellt oder an die Wand montiert wird. Alternativ gibt es für Mehrparteienhäuser eine Lösung, die optisch an eine Packstation erinnert und vor dem Gebäude aufgestellt wird.

Den Paketkasten von DHL kann man kaufen oder mieten. Kunden zahlen mindestens einen Betrag von 99 Euro, wenn sie einen Paketkasten kaufen. Alternativ kann man das System für eine monatliche Pauschale ab 1,99 Euro mieten. Damit sich Hermes & Co. im Wettbewerb mit DHL durchzusetzen können, sollen Kunden für ParcelLock-Kästen einmal weniger bezahlen.

Unterm Strich droht aber wohl ein Machtkampf zwischen DHL und ParcelLock, der auch kaum Verbrauchern gefallen dürfte. Wer nämlich all seine Pakete in einem Paketkasten empfangen will, muss in Zukunft wohl zwei konkurrierende Systeme parallel nutzen. Oder vielleicht gibt es noch einen größeren Wildwuchs. Denn neben einigen Start-Ups will auch die Göde-Gruppe mit einer eigenen Paket-Box punkten, die bereits zum Jahresende auf den Markt kommen soll.

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