Kaum Kundeninteresse: Otto-Gruppe beerdigt Yapital

Die Otto-Gruppe gibt ihre selbst entwickelte Mobile-Payment-Lösung “Yapital” auf. Demnach verschwindet das Bezahlverfahren (Motto: “Überall mit dem Smartphone bezahlen”) zum 31. Januar 2016 vom Markt. Ursprünglich wollten die Hamburger mit Yapital einen europaweiten Standard für Mobile-Payment etablieren. Das hat nun letzten Endes aber nicht funktioniert, weil es auf Verbraucherseite schlichtweg wenig Interesse an so einem Bezahlverfahren gab.

YapitalAus und vorbei: Die Marke Yapital verschwindet vom Markt (Bild: Screenshot)

Gestartet wurde Yapital im Frühjahr 2012 als ein neues Mobile-Payment-Verfahren, mit dem Kunden auf allen Kanälen bezahlen sollten. Dazu mussten sich Nutzer in einem ersten Schritt bei der Otto-Tochter registrieren und ihrem persönlichen Account eine Zahlungsquelle hinzu fügen – beispielsweise das eigene Bankkonto. Diese Nutzer-Daten wurden anschließend in einer App hinterlegt, die sich Verbraucher dann noch auf ihr Smartphone laden sollten.

Mit dieser Anwendung war es dann möglich, in Ladengeschäften oder beim Online-Shopping zu bezahlen. In diesem Fall mussten Nutzer die Bezahlart “Yapital” im Geschäft oder Online-Shop auswählen, anschließend war ein QR-Code auf dem Kassenterminal oder beim Checkout im Online-Shop zu sehen. Diesen konnte man dann mit der Yapital-App scannen und so den Einkauf bezahlen (siehe Video). Wer kein Smartphone besaß, konnte sich in Online-Shops auch mit Nutzername und Passwort anmelden und so bezahlen – wie es bei PayPal üblich ist.

Das Otto-System hatte allerdings von vornherein einen schweren Stand, weil man mit einem Teufelskreis zu kämpfen hatte. So war das System für Nutzer nur interessant, wenn es auch von genug Händlern unterstützt wurde. Diese wiederum hatten nur Interesse an dem neuen Verfahren, wenn sie damit auch eine kritische Masse an Verbrauchern erreichen konnten.

Trotz vieler Partner auf Händlerseite: Mobile-Payment bleibt in der Nische

Den Teufelkreis durchbrechen konnte die Otto-Tochter, indem das Verfahren zunächst bei einigen Händlern aus der Otto-Gruppe wie SportScheck eingeführt wurde. In einem zweiten Schritt konnte man dann sogar externe Händler wie Douglas oder Görtz dazu gewinnen, die Mobile-Payment-Lösung anzubieten. Die Kosten waren für die Partner auch überschaubar, da sich vorhandene POS-Systeme laut Otto über ein Software-Update günstig aufrüsten ließen.

Trotz prominenter Partner auf Händlerseite hatten sich Endkonsumenten dann aber doch nicht für das Verfahren interessiert. Um das Verfahren bekannter zu machen, hätte man mehr in die Vermarktung investieren müssen. Weil die Otto-Gruppe aber die Investitionen in das Marketing nicht allein stemmen wollte, hat man nach einem weiteren Partner gesucht – beispielsweise einer Bank, die das Mobile-Payment-Verfahren ihren Endkunden schmackhaft macht. Hier war man bis zum Schluss zwar optimistisch, konnte letztlich aber keinen Abschluss erzielen.

Es hätte wohl auch nichts genutzt. Denn Yapital kam letztlich auch deshalb nicht in Fahrt, weil sich der Markt für Mobile-Payment nur langsam entwickelt. Oder anders ausgedrückt: Weil die Kunden in solchen Verfahren keinen Mehrwert sehen. Was auch nicht verwundert. Denn bevor Kunden sich erst online registrieren, eine App auf ihr Smartphone laden und dann im Laden einen QR-Code scannen, haben sie letzten Endes schneller mit ihrer EC-Karte bezahlt. Und wer online einkauft, kann mit PayPal auch schon einen Quasi-Standard nutzen. Damit hat also die Otto-Gruppe mit ihrer Mobile-Payment-Lösung schlichtweg am Markt vorbei entwickelt.

Die Konsequenzen: Die bestehenden Yapital-Konten auf Nutzer- und Händlerseite werden zum 31. Januar 2016 gekündigt, der Standort in Hamburg aufgegeben, wo der Großteil der rund einhundert Mitarbeiter beschäftigt wird. Beim zweiten Standort Luxemburg läuft das Geschäft aber auf Sparflamme mit einer Handvoll Mitarbeiter weiter. Hintergrund ist, dass die Otto-Gruppe durch das Yapital-Projekt über eine eBank-Lizenz verfügt und daraus vielleicht noch ein B2B-Geschäft schmieden kann. Konkrete Pläne gibt es zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht.

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