„eBay Plus“: Nicht einmal ein Prozent der aktiven eBay-Kunden bislang dabei

Im vergangenen Herbst hatte der deutsche Online-Marktplatz eBay.de unter dem Namen „eBay Plus“ ein neues Kundenbindungsprogramm gestartet, jetzt zieht das E-Commerce-Unternehmen gegenüber neuhandeln.de eine erste Zwischenbilanz. Demnach ist der Marktplatz-Betreiber mit dem Start von „eBay Plus“ in Deutschland bislang „sehr zufrieden“. Diese Aussage untermauert eBay.de dann auch mit verschiedenen Kennzahlen, die der Marktplatz-Betreiber gegenüber neuhandeln.de verraten hat.

eBay Plus
„eBay Plus“ ist die Antwort auf Amazons „Prime“-Programm (Bild: Screenshot)

Demnach habe eBay.de bereits sechs Monate nach dem Start auf Kundenseite den „Meilenstein von 100.000 eBay Plus-Mitgliedern überschritten“. Aktuell sind nach eigenen Angaben zudem bereits 16 Prozent aller Angebote von gewerblichen deutschen eBay-Händlern im Rahmen von „eBay Plus“ verfügbar. Dieses Angebot würden wiederum auch die Kunden honorieren, da „eBay Plus“-Mitglieder nach eigenen Angaben im Vergleich zum Durchschnitt aller eBay-Nutzer in Deutschland häufiger den Online-Marktplatz besuchen, dort mehr einkaufen und zudem mehr Geld pro Artikel ausgeben.

Die Zahlen muss man dennoch ein Stück weit relativieren. Zum einen spricht eBay selbst davon, dass man hierzulande rund 17 Mio. aktive Käufer hat. Nimmt man diese Kennzahl zum Maßstab, so ist nach wie vor nicht einmal ein Prozent der aktiven eBay-Käufer (170.000 Kunden) bislang Plus-Mitglied. Dazu kommt: Verbraucher können das Plus-Programm zunächst 30 Tage lang kostenlos testen.

Kritik: „Falscher Ansatz, dass Service nicht bei allen Händlern gilt“

Während dieser Probezeit können Verbraucher dann entscheiden, ob sie denn „eBay Plus“ weiter nutzen möchten. Erst nach 30 Tagen beginnt daher die kostenpflichtige Mitgliedschaft, die jeweils den Zeitraum von einem Jahr umfasst und dann 19,90 Euro jährlich kostet. Wie viele Probemitgliedschaften nun aber in den aktuell 100.000 Nutzern enthalten sind, verrät eBay gegenüber neuhandeln.de nicht.

Kritisch sehen kann man zudem, dass 16 Prozent aller Angebote von gewerblichen deutschen eBay-Händlern im Rahmen von „eBay Plus“ verfügbar sind. Denn das bedeutet im Umkehrschluss ja dann auch, dass der Löwenanteil der Angebote von gewerblichen deutschen eBay-Händlern im Rahmen von „eBay Plus“ nach wie vor nicht verfügbar ist. Und für Angebote von privaten Verkäufern fallen auch trotz einer Plus-Mitgliedschaft nach wie vor Versandkosten beim Einkauf an. Und gerade an diesem Punkt offenbart sich eine große Schwachstelle bei eBays neuem Kundenbindungsprogramm.

Patrick Palombo

„Für mich ist es bereits der falsche Ansatz, dass die Service-Vorteile nur bei ausgewählten eBay-Verkäufern gelten“, warnte Patrick Palombo (siehe Foto links) bereits zum Start, der als Berater auf E-Commerce und Einzelhandel spezialisiert ist. „Kundenorientiert wäre, wenn man kostenlosen Versand künftig bei allen eBay-Verkäufern bekommen würde.“

Dass eBay mit seinem neuen Treueprogramm bei der breiten Masse punkten kann, bezweifelte damals zudem Alexander Graf. „Es fehlt ein Schritt nach vorne, um neue Standards zu setzen“, kritisierte der ECommerce-Berater.

Nutzer von „eBay Plus“ bekommen alle Artikel auf dem Online-Marktplatz mit dem Label „eBay Plus“ ohne Versandkosten. Wenn Kunden bis 14 Uhr bestellen, soll die Ware zudem noch am gleichen Tag versendet werden und dadurch im Idealfall bereits am nächsten Werktag eintreffen. Mit dem Serivce „eBay Plus“ reagiert der Online-Marktplatz auf das Prime-Programm von Amazon, wo Nutzer ebenfalls für eine Jahrespauschale unter anderem versandkostenfreie Lieferungen bekommen.

Kein Wunder. Denn immer wieder hört man, dass Prime-Kunden den Einkauf bei Amazon so schätzen, dass sie meist nur noch direkt bei Amazon nach Produkten suchen und gar nicht mehr online bei Preis-Portalen oder Suchmaschinen. Angeblich spielt der Preis für viele Prime-Kunden zudem nur noch eine untergeordnete Rolle. Demnach sollen Prime-Kunden selbst dann bei Amazon bestellen, wenn der gewünschte Artikel woanders vielleicht einmal ein paar Euro günstiger zu haben ist. Denn Prime-Kunden bleiben Amazon angeblich auch treu, weil sie die reibungslose Abwicklung schätzen.

MAC dmexco

Im direkten Vergleich fällt bei Amazon die Service-Pauschale mit 49 Euro im Jahr zwar höher aus als bei eBay. Dafür aber bietet Amazon Prime neben Gratis-Versand weitere Vorteile wie kostenlose eBooks für den Amazon Kindle und eine Gratis-Flatrate für Video-Streamings von Fernsehserien und Filmen.

Ein großer Unterschied zeigt sich auch beim Geschäftsmodell der Plattform-Betreiber. So ist Amazon selbst als Händler aktiv und kann dadurch Prime-Vorteile wie schnelle Lieferung und kostenlosen Versand prinzipiell bei allen eigenen Produkten bieten. eBay dagegen stellt als Mittler lediglich die Infrastruktur und ist darauf angewiesen, dass möglichst viele Händler dem Programm beitreten.

Damit möglichst viele Händler mitmachen, erhalten die teilnehmenden Partner einige Vorteile. So gewährt eBay auf Plus-Transaktionen einen Rabatt von 15 Prozent auf die Verkaufsprovision. Plus-Artikel werden zudem mit einem Logo in Suchtreffern beworben und die Kosten für die Retouren übernimmt eBay. Teilnehmen können zwar prinzipiell alle gewerbliche Händler, die den Status „Verkäufer mit Top-Bewertung“ besitzen. eBay ist bei seinem Modell aber auch darauf angewiesen, dass die Partner die Service-Versprechen tadellos umsetzen. Amazon dagegen ist selbst als Händler aktiv und kann daher selbst steuern, dass Kunden ihre Ware auch wirklich schnell erhalten.

Wieviele Prime-Kunden denn Amazon in Deutschland hat, verrät der Online-Händler traditionell nicht. eBay wiederum macht keine Angaben dazu, wie viele Plus-Nutzer man langfristig haben möchte.

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