Schwaches Halbjahr: Beate Uhse reduziert Umsatzprognose für 2016

Adreko

Die Talfahrt der Beate Uhse AG hält an. So gibt es nun auch für das erste Halbjahr 2016 einen starken Umsatzrückgang, nachdem der Umsatz bereits im vergangenen Geschäftsjahr 2015 als auch im ersten Quartal 2016 deutlich gesunken war. Konkret steht für die ersten sechs Monate 2016 nur ein Netto-Umsatz von 52,3 Mio. Euro in den Büchern, was einem Minus von gleich 20,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht (H1/2015: 65,5 Mio. Euro). Damit blieb das Halbjahr nach eigenen Angaben hinter den Erwartungen zurück, was laut dem Erotik-Konzern gleich verschiedenen Gründen geschuldet ist.

Beate Uhse Logistik
Bei Beate Uhse ging das Geschäft im ersten Halbjahr 2016 zurück (Bild: Beate Uhse)

Denn auch das erste Halbjahr 2016 war von Sanierungsmaßnahmen geprägt, die der Erotik-Konzern bereits im vergangenen Geschäftsjahr angestoßen hatte. Damals hatte der Konzern zum einen Filialen geschlossen, um sich auf „zukunftsträchtige Standorte“ zu konzentrieren. Zum anderen wurde im Februar 2016 das Kataloggeschäft komplett eingestampft, um sich beim Versandhandel auf den E-Commerce zu fokussieren. Kein Wunder also, dass diese Maßnahmen zu weniger Umsatz führten.

Konkret sank der Netto-Umsatz im stationären Einzelhandel im ersten Halbjahr 2016 von zuvor 16,1 Mio. auf 12,8 Mio. Euro. Verantwortlich dafür war aber nur zum Teil, dass der Konzern sein Filialnetz von zuvor 84 auf nun 68 Standorte verkleinert hatte. Denn nach eigenen Angaben sanken die Umsätze auch, weil die Kundenfrequenz abgenommen hat. So zeige sich, dass die Neuausrichtung auf die neuen Zielgruppen „Frauen und Paare“ mehr Einsatz und Zeit erfordere als angenommen. Parallel konnte der Konzern aber den Durchschnittskauf je Kunde und die Anzahl der durchschnittlich je Kunde gekauften Artikel steigern – was belege, dass Beate Uhse mit dem neuen Markenauftritt, einer qualifizierten Beratung und der Verzahnung der Filialen mit dem E-Commerce auf dem richtigen Weg sei.

Distanzhandel: Keine Kataloge, geringere Kosten, weniger Umsatz

Beim Versandhandel wiederum sanken die Umsätze von zuvor 29,3 Mio. Euro auf nun 24,0 Mio. Euro, was zum einen natürlich am fehlenden Kataloggeschäft liegt, das bereits in den vergangenen Jahren zunehmend zurückgegangen war. Doch im ersten Halbjahr 2016 habe sich auch beim Online-Handel gezeigt, dass die Ausrichtung auf neue Zielgruppen mehr Zeit und Einsatz erfordern als erwartet.

Schwierig verlief auch das Geschäft im Großhandel, wo der Umsatz von 15,9 Mio. auf 13,3 Mio. Euro gesunken ist. Hier spüre der Konzern den Druck seiner B2B-Kunden, die sich nicht ausreichend auf den Wandel zum E-Commerce eingestellt hätten. Das wiederum führte zu einem „erhöhten Margendruck“, wodurch das EBIT im Großhandel von zuvor 0,2 Mio. auf nun -1,3 Mio. Euro gesunken ist.

Über alle Konzernsparten hinweg hat sich das Ergebnis dennoch verbessert – wenn auch der Konzern nach wie vor rote Zahlen schreibt. So stieg das EBIT des gesamten Konzerns von -2,7 Mio. Euro im Vorjahr auf -2,2 Mio. Euro – was wiederum an den Sanierungsmaßnahmen liegt. So erhöhte sich beim Versandhandel das EBIT von -0,2 Mio. auf 0,8 Mio. Euro, weil keine Kosten für Kataloge mehr anfallen. Wegen den Schließungen stieg das EBIT beim Stationärgeschäft von -0,8 Mio. auf -0,3 Mio. Euro.

Um das Geschäft anzukurbeln, hat der Konzern bereits einen neuen Standort in Amsterdam aufgebaut. Hier will man künftig „zusätzliche Online-Profis gewinnen“, um den E-Commerce voranzubringen. Auch den Online-Handel und das Stationärgeschäft will man enger miteinander verzahnen, um sich dadurch vom Wettbewerb abzuheben. Bereits heute können Kunden in Deutschland in den Filialen über Tablet-PCs solche Produkte bestellen, die vor Ort nicht vorrätig sind. Um die Kosten zu senken, will der Konzern zudem seine Logistik künftig an einem zentralen Standort in den Niederlanden bündeln.

Bisher hat Beate Uhse zwei Logistikzentren in den Niederlanden betrieben, in Walsoorden und Almere. Der Standort Walsoorden wurde v.a. für den Versandhandel genutzt und in Almere wurde die Logistik für den Einzel-und Großhandel betrieben.

Wegen eines schwachen ersten Halbjahres rechnet der Konzern dennoch für das Gesamtjahr nur noch mit Umsätzen von 105 bis 110 Mio. Euro – und korrigiert damit seine ursprüngliche Prognose nach unten. Denn zunächst hatte die Beate Uhse AG für das laufende Geschäftsjahr 2016 einen Netto-Umsatz von 115 Mio. bis 120 Mio. Euro erwartet. Beim Ergebnis hält der Konzern dagegen an seiner Prognose fest und erwartet ein EBIT im unteren Bereich des Plankorridors von -1 bis +2 Mio. Euro.

Der Beate-Uhse-Konzern ist in zehn Ländern Europas im Einzel- und Versandhandel aktiv. In den einzelnen Ländern verkauft der Konzern jeweils unter den Händlermarken Beate Uhse (Deutschland), Pabo (Holland und Belgien), Adam & Eve (Frankreich) und Christine le Duc (Holland und Frankreich). Weitere Einnahmen erzielt der Konzern über Entertainment-Dienste und den Großhandel.

Seit rund zwei Jahren positioniert sich Beate Uhse im B2C-Geschäft mit den Endverbrauchern neu, um verstärkt Frauen als Kunden anzusprechen. Hintergrund ist, dass der Großteil der Kunden von Beate Uhse weiblich ist und die meisten Produkte daher auch für Frauen sind. Deshalb bekamen der Online-Shop und die Ladengeschäfte ein neues Design, auch das Marken-Logo wurde erneuert.

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