Neue Konzern-Strategie: Otto-Gruppe springt auf Plattform-Trend

Ehrgeizige Ziele bei der Otto-Gruppe: Denn in fünf Jahren soll der Netto-Umsatz des weltweit aktiven Konzerns auf stolze 17 Mrd. Euro anziehen. Vor diesem Hintergrund plant die Gruppe damit, in den nächsten Jahren den weltweiten Gesamtumsatz um jeweils rund 800 Mio. Euro zu erhöhen – auf vergleichbarer Basis und ohne Zukäufe. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2016/17 (Ende: 28. Februar) hatte sich der Konzern-Umsatz gerade einmal um 400 Mio. Euro auf 12,5 Mrd. Euro erhöht.

Otto Alexander Birken
Konzern-Chef Alexander Birken (Bild: Otto Group)

Um die jährlichen Zuwächse künftig zu verdoppeln, setzt die Otto-Gruppe auf eine neue Konzernstrategie. Diese hat der Vorstandsvorsitzende Alexander Birken (siehe Foto) heute in Hamburg auf einer Presse-Konferenz vorgestellt.

Einer der wesentlichen Eckpunkte der neuen Konzernstrategie ist, dass die Otto-Gruppe ihr Öko-System zunehmend für Dritte öffnen will. Aus diesem Grund soll das Sortiment bei dem Universal-Versender Otto durch Handelspartner ausgebaut werden, die bereits länger den Online-Shop Otto.de als Vertriebsplattform für ihre Ware nutzen können.

Aktuell können Kunden bei Otto.de rund 2,1 Mio. Artikel bestellen, langfristig sollen es fünf bis zehn Mio. Produkte werden. Erweitert wird das Angebot zum einen durch Artikel in Kategorien wie „Wohnen“, wo es bereits ein breites Sortiment gibt. Zum anderen sollen neue Produkte wie Güter des täglichen Bedarfs (Fast Moving Consumer Goods) auf die Plattform kommen, für die Otto bislang nicht steht.

Otto Group Umsatz
Mehr Wachstum: Die Otto-Gruppe will wieder mehr Dynamik (Grafik: Otto Group)

Momentan verkaufen bereits 220 externe Partner auf Otto.de, weitere hundert Händler sollen in den nächsten Tagen freigeschaltet werden. Durch die Drittanbieter kann Otto sein Sortiment erweitern, ohne selbst ins Warenrisiko zu gehen. Die Ware wird dabei entweder direkt durch die Handelspartner verkauft (wie es bereits bei Butlers der Fall ist) oder per Dropshipping in Namen von Otto geliefert.

Positiv stimmt die Hanseaten, dass bei ihrem Start-Up Aboutyou.de der Plattform-Ansatz nach eigenen Angaben aufgeht. So können hier ebenfalls Partner ihre Sortimente anbinden, während externe Programmierer sogar eigene Anwendungen für den Mode-Shop programmieren. Auch deshalb habe sich der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr auf 135 Mio. Euro verdoppelt, auf lange Sicht soll der Fashion-Anbieter sogar ein „Milliarden-Unternehmen“ werden. „Collaboration ist der Schlüssel zum Erfolg“, argumentiert Birken, der erst seit diesem Jahr der neue Konzern-Chef ist.

Öffnen will sich die Otto-Gruppe aber längst nicht nur für weitere Handelspartner, sondern auch für strategische Partner und Finanz-Investoren. „Wir können uns vorstellen, stärker als bisher Beteiligungen an ausgewählten Konzern-Unternehmen zuzulassen“, erklärt Birken. Über weitere Investments in Start-Ups will sich der Konzern den Zugang zu neuer Technik und Kontakten sichern (siehe Grafik).

Otto Group Strategie
Die Otto-Gruppe will sich für externe Partner öffnen (Grafik: Otto Group)

Collaboration ist aber nicht der einzige Weg. Denn um stärker zu wachsen, setzt der Konzern auch auf vergleichsweise traditionelle Maßnahmen. Konzentrieren will sich der Konzern in den kommenden Jahren auf ausgewählte Multichannel-Händler, die durch Investitionen überproportional zum Markt wachsen sollen. Investieren will die Gruppe hier konkret vor allem in den Mode-Versender Bonprix, die auf Best Ager spezialisierte Witt-Gruppe und den US-Möbelhändler Crate & Barrel.

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