Nach „eBay Express“: Auch Ricardo beerdigt sein Neuwaren-Portal

Manchmal wiederholt sich Geschichte – selbst in dem noch vergleichsweise jungen E-Commerce-Markt. Bestes Beispiel dafür ist die Plattform-Strategie der Ricardo-Gruppe, die mehrere Online-Marktplätze betreibt und quasi das Pendant von eBay in der Schweiz darstellt. Zum Portfolio gehörte bislang auch das Online-Portal Ricardoshops.ch, auf dem Neuware von gewerblichen Händlern angeboten wurde.

Ricardshops Offline

Dieses zusätzliche Angebot wurde erst vor zwei Jahren gestartet und sollte eigentlich das Kerngeschäft des Online-Marktplatzes Ricardo ergänzen, wo Kunden neben Neuware traditionell auch Gebrauchtware von anderen Verbrauchern kaufen können. Aufgegangen ist die Zweimarken-Strategie allerdings nicht, das Neuwaren-Portal wurde vielmehr vor wenigen Tagen zum Jahresende 2016 beerdigt (siehe Foto).

Zuvor konnten Bestandskunden von Ricardo.ch mit ihrem bestehenden Kundenkonto auf dem Sub-Portal kaufen. Es gab zudem einen händlerübergreifenden Warenkorb, so dass Kunden die Produkte verschiedener Händler auf einmal kaufen konnten. Interessant war zudem, dass Ricardo auch deutsche Händler auf die Plattform holte. Das Team des Portal-Bertreibers kümmerte sich dabei nach eigenen Angaben um den Waren-Transport von Deutschland in die Schweiz und die Zollabwicklung.

Simon Marquard Ricardo
Simon Marquard (Bild: Ricardo)

So wollte man „einem Bedürfnis der Schweizer“ entgegen kommen – zumindest in der Theorie. In der Praxis sah es dann doch ein wenig anders aus.

„Die Kunden von Ricardo.ch wünschen eine Plattform, welche neue und gebrauchte Produkte von privaten wie auch gewerblichen Händlern aus einer Hand anbietet, ohne dass die Kunden dabei zwischen zwei Plattformen wechseln müssen“, weiß heute Simon Marquard, Digital Communication Manager bei Ricardo-Eigentümer Tamedia. Deshalb habe man sich dazu entschlossen, das Angebot des Neuwaren-Portals in das Kernportal Ricardo.ch zu integrieren.

In der Praxis hatte sich dieser Prozess bereits ohnehin schon eingeschlichen. So waren auf dem Sub-Portal Ricardoshops.ch zuletzt rund 50 Händler aktiv, wobei viele davon bereits parallel ihre Angebote auf Ricardo.ch angeboten hatten – um von der größeren Reichweite der Kernmarke zu profitieren.

Dass diese dem jungen Sub-Portal fehlte, ist kein Wunder. Nicht nur, weil die Ricardoshops erst frisch an den Start gegangen waren. Sondern auch, weil eine klare Positionierung fehlte. Denn auch auf dem Kernportal Ricardo.ch gab es zu jederzeit Neuware von gewerblichen Händlern. Viele Händler hatten ihre Produkte zudem parallel auf Ricardo.ch als auch Ricardoshops.ch eingestellt, wodurch das zusätzliche Neuwaren-Portal wenige Mehrwerte gegenüber dem Angebot auf dem Kernportal bot.

Kunden wollen nicht zwischen Online-Marktplätzen wechseln

Letzten Endes hatte sich aber ein zeitnahes Ende der Ricardshops bereits beim Start angekündigt. Denn das Konzept erinnerte doch stark an das Portal eBay Express, auf dem eBay in Deutschland vor elf Jahren ebenfalls ausschließlich Neuware angeboten hatte. Nicht einmal zwei Jahre später hatte aber auch eBay sein Zweitportal wieder eingestellt, um den Verkauf von Neuware auf der Kern-Plattform eBay.de voranzutreiben. Denn viele Kunden dürften sich damals wohl schon gefragt haben, warum sie nun plötzlich Neuware auf dem separaten Online-Portal „eBay Express“ kaufen sollen – wenn es doch bereits direkt auf eBay.de solche Angebote von gewerblichen Händlern gibt.

Bereits zum Start der Ricardoshops hatte ich daher darauf hingewiesen, dass die Schweizer mit ihrer Multishop-Strategie am selben Punkt scheitern könnten – weil sich Geschichte eben doch wiederholt.

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Zur Ricardo-Gruppe gehört noch das KFZ-Portal Autoricardo.ch, wo Gebrauchtwagen gehandelt werden (vergleichbar mit dem Online-Portal Mobile.de von eBay). Im Frühjahr 2015 wurde Ricardo von der Mediengruppe Tamedia übernommen, die mit dem Kauf ihre Stellung im Schweizer Online-Markt festigen will. Über die Ricardo-Portale wird im Jahr ein Handelsumsatz von 660 Mio. Franken erzielt.

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