„Merkliche Einbußen“: DocMorris leidet unter Poststreik

Die Schweizer Versendergruppe „Zur Rose“ hat schwierige Monate hinter sich. Zwar steht für das erste Halbjahr 2015 ein Netto-Umsatz von 412 Mio. Schweizer Franken in den Büchern. Zum Vorjahr ist das aber ein zweistelliges Minus von zehn Prozent. Das verwundert aber nicht, wenn man sich die Geschäftsentwicklung der ersten sechs Monaten 2015 einmal im Detail anschaut. Schließlich haben gleich mehrere Faktoren den Schweizern ihr Geschäft erschwert.

Neubau DocMorrisBei DocMorris hat ein Umzug das Ergebnis belastet (Bild: Zur Rose Group AG)

Zunächst einmal haben Währungseffekte den Schweizern zu schaffen gemacht, die mit der holländischen Versandapotheke DocMorris an Kunden in Deutschland verkaufen und über die sächsische Zur Rose Pharma GmbH als Dienstleister das Versandgeschäft der ostdeutschen Online-Apotheke zur Rose abwickeln (die trotz gleichem Namen nicht zur Versendergruppe gehört). Beide Gesellschaften erzielen ihre Umsätze in Euro, die bei der Konsolidierung in Schweizer Franken von Währungseffekten belastet wurden. In Lokalwährungen fällt daher die Bilanz etwas besser aus, wobei es auch hier einen Umsatzrückgang von vier Prozent gibt.

Das hat ebenfalls seine Gründe. Zum einen hat sich die vor knapp drei Jahren von der Rose-Gruppe übernommene Versandapotheke DocMorris aus dem Großhandel zurückgezogen, weil das Geschäft hier schlichtweg zu geringe Margen hat. In diesem Geschäftsfeld war DocMorris ohnehin nur gezwungenermaßen tätig, weil die Pharmaindustrie die holländische Online-Apotheke bei ihrem Start vor rund 15 Jahren nicht direkt mit Produkten beliefert hatte.

Wegen Poststreik: DocMorris-Kunden haben kurzfristig umentschieden

Erschwert wurde das Geschäft im ersten Halbjahr 2015 zudem durch die Streiks bei der Deutschen Post. Wegen der Arbeitsniederlegungen hatte DocMorris seine Kunden bereits im Online-Shop und am Telefon darauf hingewiesen, dass Pakete länger unterwegs sein können. Für eilige Bestellungen – was bei Medikamenten ja schnell der Fall sein kann – haben Kunden dann kurzfristig umentschieden und ihre Arznei zum Beispiel vor Ort gekauft.

Insgesamt sind nach eigenen Angaben „merkliche Umsatzeinbußen“ durch den Poststreik in Deutschland für die Rose-Gruppe entstanden. Dazu sind hohe Kosten angefallen, wenn mit anderen Logistikanbietern die Produkte zugestellt wurden. Den operativen Gewinn hat zudem ein neues Logistikgebäude geschmälert, das DocMorris im zweiten Quartal 2015 bezogen hat.

Durch all diese Entwicklungen hat sich das Ergebnis (EBITDA) der Schweizer Versendergruppe von zuvor 7,0 Mio. auf 5,0 Mio. Franken verschlechtert. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) ist durch die höheren Währungsverluste von 0,6 Mio. Franken auf -1,9 Mio. Franken gesunken.

Kennzahlen zur RoseDurch den DocMorris-Kauf gab es 2013 einen Umsatzschub (Bild: eigene Grafik)

Es gibt aber auch Lichtblicke: So haben zum Beispiel bei der Versandapotheke DocMorris die Online-Verkäufe von rezeptfreien Medikamenten zum Vorjahr um 25 Prozent angezogen. Gut entwickelt sich auch die Kooperation der Versandapotheke zur Rose mit dem Drogeriemarkt dm, wo die Schweizer über ihren Dienstleister zur Rose Pharma an der Kooperation beteiligt sind. Zwar wurden die Bestellterminals („Pharmapunkte“) in diesem Frühjahr allesamt bereits abgeschafft, weil Kunden ihre Medikamente nur selten in den Drogeriemärkten bestellten.

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Nach wie vor würden Kunden von der deutschen Versandapotheke zur Rose ihre Pakete gerne in die Märkte von dm liefern lassen, um ihre Bestellungen dort selbst abholen zu können.

Die Schweizer Rose-Gruppe ist auf den Versandhandel mit Medikamenten spezialisiert und in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv. Hierzulande verkaufen die Schweizer über die Online-Apotheke DocMorris und erzielen Umsätze über den Dienstleister Zur Rose Pharma GmbH, der wiederum für die deutsche Apotheke Zur Rose das Versandgeschäft abwickelt.

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