Konzernerwartungen verfehlt: Otto trennt sich vom nächsten Sub-Shop

Der Otto-Versand bereinigt sein Portfolio erneut. Konkret vor dem Aus steht daher der Online-Shop Teppstore.de, wie die Hanseaten gegenüber neuhandeln.de bestätigen. Demnach wird bereits zur aktuellen Herbst/Winter-Saison das Geschäft des Sub-Shops eingestellt, den der Otto-Versand erst vor einem guten Jahr an den Start gebracht hatte. Hintergrund ist, dass der Online-Shop Teppstore.de nach eigenen Angaben „die ehrgeizigen Konzernanforderungen wirtschaftlich nicht erfüllen konnte“.

Teppstore.de
Verschwindet wieder vom Markt: Der Otto-Shop Teppstore.de (Bild: Screenshot)

Deshalb entspreche es dem bei Otto gelebten „Innovationsgedanken“, erfolgsversprechende Themen und Projekte konsequent wieder einzustellen – wenn sie nicht wie geplant „zum Fliegen kommen“.

Warum der Sub-Shop nicht abgehoben hat, verraten die Hanseaten zwar nicht. Mit dem Teppich-Shop wollte man aber an sich solche Kunden erreichen, die bislang nicht direkt bei Otto kaufen – aus welchen Gründen auch immer. Entwickelt wurde ein Teppich-Shop, weil über dieses Sortiment knapp ein Viertel des Netto-Umsatzes von Haus- und Heimtextilien bei Otto.de erwirtschaftet wurde. Deshalb witterte man Potenzial für einen weiteren Nischen-Shop, der ausschließlich auf Teppiche zugeschnitten ist.

Ähnliche Sub-Shops hatten für den Otto-Versand zudem bereits den „Proof of Pratice“ erbracht. So verkaufen die Hanseaten schon länger über die Spezial-Shops Schlafwelt.de (Start: November 2009; Sortiment: Matratzen) sowie Cnouch.de (April 2014; Polstermöbel) und Ekinova.de (September 2014; Küchengeräte) als auch Naturloft.de (September 2014; Öko-Möbel) sowie Neckermann.de (Februar 2013; Online-Discounter), die heute allesamt ja nach wie vor am Online-Markt aktiv sind.

Viel spricht zudem dafür, dass diese Angebote weiter betrieben werden. Denn nach eigenen Angaben entscheidet Otto bei seinen Sub-Shops innerhalb der ersten 15 Monate nach dem Start, ob ein Konzept aufgeht und weitergeführt wird. So gesehen verwundert es nicht, dass der Teppstore gerade jetzt wieder offline geht – schließlich ist der Online-Shop erst ein gutes Jahr am Markt aktiv. Auf der Kippe steht so gesehen allerdings noch der Möbel-Shop YourHome.de, über den der Otto-Versand erst seit Dezember 2015 zusätzlich Möbel, Accessoires und Heimtextilien vermarktet.

Kein Strategiewechsel: Otto hält an Multishop-Modell fest

Gemein haben all diese Sub-Shops, dass die Nischen-Angebote mit einem überschaubaren Aufwand betrieben werden. So gibt es die Produkte zu gleichen Preisen in der Regel auch direkt bei Otto.de, so dass für die Nischen-Shops kein eigener Einkauf nötig ist. Auch für Bestellabwicklung, Zahlung und Lieferung greift Otto auf Infrastruktur zurück, die bereits beim Kerngeschäft genutzt wird.

Während der Otto-Versand selbst als Universalversender aber ein Vollsortiment anbietet, sollen die Sub-Shops mit einer hohen Sortimentskompetenz punkten – da jeder Online-Shop ja ausschließlich auf seine Nische spezialisiert ist. Beim Teppstore gibt es daher einen so genannten Teppichfinder, der Kunden im Online-Shop für Räume wie Kinderzimmer die passenden Produkte empfehlen soll.

Dennoch wurde mit dem Online-Angebot Privileg.de in diesem Jahr schon ein Sub-Shop begraben, der im Februar 2015 online ging. Dieser Nischen-Shop war auf Haushaltsgeräte der ehemaligen Quelle-Marke „Privileg“ spezialisiert und zählt aus etwas anderen Gründen nicht mehr zum Otto-Portfolio.

So hat Otto den Marken-Shop als auch die Domain Privileg.de an die Whirlpool Corporation verkauft, die als Hersteller die Rechte an der Marke hat und ihre Vertriebsstrategie geändert hat. So will Whirlpool seine Privileg-Produkte nun auch über andere Anbieter verkaufen, nachdem Otto zuvor die Privileg-Produkte exklusiv auf allen Vertriebswegen angeboten hatte – unter anderem auf Privileg.de.

Die nackten Zahlen sprechen zudem für die Multishop-Strategie: Denn nach eigenen Angaben haben die Spezialshops dem Otto-Versand im vergangenen Geschäftsjahr 2015/2016 (Ende: 29. Februar) in Summe über 120 Mio. Euro Netto-Umsatz und über 150.000 Neukunden gebracht – bei einem überschaubaren Aufwand wohlgemerkt. Vor diesem Hintergrund gibt es beim Otto-Versand im Hinblick auf das Multishop-Modell nach eigenen Angaben auch keinen Strategiewechsel – obwohl von ursprünglich acht Sub-Shops zu Jahresbeginn jetzt nur noch sechs Nischen-Portale übrig sind.

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