„Attraktiver Markt“: Bonprix expandiert nach Norwegen

Der Mode-Versender Bonprix ist einer der Hoffnungsträger im Otto-Konzern. Schließlich hatte kürzlich erst Konzern-Chef Alexander Birken in Aussicht gestellt, mit dem Mode-Versender durch Investitionen überproportional zum Markt wachsen zu wollen. Wie das in der Praxis gelingen kann, verdeutlicht nun eine aktuelle Bonprix-Offensive. So expandiert der Mode-Händler aus der Otto-Gruppe nun erstmals nach Norwegen, um sich dadurch einen weiteren „attraktiven Markt“ in Nord-Europa zu erschließen.

Richard Gottwald
Richard Gottwald (Bild: Bonprix)

„Der Markt passt gut zu uns, denn Norwegen bietet uns eine Zielgruppe mit besten Voraussetzungen“, argumentiert Bonprix-Chef Richard Gottwald (siehe Foto), der für Expansionen zuständig ist. „Kunden mögen E-Commerce, haben ein hohes Interesse an Mode und verfügen über eine hohe Kaufkraft.“

Gar so attraktiv wie der Markt sind die Konditionen für Verbraucher aber nicht, die im norwegischen Online-Shop bestellen möchten. Denn hier warten Verbraucher in der Regel sechs bis 14 Tage auf ihre Bestellung, wie es offiziell im norwegischen Online-Shop von Bonprix heißt.

Hintergrund ist, dass Bonprix seine Waren von Deutschland aus nach Norwegen versendet. Bonprix kann sich lange Laufzeiten allerdings auch leisten. Denn im Angebot ist Mode der Bonprix-Eigenmarken (bpc, Bodyflirt, Rainbow, John Baner), die Kunden ohnehin nur direkt bei der Otto-Tochter bekommen.

Dazu kommt: In Ländern mit einer geringeren Bevölkerungsdichte und weiten Distanzen sind die Verbraucher nach den Erfahrungen der Otto-Tochter es gewohnt, länger auf Ware zu warten. Die Lieferzeit sei dennoch „bewusst großzügig“ gehalten, um Verbraucher nicht zu enttäuschen.

Norwegen bietet zweitgrößtes Potenzial in Skandinavien

Um Kunden in Norwegen zu gewinnen, will Bonprix seinen neuen Online-Shop zunächst über Online-Marketing und Social Media-Aktivitäten bewerben. In einem zweiten Schritt werden dann auch Kataloge verschickt, um Kunden in den Online-Shop zu locken. Angeboten werden in Norwegen auch die beiden Shopping-Apps für das Apple iPhone und Smartphones mit dem Betriebssystem Android von Google.

Mit der aktuellen Auslandsexpansion verkauft Bonprix nun schon an Verbraucher in 30 Ländern. In Skandinavien war die Otto-Tochter bislang nur in Schweden aktiv. Im Zuge der Internationalisierung prüfe Bonprix kontinuierlich Marktpotenziale. Demnach sieht man in Norwegen nach Schweden aufgrund der Gemeinsamkeit des Marktes zunächst das größte Potenzial im skandinavischen Raum.

Im vergangenen Geschäftsjahr 2016/2017 (Ende: 28. Februar) konnte Bonprix einen Netto-Umsatz von weltweit rund 1,51 Mrd. Euro einfahren (siehe Grafik) und damit um rund sechs Prozent zulegen. In Deutschland profitierte Bonprix von seinem 30-jährigen Jubiläum, das im Frühjahr 2016 mit Sonder-Angeboten beworben wurde. Dadurch gab es ein Wachstum von sechs Prozent auf 700 Mio. Euro.

Bonprix Umsatz
Bonprix bleibt auf Wachstumskurs (Quelle: eigene Angaben in Mrd. Euro)

In den übrigen 28 Ländern wachsen konnte Bonprix wiederum, weil man Kundendaten intern immer besser aufbereitet und dadurch einzelnen Verbrauchern im Online-Shop bessere personalisierte Angebote machen kann, die ihrem individuellen Mode-Geschmack entsprechen. Generell hatte Bonprix seine Kollektionen zudem so überarbeitet, dass sie eine „stärkere modische Ausrichtung“ haben.

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