Senkung der Mehrwertsteuer: Das planen Online- und Multichannel-Händler

Um die Binnenwirtschaft anzukurbeln, hat die Bundesregierung kürzlich ein Konjunkturprogramm auf den Weg gebracht. Dieses Paket sieht unter anderem vor, dass von 01. Juli bis 31. Dezember 2020 die Mehrwertsteuer gesenkt wird – und zwar von 19 auf 16 Prozent bzw. von sieben auf nur fünf Prozent.

Mehrwertsteuer
Die Mehrwertsteuer wird befristet gesenkt

Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass sich ab Juli 2020 mehr Verbraucher für einen Kauf entscheiden sollen – anstatt Anschaffungen auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Schließlich sollen ab dem neuen Jahr ja wieder die alten Sätze von 19 Prozent bzw. sieben Prozent bei der Mehrwertsteuer gelten.

Dann kosten Produkte wieder mehr als zwischen Juli und Dezember 2020, wo ja weniger Mehrwertsteuer bei den Einkäufen fällig wird. Zumindest auf dem Papier. Denn billiger wird es für Verbraucher ja auch nur, wenn Händler die Steuerersparnis auch direkt an ihre Kunden weitergeben.

Das plant jedenfalls die Otto-Gruppe, zu der neben dem Otto-Versand weitere prominente Versender gehören wie Bonprix, myToys oder Witt Weiden. „Die Unternehmen der Otto Group unterstützen die Bundesregierung in ihren Bemühungen und werden die Kostensenkung an Kunden weitergeben“, heißt es auf Nachfrage von neuhandeln.de. „Wie genau das geschehen und für Kunden wirksam und/oder sichtbar wird, ist derzeit in Prüfung, da die Aufwände der technischen Umstellungen erheblich sind.“

Auch die MediaMarktSaturn-Gruppe begrüßt das Konjunkturpaket. „Angesichts der schwerwiegenden Auswirkungen der Corona-bedingten Schließungen im Einzelhandel ist dies ein starkes Signal“, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens. „MediaMarkt und Saturn werden die Mehrwertsteuer-Senkung selbstverständlich in vollem Umfang an ihre Kunden weitergeben.“ Das verspricht auch der Berliner Mode-Versender Zalando. „Unser Fokus liegt darauf, Kunden das bestmögliche Einkaufserlebnis zu bieten“, betont Lisa Miczaika, die als „Vice President Central Europe“ für das Geschäft in Deutschland verantwortlich ist. „Das gilt auch für die Entscheidung, die Steuerersparnis an sie weiterzugeben.“

Deerberg betont Verantwortung – Amazon.de schweigt zunächst

Auch der Mode-Versender Deerberg will, dass von den neuen Mehrwertsteuersätzen seine Kunden komplett profitieren. „Wir nehmen unsere soziale Verantwortung wahr und möchten unsere Kunden entlasten“, argumentiert Lars Buschbom, der seit dem vergangenen Herbst das Management als weiterer Geschäftsführer verstärkt. „Auch wir wollen an dem Konjunkturaufschwung mitwirken.“

Der Drogerie-Markt dm wird die Mehrwertsteuersenkung nach eigenen Angaben ebenfalls vollständig an die Kunden weitergeben. Vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 erhalten Kunden daher in allen dm-Märkten und im Online-Shop einen entsprechenden Rabatt auf ihren Einkauf. Der Rabatt wird so auf dem Kassenbon sichtbar, die Etiketten am Regal aber nicht geändert. „Wir wollen Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen mehr Planungssicherheit geben“, argumentiert dm-Chef Christoph Werner.

Und was ist mit Amazon.de? Wie handhabt es der größte deutsche Online-Händler mit den neuen Mehrwertsteuersätzen? Auf Nachfrage will sich der Branchen-Primus aktuell nicht zum Thema äußern.

Update vom 30. Juni 2020: Fast zwei Wochen (!) nach meiner ursprünglichen Anfrage erreicht mich tatsächlich doch noch ein Statement von Amazon Deutschland. Demnach will auch der Versandriese nun die Umsatzsteuer-Ermäßigung „vollständig an Kunden“ weitergeben. Bei den eigenen Angeboten sollen Verbraucher deshalb von „Einsparungen für Millionen von Produkten“ profitieren, wie es heißt.

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Über Stephan Randler 2491 Artikel
Stephan Randler (40) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.

1 Kommentar zu Senkung der Mehrwertsteuer: Das planen Online- und Multichannel-Händler

  1. Nach Redaktionsschluss hat mich noch dieses Statement von Cyberport erreicht:

    „Für Cyberport war und ist es auch in Zukunft selbstverständlich, dass wir für unsere Privat-und Geschäftskunden die bestmöglichen Preise machen. Zudem ist sich das Unternehme seiner Verantwortung im gesamtwirtschaftlichen Kontext der Corona-bedingten Herausforderungen bewusst. In den letzten Monaten haben wir durch gute Verfügbarkeit und faire Preise hunderttausende Mitarbeiter und Familien beim Schritt zu Home Office und Home Schooling mit IT versorgt.

    Wir werden an einer kundenorientierten Preisstrategie festhalten und ab dem 1. Juli mit der jeweils reduzierten Mehrwertsteuer kalkulieren. Preise ändern sich im IT-Handel derzeit oft kurzfristig innerhalb weniger Tage auf Basis von variierenden Einkaufspreisen für Ware oder auch in Abhängigkeit vom Wettbewerb. Zum Stichtag 1. Juli werden die Preise in vielen Produktbereichen durch die Mehrwertsteuersenkung niedriger sein und außerdem gibt Cyberport die Mehrwertsteueranpassung bei Versandkosten an die Kunden weiter. Aktuelle Lieferengpässe und damit einhergehend steigende Einkaufspreise im Markt werden die Preise in den Folgetagen dann sicher wieder verändern und können so im Extremfall auch dazu führen, dass Bruttopreise im Juli höher sein werden als im Juni.“

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