Nicht nachmachen: Diese 5 Steuerfehler werden häufig begangen

Deutschland ist nicht gerade das, was man ein Steuerparadies nennen könnte. Sowohl von den Summen, die im gewerblichen wie privaten Bereich an Vater Staat abgeführt werden müssen als auch dem Verwaltungsaufwand, der dahintersteckt. Doch Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Und so ist es enorm ratsam, typische Steuerfehler möglichst von vornherein zu vermeiden.

Steuervorauszahlungen
Steuerbescheid (Bild: fotolia.com © PeJo)

Eines der zentralen Probleme des E-Commerce, eigentlich sämtlicher Formen von Handel, ist folgendes: Diejenigen, die ein Unternehmen auf die Beine stellen, sind Profis. Sie können IT-Profis sein, Marketingprofis, Verkaufsprofis – und kennen sich in dem großen Metier namens „Dinge gewinnbringend an andere verkaufen“ bestens aus.

Leider bedingt das jedoch immer wieder, dass selbst diejenigen, die einen kaufmännischen Beruf erlernt haben, niemals so tief in das Steuerthema eintauchen, wie es eigentlich notwendig ist.

Doch was machen Unternehmer überhaupt häufig falsch? Es sind die folgenden Punkte – und dabei handelt es sich längst nicht nur um Anfängerfehler, obwohl sie vor allem dort archetypisch sind.

1. Keinen Steuerberater haben

Steuerberater kosten Geld. Geld, das man als Unternehmer nicht gerne ausgibt, wenn man glaubt, die Sache selbst in die Hand nehmen zu können – denn hier lässt der Staat einem freie Wahl, solange er alles in sauberer Ausfertigung und den korrekten Summen erhält. Tatsache ist ebenfalls, dass ein Profi, der die Arbeit übernimmt, oft längst nicht so viel kostet, wie es viele Unternehmer oftmals denken.

Steuerberater unterliegen nämlich der „Vergütungsverordnung für Steuerberater, Steuerbevollmächtigte und Steuerberatungsgesellschaften (Steuerberatervergütungsverordnung – StBVV)“. Hinter diesem kolossalen Beispiel für Amtsdeutsch verbirgt sich eine klar regulierte Gebührenordnung, bei der die Vergütung nach Tabelle berechnet wird. Zudem gilt auch: Kein Steuerberater ist so teuer wie der Verspätungszuschlag, der beträgt nämlich bis zu 25.000 Euro.

Die einzige Alternative ist es, einen Buchhalter für die Firma zu engagieren – in dem Fall wird es zum Rechenbeispiel: Was kommt einen günstiger? Die Auslagen für den externen Steuerberater oder die Gehaltskosten für einen Buchhalter? Meist obsiegt ersteres.

2. In die Vorauszahlungsfalle tappen

Einmal pro Quartal kommt sie – und zwar so sicher wie die Wettervorhersage nach der Tagesschau: die Steuervorauszahlung. Genau hier begehen vor allem viele Gründer in den ersten Jahren einen enormen Fehler, der sie später wie ein Bumerang einholt: Sie kalkulieren die Gewinnsteigerungen nicht richtig und zahlen nur das, was das Finanzamt anrechnet. Verständlich ist das, nach der Gründung wirft das Unternehmen naturgemäß nicht viel ab. Und selbst wenn die Vorauszahlungen deshalb sehr gering sein mögen, zahlt man doch nicht freiwillig mehr als man muss.

Genau das ist jedoch der Fehler. Denn wenn es unternehmerisch gut läuft, werden die Gewinne steigen. Und dann wird sich automatisch eines Tages das Finanzamt melden und Nachzahlungen verlangen.

Ganz deutlich: Diese Nachzahlungen können ein Unternehmen, das dann eigentlich schon längst die gröbsten Gewinnsorgen hinter sich gelassen hat, wieder in die tiefrote Zone ziehen – und ihm nicht selten das finanzielle Genick brechen. Deshalb sollte man nie bloß die Summen zahlen, die das Finanzamt angesetzt hat, sondern realistisch rechnen und notfalls selbstständig den einsprechenden Finger erheben. Das mag jetzt finanziell schmerzen, doch später wäre es noch viel schlimmer.

3. Die Zurückerstattungskarte überreizen

Ein erfolgreicher E-Commerce-Unternehmer zu sein, hat viele Vorteile. Einer davon ist es mit Sicherheit, eine ganze Menge Dinge nachträglich als Firmenkosten von der Steuer absetzen zu können. Anfänger, dazu auch überraschend häufig gestandene Unternehmer, reizen dieses Blatt jedoch gerne zu sehr aus. Natürlich, im Zweifelsfall lässt sich ein Abendessen irgendwie immer zum Firmendinner umdeklarieren.

Steuererklärung
Steuern machen Arbeit (Bild: fotolia.com © REDPIXEL)

Doch was, wenn das Finanzamt wirklich mal genauer hinschaut? Wenn es den Betriebsprüfer schickt, der die große Lupe mitbringt? Treffen kann es jeden, dazu muss man nur mal einen Blick auf die typischen Prüffelder der Ämter werfen. Und jedes Jahr erklärt das Amt eine neue Branche zum diesjährigen Prüfungsschwerpunkt – ohne dass man das mitbekäme.

Wenn dann ungewöhnlich viele Dinge als Firmenkosten deklariert wurden, schwebt schnell der Vorwurf der Steuerhinterziehung im Raum. Und wenn dieses Urteil gefällt wurde, wird es wirklich teuer. Deshalb ein guter Rat: Nur das, was wirklich für die Firma ist, auch zurückerstatten lassen.

Alles andere mag zwar verlocken, aber das Risiko ist schlicht zu hoch. Die Finanzämter sind eine der wenigen staatlichen Institutionen, in denen keine Unterbesetzung mit Fachleuten herrscht.

4. Buchungs-Schlamperei

Dass nicht jeder gute Unternehmer auch ein guter Buchhalter ist, ist eine der Tatsachen, welche Betriebsprüfer besonders häufig aufdecken. Stellen wir uns dazu eine ganz typische Situation vor:

  1. Das zuständige Finanzamt setzt einen Prüfungsschwerpunkt fest, etwa Online-Handel
  2. Alle Unternehmen der Branche im Einzugsbereich werden erfasst
  3. Es wird eine „Kandidatenliste“ erstellt. Darunter alle, die noch nie eine Betriebsprüfung hatten, gefolgt von solchen mit ungewöhnlich gestiegenen/gesunkenen Gewinnen, zurückliegenden Ungereimtheiten, Terminversäumnissen etc.
  4. Der Prüfer kündigt sich an, besucht das Unternehmen

… und stellt nicht nur fest, dass es viele ziemlich fragwürdige Firmenausgaben gibt, sondern dass sich auch für zahlreiche Buchungen keine Belege finden. Daher: Keine Buchung ohne Beleg!

Dieses uralte Mantra gilt nach wie vor. Egal ob man dazu lauter einzelne Kassenbons abheftet, einen riesigen Ordner mit Scans auf dem Computer erstellt. Alles, was verbucht wird, muss nachweisbar sein. Wer es hier nicht genau nimmt, kann sicher sein, dass der Betriebsprüfer genau hinschaut.

5. Go als GmbH

Wer ein Unternehmen gründet, kann sich natürlich dabei aus dem großen Katalog der Rechtsformen relativ frei aussuchen, was ihm davon am besten passt. Und wirft man einen Blick darauf, wie sich diese Freiheit bei der Verteilung der neugegründeten Unternehmen niederschlägt, zeigt sich ganz schnell: die ganz große Mehrheit sind Einzelunternehmen sowie Unternehmergesellschaften, also UGs.

Bei den Einzelunternehmen entstehen die hohen Zahlen vor allem durch die Kleingewerbetreibenden. Bei der UG jedoch durch den Nimbus, dass diese Rechtsform eine „GmbH light“ sei, was sicherlich nicht ganz falsch ist. Auch diese Wahl ist einmal mehr sehr verständlich. Hat doch die Gründung einer UG den ganz entscheidenden Vorteil, dass:

  1. Kein Stammkapital, konkret nur ein Euro, für die Gründung notwendig ist
  2. Die UG nur mit ihrem Vermögen haftet, nicht aber mit dem Privatvermögen der Gesellschafter
  3. Körperschaftssteuerrecht Anwendung findet, nicht die Einkommenssteuer, was oft günstiger ist
  4. Eine Person allein sie gründen kann und somit Geschäftsführer und einziger Gesellschafter in Personalunion ist
  5. Es sehr leicht ist, zusätzliche Gesellschafter aufzunehmen, die zudem auch Firmenmitarbeiter sein können
Buchhaltung
Buchhaltung muss ordentlich sein (Bild: fotolia.com © kozorog)

Denn obschon das UG hinter der Firmenbezeichnung ziemlich deutlich vermittelt, dass es sich um ein Start-Up handelt, sollte man niemals den Fehler begehen, nur aus Prestigegründen gleich als GmbH zu starten.

Steuerlich gesehen liegt das primär daran, dass die GmbH gerade in den Anfangsjahren, wenn nur wenige Gewinne auflaufen, überflüssig teuer ist. Etwa deshalb, weil der Geschäftsführer auf sein Salär Lohnsteuern zahlen muss. Ferner hat der dazugehörige Gesetzeskatalog einige umfangreichere Stolperstricke, die nicht nur teuer sein können, sondern auch strafrechtlich relevant, wenn sie nicht genau befolgt werden.

Gründet man als GmbH, macht man es sich nicht nur wegen der hohen Einlage unnötig teuer, sondern erhöht auch noch die Risiken, aus Unkenntnis über Steuerhürden dieser Rechtsform zu stolpern.

Über den Autor: Marco Gattinger ist Betriebswirt (vwa) und hat bereits in mehreren Unternehmen wertvolle Erfahrungen sammeln können. Heute nutzt er diese Erfahrungen und steht vielen Unternehmen als Berater zur Seite. Zusätzlich arbeitet er noch als freier Autor für die Bereiche Wirtschaft und Finanzen.

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Über Stephan Randler 2173 Artikel
Stephan Randler (39) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit Texten, Moderationen und Vorträgen. mehr