Google als Vorbild: So setzen sich Online-Händler auch offline gekonnt in Szene

Je stärker ein Unternehmen im E-Commerce verhaftet ist, desto stärker richten sich vielfach auch alle Image-Anstrengungen auf die Online-Welt. Sicherlich ein richtiger Ansatz, bei dem jedoch das Offline-Image am Firmensitz nicht gänzlich zum Schlusslicht verkommen sollte.

Architecture Unsplash
Online-Firmen sollten auch offline etwas her machen (Bildquelle: unsplash.com © LYCS Architecture)

Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) mit Digital-DNA richten sich auch die Anstrengungen zur Repräsentativität häufig in zu hohem Maß auf eine rein digitale Vorgehensweise.

Überspitzt formuliert verfügt ein Start-Up dann zwar über eine perfekte, höchstprofessionelle Webpräsenz – doch dahinter steckt dann ein Online-Händler, der in einem baufälligen Lagerhaus mit viel Unkraut davor residiert.

Nun bedingt eine bessere Vorgehensweise nicht zwingend, ein Unternehmen in sündhaft teuren 1A-Lagen einer Stadt anzusiedeln. Wohl aber, einen gewissen Mindeststandard der analogen Repräsentativität einzuhalten. Das veranschaulicht stellvertretend der Suchmaschinen-Quasimonopolist Google.

Google ist nicht nur der Suchmaschinen-Marktführer, sondern auch eine der wertvollsten Internet-Firmen der Welt. Doch begnügt sich Google damit, irgendwo zu residieren, wo die Mieten günstig sind? Nein. Im Gegenteil, der Firmensitz in Mountain View gehört zu den teuersten Gegenden der USA. Auch was das Architektonische anbelangt, ist der sogenannte Googleplex alles andere als pragmatisch.

Der Google-Gedanke

Ähnlich wie bei vielen anderen Tech-Repräsentanten in der Gegend wird bei den Gebäuden im besten Sinn geklotzt, anstatt gekleckert. Der Grund ist simpel: So sehr der gesamte Unternehmenserfolg auch im Digitalen stattfindet, so sehr bedeutet Repräsentativität in den Köpfen der allermeisten Menschen auch, dass diese greifbar sein muss. Noch ist die digitale Epoche zu jung, um diese Denkverbindung zu erodieren. Dazu müssen noch einige Jahrzehnte ins Land gehen. Sobald daher auch nur die geringste Chance besteht, dass Kunden und/oder Partner die eigenen Räumlichkeiten aufsuchen, muss ein Mindestmaß an Repräsentativität vorhanden sein. Alles andere würde den vielzitierten Salopp-Spruch „Vorne hui, hinten pfui“ erfüllen – ein Image-Schaden, den wahrscheinlich kein Unternehmen will.

Die Immobilie an und für sich

Nicht falsch verstehen. Für einen mittelständischen Online-Händler ist es sicherlich nicht notwendig, die Googles und Facebooks dieser Welt 1:1 zu imitieren. Der Sitz muss kein architektonisches Spektakel für Millionen von Euros sein. Allerdings sollte der Firmensitz schon gewisse Mindeststandards erfüllen:

  • Das Gebäude sollte technisch und optisch in gutem Zustand sein. Repräsentiert etwa durch einen unbeschädigten Putz, einen frischen und regelmäßig gereinigten Fassadenanstrich.
  • Das Umfeld muss einladend sein. Zumindest sollten hier aber keine Unkräuter wuchern, kein Wasser in unergründlich tiefen Schlaglöchern stehen, keine Büsche und Sträucher unkontrolliert wachsen. Natürlich sollten auch keine verrottenden Blätter oder gar Abfall herumliegen.
  • Im Gebäude muss es eine klare Trennung zwischen Kerngeschäft und Büro-Arbeit geben. Büros, die beispielsweise nur durch Glaswände von Lager und Kommissionierbereich getrennt werden, tun das nicht. Es muss eine echte bauliche Trennung, etwa durch Trockenwände, geben.
  • Es braucht einen optisch ansprechenden, technisch grundausgestatteten Raum für Geschäftsbesprechungen. Ad-Hoc umfunktionierte Aufenthaltsräume sind dafür ebenso suboptimal wie (Stichwort flache Hierarchie) nicht wirklich abgetrennte Geschäftsführer-Büros.

Dazu auch wichtig: Der repräsentative Bereich muss so angelegt sein, dass er von Gästen auch direkt erreicht wird – und Geschäftspartner wegen Terminen nicht erst durch das Lager marschieren müssen.

Der Eingangsbereich

Mancher Leser dürfte den Leitspruch kennen, wonach der Eingangsbereich die Visitenkarte eines Hauses sei. Das stimmt – und zwar nicht nur im Privaten. Sondern auch bei Business-Gebäuden.

Da jedoch nicht jeder Händler ein Fachmann für Architektur ist, sollte man sich zunächst über generelle Trends und Möglichkeiten informieren. Dazu bieten sich Seiten von Spezialisten wie dem Briefkasten-Anbieter frabox an, wo es vornehmlich um den Eingangsbereich geht. Folgendes ist dabei wichtig:

  • Es muss einen zum Gebäude passenden, sicheren und vor allem hinreichend großen Briefkasten geben. Niemals darf ein Kunde oder Geschäftspartner vor einem überquellenden Briefkasten stehen, das erweckt eine fatale Assoziationskette. Der Briefkasten sollte den Firmennamen nicht geradezu verschämt auf einem kleinen Schildchen enthalten, sondern idealerweise offensiv den Corporate-Schriftzug und das Logo transportieren.
  • Alle Wege von der Straße bzw. den Parkplätzen bis zur Eingangstür müssen zu jeder Tageszeit, bei jeder Witterung ausgeleuchtet sein. Es darf keinerlei Stolperfallen und sonstige Risiken geben.
  • Ein Vordach, gegebenenfalls ein Wetterschutz, ist dringend angeraten. Kunden benötigen bei entsprechender Witterung einen Ort, an dem sie beispielsweise den Regenschirm ablegen und ihre Schuhe abtreten können, bevor sie das Gebäude betreten.
  • Es muss ein gut sichtbares, beleuchtetes Firmenschild über dem Eingang geben. Abermals natürlich im Corporate-Look. Das Schild muss von der Straße aus von jedem Winkel klar erkennbar und leserlich sein – allerdings muss dieser kniffligen Leserlichkeits-Problematik beim Erstellen des Firmenschriftzugs bereits Rechnung getragen werden – nicht erst beim Schild.

Die Tür sollte zwar repräsentativ sein, aber muss auch zum Gebäude passen. Eine hochmoderne Tür in Glas und Aluminium mag an einem ebenso modernen Gebäude perfekt wirken. An einer etwas älteren Immobilie wirkt sie dagegen unter Umständen etwas fehlplatziert; hier benötigt es dann Alternativen.

Der Empfang

Der geneigte Leser mag sich an dieser Stelle kurz visualisieren, wie er sich in folgender Situation fühlen würde: Man betritt ein von außen ansprechendes Gebäude, findet im Flur auch unmissverständlich den Weg in Richtung der Geschäftsräume (übrigens eine weitere Aufgabe, die zu erfüllen ist). Doch dann steht man plötzlich vor vielen Menschen an Schreibtischen. Zu wem geht man? Wen spricht man an?

Nun benötigt ein Unternehmen geringerer Größe kein vollständig ausgebautes, vom Rest abgetrenntes Vorzimmer samt Wartebereich und Angestellten, die nur in dieser Position tätig sind. Wohl aber sollte im unmittelbaren Eingangsbereich der Geschäftsräume ein klar erkennbarer Empfangstresen stehen.

Das kann bereits ein simpler Schreibtisch sein, vor dem sich eine Art Brüstung befindet, die den Tresen-Gedanken signalisiert. An diesem Tisch muss auch kein spezieller Vorzimmer-Angestellter sitzen.

Es genügt bereits ein normaler Mitarbeiter, der schlicht dort seine Arbeit verrichtet – also quasi als Zweitjob den Ansprechpartner für Kunden und Geschäftspartner gibt. Auf diese Weise kommt ein Fremder ins Gebäude und weiß dann sofort, wohin er sich wenden muss. Damit beginnt eine positive Assoziationskette – und es ist nur noch ein kleiner Schritt zu einer fruchtbaren Geschäftsbeziehung.

Über den Autor: Vlad Wiesenmüller ist diplomierter Architekt und auf architektonische Inszenierung spezialisiert. Als freiberuflicher Consultant berät er Unternehmen zu Architektur und Designsprache.

neuhandeln.de PS: Verpassen Sie nicht mehr, was den Online- und Multichannel-Handel bewegt! Unser kostenloser Info-Dienst liefert Ihnen jede Woche alle neuen Beiträge am Freitag Abend per E-Mail in Ihr Postfach. Aktuell. Bequem. Zuverlässig. Dazu gibt es nur für Abonnenten unseres Newsletters regelmäßig Goodies wie Verlosungen von Tickets oder Rabatt-Codes für Veranstaltungen.

Über 4.566 Kollegen aus dem Online- und Multichannel-Handel sichern sich so schon ihren Wissensvorsprung. Jetzt gleich anmelden:

Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung. Die Einwilligung lässt sich jederzeit widerrufen. *Pflichtfeld

Über Stephan Randler 2523 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.