Branchen-Report: So entwickelt sich der Markt für Berufsbekleidung

Der Markt für Berufskleidung und persönliche Schutzausrüstung (PSA) wächst zunehmend. Denn allein von 2010 bis 2018 hat sich der Brutto-Umsatz mit Berufskleidung in Deutschland von zuvor 810 Mio. Euro auf 1,045 Mrd. Euro erhöht. Und das ist kein Zufall. Sondern liegt nicht zuletzt auch daran, dass Sicherheitsschuhe und Arbeitshosen jetzt zunehmend modischer werden. Stichwort: Fashionisierung.

Berufsbekleidung
Ohne Schutzkleidung geht es oft gar nicht

So gibt es zum Beispiel immer mehr Sicherheitsschuhe in Sneakerform oder Arbeitshosen, die auch optisch etwas hermachen. Dass der Markt wächst, ist daher auch darauf zurückzuführen, dass manche Arbeitnehmer inzwischen auch gerne eigene Arbeits- und Schutzkleidung kaufen – anstatt etwa nur auf die vom Unternehmen bereitgestellte Ausrüstung zurückzugreifen.

Denn gerade bei Arbeitskleidung für Frauen tut sich was. Denn heute tragen Frauen nicht mehr die Herrenlatzhose für die Arbeit, weil sie keine anderen Hosen bekommen. Vielmehr gibt es zunehmend spezielle Damenbundhosen.

„Funktionsbekleidung erfreut sich aktuell großer Popularität“, bemerkt daher auch Hansjürgen Heinick, der als Senior Consultant am Institut für Handelsforschung (IFH) den Markt für Berufsbekleidung im Blick hat. „Einzelne Modelle werden sogar als echte Lifestyle-Produkte wahrgenommen.“ So würde Berufskleidung zunehmend bei privaten Konsumenten im Einkaufskorb landen, die funktionale Looks lieben. Vergleichbar ist diese Entwicklung daher vielleicht am besten mit dem Athleisure-Trend im Markt für Sportartikel, wo ebenfalls Konsumenten gerne Kleidung von Sport-Profis als Alltags-Outfit nutzen.

Berufsbekleidung wird zum Lifestyle-Produkt

Auch der Trend zu mehr Nachhaltigkeit macht sich in der Branche zunehmend bemerkbar. Denn immer mehr Händler vertreiben Kleidung, die langlebig ist und aus umweltverträglichen Materialien hergestellt wird. Für viele Käufer von Berufsbekleidung ist es nämlich schon heute wichtig, dass die Herstellung der Textilien ressourcenschonend erfolgt und die Arbeitsbedingungen stimmen. Natürlich aber darf auch die Funktionalität nicht zu kurz kommen. Wichtig ist daher zum Beispiel unter anderem, dass Textilien ausreichend Taschen haben oder Kleidung an besonders beanspruchten Stellen richtig gepolstert ist.

Sicherheitsschuhe
Schutzschuhe dürfen auch was hermachen

Bei Arbeitskleidung ist zudem wichtig, dass sich die Träger wohlfühlen und nirgends eingeschränkt sind – vor allem nicht in der Bewegungsfreiheit. Wer viel draußen arbeitet und der Witterung ausgesetzt ist, braucht wiederum robuste und abriebfeste Kleidung, die auch bei kühleren Temperaturen sowie vor Wind schützt. Im Sommer eignet sich hier zuletzt nicht Kleidung, die mit einem UV-Schutz ausgestattet ist und außerdem schnell trocknet.

Und wer viel im Stehen arbeitet oder herumlaufen muss, braucht in erster Linie gutes Schuhwerk.

Die Schuhe müssen für guten Halt sorgen, sollen aber auch die Fußgesundheit nicht beeinträchtigen. Schlechtes Schuhwerk kann zu Haltungsschäden, Erkrankungen der Wirbelsäule und der Füße führen. Bei Sicherheitsschuhen werden heute daher auch die orthopädischen Aspekte zunehmend wichtiger.

„Workwear wird immer mehr im Alltag getragen“

Die Farbe der Bekleidung dagegen spielt – funktional betrachtet – in der Regel eine untergeordnete Rolle (wenn nicht gerade grelle Farben oder Reflektoren verwendet werden, um die Träger auch im Dunkeln sichtbar zu machen). Nach wie vor ist daher der Blaumann ein Synonym für Arbeitskleidung.

Kein Wunder. Hat er doch eine lange Tradition. Und den Overall, den ursprünglich Monteure getragen haben, gab es früher nur in einer Farbe: in Blau. Kein Zufall. Denn Grün, Goldgelb oder Scharlachrot waren Mischfarben, die dem Adel vorbehalten blieben. Zudem waren sie teuer. Und Schwarz war für Priester vorgesehen. Blau gilt dagegen heute noch als Alltagsfarbe, wie man an Bluejeans sehen kann.

Schutzausrüstung
Schutzausrüstung wird oft lang am Tag genutzt

Doch ob nun Blaumann oder Schutzbrille: Generell ist bei Berufskleidung nach wie vor der Mietservice ein wichtiger Kanal. Von der Milliarde Umsatz, die mit Berufsbekleidung im Jahr 2017 gemacht wurde, entfiel der größte Marktanteil auf den Mietservice. Denn für die Miete sprechen viele Gründe.

Denn hier können Unternehmen quasi das komplette Textilmanagement an einen spezialisierten Dienstleister auslagern, der die Erstausstattung für sie organisiert, eventuell Bekleidung an das eigene Corporate Design anpasst und Textilien bei Bedarf reinigt.

Im Gegenzug können sich Unternehmen auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und müssen auch bei sich selbst keine Textilien lagern. Mietservices haben allerdings oft Mindestlaufzeiten. Wer Bekleidung daher selbst kauft, ist flexibler. Auch das dürfte ein Grund sein, warum Online-Händler ihren Anteil am Markt zwischen 2012 und 2018 am stärksten ausbauen konnten – wie die Studie vom IFH Köln zeigt.

Berufsbekleidung
Der Markt für Berufsbekleidung legt seit Jahren zu (Grafik: IFH Köln)

Diesen Trend bemerkt auch der Online-Händler Burgia, der sich auf Berufsbekleidung, Industriebedarf und Sicherheitsschuhe spezialisiert hat. „Wir erleben, wie Workwear immer mehr im Alltag getragen wird und zum Teil mit dem Outdoor Segment zusammenfällt“, erklärt stellvertretend Geschäftsführer René Sauerland. „Wir gehen deshalb davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird und dass neben Betrieben immer mehr Privatleute auf Workwear zurückgreifen.“ Um diesen Trend zu bedienen, setzt Burgia schon länger auf modische Designs und Schnitte. Und macht so anscheinend viel richtig.

neuhandeln.de PS: Verpassen Sie nicht mehr, was den Online- und Multichannel-Handel bewegt! Unser kostenloser Info-Dienst liefert Ihnen jede Woche alle neuen Beiträge am Freitag Abend per E-Mail in Ihr Postfach. Aktuell. Bequem. Zuverlässig. Dazu gibt es nur für Abonnenten unseres Newsletters regelmäßig Goodies wie Verlosungen von Tickets oder Rabatt-Codes für Veranstaltungen.

Über 4.596 Kollegen aus dem Online- und Multichannel-Handel sichern sich so schon ihren Wissensvorsprung. Jetzt gleich anmelden:

Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung. Die Einwilligung lässt sich jederzeit widerrufen. *Pflichtfeld

Über Stephan Randler 2703 Artikel
Stephan Randler (41) ist Autor und Herausgeber von neuhandeln.de - einem Online-Magazin für Entscheider im E-Commerce. Zuvor war er Chefredakteur vom "Versandhausberater". Als Fachjournalist begleitet er die E-Commerce-Branche bereits seit 2004 - mit seinen Texten, Moderationen und Vorträgen.