Agiles Projekt-Management: So klappt es in der E-Commerce-Praxis

Bei E-Commerce-Projekten gewinnt derzeit agiles Management immer stärker an Bedeutung. Kein Wunder. Denn über agiles Management kann man bei Projekten wie Shop-Relaunches im Idealfall schlank und flexibel auf neue Anforderungen reagieren, die sich im Digitalgeschäft schnell ergeben. Doch hinter einer agilen Arbeitsweise verbergen sich auch einige Risiken. Wie Händler diese minimieren, weiß Geschäftsführer Christian Grötsch von der dotSource GmbH.

Agiles Management
Agiles Management ist kein Selbstläufer

Agiles Management verspricht eine schlanke und flexible Arbeitsweise. Das klingt natürlich super. Denn gerade im Zeitalter der Digitalisierung müssen wir immer schneller auf neue Anforderungen der Nutzer reagieren.

Nicht selten änderten sich diese Anforderungsprofile noch während ein Projekt lief – es wurde also immer öfter notwendig, parallel und flexibel nachjustieren zu können. Geboren war die agile Software-Entwicklung und mit ihr das agile Projekt-Management, bei dem ein Gesamtprojekt in viele Teilprojekte aufgebrochen und auf eingespielte Teams verteilt wird.

So soll ein Arbeitsumfeld entstehen, in dem man flexibel und schnell auf Veränderungen reagieren kann. Ein großer Vorteil bei dieser Herangehensweise ist zudem, dass Risiken minimiert werden. Denn agiles Management verteilt Verantwortung, macht meist Problemquellen und Ressourcen-Engpässe früher sichtbar – und dadurch schneller lösbar. Auch versprechen neue Methoden motiviertere Mitarbeiter: Die Aufgabenverteilung ist transparent, durch die Untergliederung ist der Aufwand halbwegs überschaubar und es gibt schnellere Feedback-Schleifen. Was bedeutet, dass ein Fail kein Weltuntergang ist und vielleicht mehr Etappensiege im Team enthusiastisch gefeiert werden können.

Und dennoch: Das agile Projektmanagement effizient zu gestalten, ist eine enorme Herausforderung. Welche Klippen gilt es, zu umschiffen? Es geht, wie so oft, um Kommunikation: Im Gegensatz zum Wasserfall oder Top-down-Management muss man beim agilen Projektmanagement mehr miteinander reden. Das ist natürlich super, sorgt aber auch für einen Terminkalender voller kleinerer Meetings.

Dabei werden zudem präzise Aufgaben und Schritte inklusive Deadline an konkrete Verantwortliche verteilt, die in der Unternehmenshierarchie bisher nicht unbedingt durch große Leaderqualitäten aufgefallen waren. Zielsetzungen müssen zudem vage bleiben – quasi als eine Art Bedingung für die notwendige Flexibilität und Anpassbarkeit des Projektes. Projektkosten lassen sich daher schlechter kalkulieren. Gerade Geschäftsleuten mit Hang zu harten Zahlen fällt das schwer – und sie knurren.

Nicht jeder kann sich daher mit neuen Methoden anfreunden. Wer steile Hierarchien pflegte, wird die neue Eigenverantwortlichkeit womöglich als belastend, zumindest aber als verunsichernd empfinden. Agiles Projekt-Management ist daher eine Frage der Unternehmenskultur: Das tägliche Miteinander muss sich verändern, die gesamte Organisation während des Prozesses immer wieder überprüft werden. Es demotiviert, wenn Teams agil an Geschwindigkeit gewinnen und Erfolge erzielen, an der Schnittstelle zu anderen Organisationseinheiten aber auf die alten, bürokratischen Hürden treffen.

Die Unternehmenskultur ändert man am besten tatsächlich top-down, sprich: Die Unternehmensspitze muss bei sich selbst zuerst anfangen. Gehen die Chefs mit gutem Vorbild voran, lassen sich Hierarchien leichter aufbrechen und Verantwortlichkeiten neu verteilen. Das geht nicht von heute auf morgen – und wäre auch überhaupt nicht ratsam. Unternehmen sollten sich Zeit nehmen, Mut fassen und sich immer wieder ans Durchhalten erinnern, wenn sie bei den ersten agilen Gehversuchen ins Stolpern geraten.

Christian Grötsch
Christian Grötsch (Bild: dotSource GmbH)

Über den Autor: Christian Otto Grötsch (siehe Foto) ist Geschäftsführer der dotSource GmbH. Zusammen mit Christian Malik gründete er 2006 die Full-Service-Digitalagentur in Jena. Seither berät er Unternehmen aus dem Mittelstand und international operierende Konzerne zu Strategien und Technologien im E-Commerce. Von nutzerorientierten Digital-Plattformen über ein durchdachtes Kundenbeziehungs- und Produktdaten-Management bis hin zu gezielten Online-Marketing-Maßnahmen – dotSource hat ein Leistungsspektrum aller Aspekte der Digitalisierung von Marketing, Vertrieb und Services.

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