9 Gründe: Warum die Schweiz für deutsche Händler interessant ist

Die Schweiz mag ein kleines Land sein. Aber wenn es um das Potenzial im E-Commerce geht, kann sie es durchaus mit ihren größeren Nachbarländern in Europa aufnehmen. Denn es handelt sich um einen sehr internationalen Markt, mit einem attraktiven Kundenkreis und einem stabilen Geschäftsumfeld. Warum sich der Markteintritt für deutsche Online- und Multichannel-Händler außerdem lohnt und was im Schweizer E-Commerce zu beachten ist.

Asendia Schweiz
Der Online-Handel in der Schweiz kann sich sehr lohnen (Bild: Asendia)

Die Schweiz erfüllt alle Voraussetzungen, um sich zu einem der besten E-Commerce-Märkte der Welt zu entwickeln. Denn bereits 95 Prozent der Bevölkerung zwischen 16 und 65 Jahren nutzt regelmäßig das Internet.

90 Prozent dieser Nutzer haben zudem schon online eingekauft, wie die Berater Pricewaterhouse Coopers in ihrem „Total Retail Report“ zeigen.

Doch laut lokalen Experten wie dem Schweizerischen E-Commerce-Verband Netcomm Suisse und dem Verband des Schweizerischen Versandhandels (VSV) nutzen die einheimischen Player das Potenzial nicht voll aus.

Davon können ausländische Einzelhändler jetzt profitieren, wenn sie nun mit dem Markteintritt in die Schweiz beginnen. Nicht zuletzt das Konsumverhalten der Schweizer dürfte ein triftiger Grund sein, den Versuch zu starten. Schließlich sind die Schweizer für ihre hohe Kaufkraft bekannt, die sich auch in den Online-Verkaufszahlen widerspiegelt. Allein in den vergangenen zwölf Monaten sind die jährlichen Online-Pro-Kopf-Ausgaben um 20 Prozent auf 2.400 Schweizer Franken gestiegen, wie Netcomm Suisse ermittelt hat. Demnach geben in Europa aktuell nur Briten im Jahr online mehr Geld aus als Schweizer.

Für einen Markteintritt in die Schweiz sprechen für deutsche Händler aber noch viel mehr Gründe:

  1. Internationale Ausrichtung:
    Die Schweizer Verbraucher sind ganz vorne dabei, wenn es um das grenzüberschreitende Einkaufen geht. Rund 61 Prozent der dortigen Online-Käufer, also 3,1 Mio. Menschen, kaufen bei E-Commerce-Anbietern außerhalb der Schweiz ein und geben dabei jährlich 3 Mrd. Franken aus. Das sind zehn Prozent aller Verbraucherausgaben und mehr als 25 Prozent des Schweizer E-Commerce-Umsatzes.
  2. Die Zeit ist reif für Wachstum:
    Sowohl die UN als auch Netcomm Suisse haben in ihren Studien ein beträchtliches Wachstumspotenzial für den Schweizer E-Commerce-Markt ermittelt – das bedeutet zugleich, dass es für ausländische Einzelhändler ebenfalls gute Chancen gibt.
  3. Digital versiert:
    Die Schweiz ist ein hoch digitalisierter Markt: 90 Prozent der Verbraucher sind durchschnittlich 3,4 Stunden pro Tag online.
  4. Hohe Kaufkraft:
    Die Schweizer verfügen über eine sehr hohe Kaufkraft – dies macht sich auch bei den Einkäufen bei ausländischen Online-Shops bemerkbar. Mit jährlichen Online-Pro-Kopf-Ausgaben in Höhe von 2.400 Franken liegt die Schweiz an zweiter Stelle hinter dem Vereinigten Königreich.
  5. Etablierte Rahmenbedingungen:
    Die starke Fokussierung der Schweiz auf internationale Geschäfte bedeutet auch, dass es einfach ist, dort geschäftlich aktiv zu werden. Das Land verfügt über eine erstklassige Infrastruktur, einen vertrauten gesetzlichen Rahmen und einen niedrigen Mehrwertsteuersatz von 8 Prozent.
  6. Gemeinsame Interessen:
    Verbraucher in der Schweiz haben ähnliche Bedürfnisse und Interessen wie Verbraucher in anderen Ländern Europas. Ihre multikulturelle Bevölkerung macht die Schweiz zu einem lohnenden europäischen Testmarkt.
  7. Gemeinsame Sprachen:
    Die in der Schweiz gesprochenen europäischen Sprachen – Deutsch, Französisch und Italienisch – erleichtern Einzelhändlern aus den betreffenden Ländern den Erfolg bei Schweizer Verbrauchern.
  8. Logistiknetzwerk:
    Durch die zentrale Lage in Europa besitzt die Schweiz eine gute Anbindung für internationale Logistik. Davon abgesehen, verfügt sie selbst über ein zuverlässiges Logistiknetzwerk.
  9. Zahlungspraktiken:
    In der Schweiz ist nach wie vor der Kauf auf Rechnung üblich. Doch die Zahlung per Kreditkarte erfreut sich bei den Verbrauchern immer größerer Beliebtheit.

Eine von der International Post Corporation (IPC) durchgeführte Studie zeigt bei Käufern in 26 Ländern, die gerne bei Online-Shops außerhalb ihres Heimatlands einkaufen: 29 Prozent der Schweizer Befragten haben einen Artikel im Wert von 100 Franken oder mehr gekauft. Zum Vergleich: Im Durchschnitt waren es jeweils 18 Prozent. In den meisten Fällen – nämlich bei 18 Prozent der zuletzt getätigten Online-Einkäufe außerhalb der Schweiz – lag der Produktwert zwischen 100 und 199 Franken.

Die häufigste Kategorie bei grenzüberschreitenden Einkäufen ist Kleidung. Es ist bemerkenswert, dass Verbraucherelektronik und Computer weniger beliebt sind, als man erwarten würde. Dies liegt daran, dass einheimische Einzelhändler – beispielsweise Digitec Galaxus oder Brack – starke Angebote in dieser Kategorie in petto haben und Schweizer andere Netzstecker verwenden als der Rest Europas.

Bei der Logistik sind zwei Trends wichtig für ausländische Händler: Zum einen wünscht sich der Großteil der Verbraucher immer noch die Zustellung nach Hause und legt mehr Wert auf eine zuverlässige Zustellung als auf Schnelligkeit. Laut dem VSV entscheiden sich derzeit 90 Prozent der Verbraucher lieber für eine kostenlose Zustellung innerhalb von 48 Stunden als für eine kostenpflichtige Lieferung am nächsten Tag. Viele Verbraucher sind sogar gewillt, bis zu einer Woche auf ihre Waren zu warten.

Zum anderen ist die versandkostenfreie Lieferung noch nicht die Norm. Das gibt ausländischen Händlern etwas Spielraum, um Zusatzkosten abzudecken, die mit dem Versand verbunden sind. Laut einer IPC-Studie bekamen nur 50 Prozent der Schweizer ihren letzten Einkauf versandkostenfrei.

Asendia Schweiz
Zollgebühren können Probleme bereiten (Grafik: Asendia Germany GmbH)

Da die Schweiz nicht zur EU gehört, ist auch die Zollbarriere ein Thema (siehe Grafik). Händler sollten sich aber nicht abschrecken lassen: Mit den richtigen Papieren und Ratschlägen ist die Zollabfertigung schnell erledigt.

Nach Angaben der IPC wird die Hälfte aller Bestellungen aus dem Ausland in zwei bis fünf Tagen zugestellt. Dennoch müssen Händler es ihren Kunden so einfach wie möglich machen, im Ausland einkaufen. Eine entscheidende Hürde ist die Zollabfertigung. Denn 21 Prozent der Käufer mussten Zollgebühren auf ihren letzten Einkauf zahlen.

Dabei wurden 61 Prozent von ihnen erst nach dem Abschicken ihrer Bestellung darauf hingewiesen.

Eine transparente Aufstellung aller Kosten – inkl. Transport, Zoll und Steuern – ist daher unerlässlich.

Über den Autor: Asendia bietet Lösungen für den grenzüberschreitenden E-Commerce. Durch die Muttergesellschaft Swiss Post kennt sich Asendia auf dem schweizerischen Markt bestens aus. Mehr Tipps und Hintergründe zum Schweizer E-Commerce gibt es in diesem kostenlosen White Paper.

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