Ziel erreicht: Quelle-Versand knackt die 100-Millionen-Marke

Totgesagte leben wohl doch länger: Rund sechs Jahre nach der Übernahme der Markenrechte vom insolventen Arcandor-Konzern erzielt die Otto-Gruppe mit dem reanimierten Quelle-Versand zum ersten Mal einen dreistelligen Millionenumsatz. So wird der Quelle-Versand im gerade noch laufenden Geschäftsjahr 2015/2016 (Stichtag: 29. Februar) einen Gesamtumsatz von über 100 Mio. Euro (wenn auch brutto) über seine drei Online-Shops in Deutschland, Österreich und der Schweiz erzielen.

Harald Gutschi
Quelle-Chef Harald Gutschi (Bild: Unito)

Wie sich das Geschäft in den einzelnen Ländermärkten entwickelt, will die österreichische Unito-Gruppe zwar auch auf Nachfrage von neuhandeln.de nicht verraten, die zum Otto-Konzern gehört und die Quelle-Shops betreibt. Fest steht aber, dass der Quelle-Versand im laufenden Geschäftsjahr um 20 Prozent zulegen kann. Dazu wird mit der magischen 100-Millionen-Marke die eigene Prognose erreicht. Schließlich hatte Unito-Geschäftsführer Harald Gutschi (siehe Foto links) vor einem guten Jahr bereits durchblicken lassen, mit allen drei Quelle-Shops im Geschäftsjahr 2015/16 die 100-Millionen-Umsatzmarke knacken zu wollen.

Für die positive Entwicklung bei Quelle nennt die Unito-Gruppe verschiedene Gründe. Zum einen steige zunehmend die Nachfrage nach Haushaltsgeräten und Elektronik, die von der Versendergruppe immer wieder durch neue Service-Leistungen wie Aufstell- oder Anschluss-Services geschürt werden.

Zum anderen verfolge man eine Dynamic-Pricing-Strategie und passe Preise in den Online-Shops immer wieder kurzfristig an. So werden die Preise für bestimmte Produkte erhöht, wenn eine hohe Nachfrage auftritt. Preise werden aber beispielsweise auch gesenkt, wenn ein Lieferant seinen Absatz bei Quelle steigern will, um dadurch seine Lagerbestände zu verringern. Gerade diese Investitionen in die Verkaufspreise würden sich bei größeren Waren als „Garanten für den Erfolg“ erweisen.

Quelle-Neustart: Marktplatz-Konzept zunächst ein Flop

Diesen dürfte nicht zuletzt die Otto-Gruppe freuen. Denn nach der Übernahme der Markenrechte hatte sich der Konzern mit einem ersten Quelle-Konzept zunächst einmal gehörig vergriffen.

Ursprünglich hatte die Otto-Gruppe unter Quelle.de im August 2011 einen Online-Marktplatz gestartet, mit dem sich die Hanseaten gegenüber Amazon und eBay positionieren wollten. Der Marktplatz kam aber nicht in Schwung, weil ein klassischer Teufelskreis das Geschäft erschwerte.

So waren zunächst nur wenige Händler auf dem Portal aktiv, wodurch für Kunden ein breites Sortiment fehlte. In der Folge war der Marktplatz für Kunden unattraktiv, wodurch wiederum auch keine weiteren Händler auf Quelle.de aktiv wurden. Ohne Wettbewerb fehlte zudem der Konkurrenzdruck, so dass auch die Verkaufspreise der Versender auf Quelle.de unattraktiv für die Verbraucher waren.

Weil die Erwartungen verfehlt wurden, hatte die Otto-Gruppe bereits im Herbst 2012 ihren Kurs korrigiert und Quelle.de zu einem Online-Pureplayer mit eigenem Sortiment umgebaut. Befeuert wurde diese Entscheidung dadurch, dass der Quelle-Versand mit diesem Konzept in Österreich und der Schweiz bereits erfolgreich war. Denn in der Schweiz betreibt die Unito-Gruppe den Quelle-Shop bereits seit Juni 2010, in Österreich seit Januar 2011. Hierzulande dagegen verantwortet die Unito-Gruppe den Online-Shop Quelle.de als Online-Pureplayer mit eigenem Sortiment erst seit Mai 2013.

Bei diesen drei Ländermärkten wird es aber wohl nicht lange bleiben. Denn nach Informationen von neuhandeln.de wird die Unito-Gruppe ihre Aktivitäten mit der Marke Quelle auf weitere Märkte ausweiten. In den nächsten Jahren soll der Fokus zwar weiter auf dem Geschäft in der DACH-Region liegen, wo man laut Unito-Chef Gutschi immer noch sehr gut wachse. In zwei Jahren will man dann aber weitere Märkte mit der Marke Quelle angehen – beispielsweise Italien und Osteuropa.

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Russland steht dabei übrigens nicht auf der Roadmap, weil hier die Marke Quelle bereits über die Otto Group Russia am Markt aktiv ist. Dieses Geschäft ist in den 100 Mio. Euro brutto aber nicht enthalten.

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