Zalando-Logistik: Zwei neue Standorte mit zwei Fulfillment-Strategien

Heinrich Dehn

Seit Jahresbeginn nutzt Zalando im italienischen Stradella (bei Mailand) erstmals ein Versandzentrum, das außerhalb der Bundesrepublik liegt. Mit Erfolg: Denn italienische Kunden kommen durch den zusätzlichen Logistik-Standort nun im Durchschnitt anderthalb Tage schneller an ihre Pakete als zuvor, wo die Ware noch aus einem Logistikzentrum in Deutschland verschickt wurde. Mit dem ersten Lager im Ausland dürfte der Berliner Fashion-Versender daher nicht zuletzt seine Kundenzufriedenheit steigern. Kein Wunder also, dass nun die nächsten beiden Versandzentren im Ausland folgen sollen.

Zalando Logistik
Zu den bisher fünf Zentren kommen zwei weitere im Ausland dazu (Grafik: Zalando)

Konkret geplant sind demnach zwei Standorte im europäischen Ausland – einmal in Frankreich bei Paris, einmal in Polen bei Stettin an der Ostsee. Betreiben will Zalando die geplanten Logistikzentren aber nicht selbst, sondern durch einen externen Dienstleister. In Polen soll der Fulfillment-Dienstleister Fiege für Zalando arbeiten, der bereits das kürzlich eröffnete Versandlager im italienischen Stradella für Zalando betreibt. Für das kommende Logistikzentrum in Frankreich steht der Partner dagegen noch nicht fest, da Zalando momentan auch noch nach einem passenden Standort sucht.

In Polen sind die Berliner da schon deutlich weiter. Hier startet der Immobilien-Entwickler Goodman noch in diesem Monat mit den Bauarbeiten für ein neues Versandzentrum, das auf den Berliner Fashion-Versender zugeschnitten wird. Hintergrund ist, dass Zalando in Polen künftig sein komplettes Vollsortiment bevorraten will – wie es auch bei den Logistikzentren in Deutschland der Fall ist.

Denn durch die Lage an der Ostsee will Zalando von Stettin aus nicht nur Kunden in Polen beliefern, sondern auch Verbrauchern in den nahen nordischen Ländern ihre Pakete schicken. Aus diesem Grund sollen künftig etwa 1.000 Mitarbeiter von Fiege auf 130.000 Quadratmetern Fläche in Polen für Zalando arbeiten – womit das Lager in Stettin ähnlich groß wird wie die Fulfillment-Center in Deutschland.

Zur Erinnerung: Aktuell nutzt Zalando hierzulande drei Logistikzentren in Brieselang (Start: 2011), Erfurt (2012) und Mönchengladbach (2013), die allesamt das Vollsortiment beherbergen und auf Flächen von bis zu 130.000 Quadratmetern kommen. So groß werden soll auch ein weiteres Logistikzentrum in Deutschland im südbadischen Lahr, das noch in diesem Herbst in den Betrieb gehen soll.

Zalando-Logistik Italien
Das Zalando-Lager im italienischen Stradella (Bild: Zalando)

In Frankreich dagegen soll alles eine Nummer kleiner werden. Hier will Zalando in erster Linie solche Produkte bevorraten, die von französischen Kunden besonders nachgefragt werden. Sein Vollsortiment lagert Zalando daher bei Paris nicht – wie es auch aktuell in Italien der Fall ist.

Denn das Versandlager in Stradella (siehe Foto links) bietet aktuell nur eine Fläche von 20.000 Quadratmetern, auf denen Ware für italienische Kunden bevorratet wird. Aus diesem Grund können auch langfristig nicht alle Bestellungen von Kunden aus Italien über den zusätzlichen Standort vor Ort abgewickelt werden, 60 Prozent der Bestellungen aus Italien laufen dennoch schon über den neuen Standort in Stradella.

Während Zalando in Deutschland eigenes Personal in seinen Versandzentren beschäftigt, greift der Fashion-Versender sowohl in Stradella als auch künftig in Polen und Frankreich auf die Mitarbeiter von externen Dienstleistern wie Fiege zurück. So will Zalando beim Start im Ausland von den Erfahrungen seiner Partner profitieren und das eigene Risiko minimieren. Weil dieses Konzept in Italien bislang aufgeht, dürfte der Fashion-Versender sogar noch weitere Logistik-Standorte im Ausland eröffnen – schließlich betreibt Zalando ja seinen Online-Shop bereits für Kunden in 15 Ländern in Europa.

„Wir versenden monatlich mehrere Millionen Pakete in 15 Länder Europas“, verdeutlicht David Schröder, Senior Vice President Operations bei Zalando. „Nur wenn wir operativ stark und international aufgestellt sind, können wir den lokalen Bedürfnissen unserer Kunden erfolgreich begegnen.“

Weiterer Pluspunkt: Je näher Zalando mit seinen Logistikzentren bei den Kunden ist, umso mehr Kunden kann Zalando auch eine Expresszustellung über Same-Day-Delivery bieten – was ebenfalls auf die Kundenzufriedenheit und die Kundenbindung einzahlen dürfte. Hierzulande jedenfalls bietet Zalando bereits in Testregionen an, dass Kunden ihre Pakete ohne Aufpreis am selben Tag erhalten.

Unter allen eingehenden Bestellungen werden dann per Zufall einzelne Kunden ausgewählt, die ihre Pakete noch am selben Tag bekommen sollen – ein Service, der Kunden angenehm überraschen dürfte. Kein Wunder daher, dass das Feedback in den Testregionen bislang laut Zalando „sehr positiv“ ausfällt.

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