Weiße Ware: AO.de ködert deutsche Kunden mit TV-Spots

Ein halbes Jahr nach dem Start in Deutschland gibt der britische Elektronik-Versender AO nun hierzulande richtig Gas. Denn um das Geschäft mit deutschen Kunden zu befeuern, setzen jetzt die Briten auf eine deutschlandweite TV-Kampagne. Diese besteht aus drei Clips, die ab sofort auf Privatsendern wie Pro7 zu sehen sind. Dafür investiert AO nun einige Millionen Euro.

In den TV-Spots will AO verdeutlichen, wie einfach und bequem der Online-Kauf von weißer Ware bei den Briten ist. In einem Clip wird zum Beispiel thematisiert, wie bei einer Familie der Kühlschrank den Geist aufgab und kurzfristig Ersatz her musste. Die Wahl fiel auf AO.de, weil der Online-Händler „die besten Preise“ hatte und schon „am nächsten Tag liefern“ konnte. Die Fahrer der hauseigenen Lieferflotte hatten sich dabei als „super“ erwiesen (siehe Video).

Ob die TV-Kampagne die deutschen Verbraucher überzeugt, steht dennoch auf einem anderen Blatt. So kommen in den Clips zwar echte Kunden von AO.de zum Einsatz, die Darsteller wirken dennoch recht gekünstelt. Bei der TV-Kampagne wird außerdem ersichtlich, dass der Name der Versendermarke „AO“ (englische Abkürzung für die Begriffe „Appliances Online“) gar nicht so leicht von der Zunge geht. Möglicherweise werden deutsche Konsumenten deshalb mit der Marke gar nicht warm. Dass so etwas durchaus zu einem Problem werden kann, zeigt der französische Shopping-Club Vente Privée. Die Franzosen haben bereits darüber nachgedacht, ihren Namen in Deutschland zu ändern – weil er für deutsche Verbraucher zu schwierig ist.

AO war in Deutschland im vergangenen Oktober gestartet. In den ersten sechs Monaten hat der britische Spezialist für weiße Ware hierzulande einen Netto-Umsatz von 5,8 Mio. Pfund – umgerechnet etwa acht Mio. Euro – erwirtschaftet. Gleichzeitig haben die Briten bei ihrem Geschäft auf dem europäischen Festland einen operativen Verlust von -11,0 Mio. Pfund eingefahren, während es im Heimatmarkt UK im Geschäftsjahr 2014/2015 (Stichtag: 31. März) bei einem Netto-Umsatz von 470,8 Mio. Pfund einen operativen Gewinn von 8,8 Mio. Pfund gab. Über alle Länder ist deshalb ein operativer Verlust von -2,2 Mio. Pfund entstanden.

Kennzahlen von AO.comWegen dem Deutschland-Start gab es operativ einen Verlust (Bild: Screenshot)

In Deutschland sind die Briten gestartet, weil es hierzulande einen großen Markt für weiße Ware gebe, diese Geräte aber bislang noch oft stationär gekauft werden. Im Geschäft mit Kühlschränken & Co. mischen aber schon etablierte Big Player wie Amazon, Otto oder die Media-Saturn-Gruppe mit, die ebenfalls Produkte der bekannten Hersteller führen. Die Briten wollen im Wettbewerb daher mit einer Tiefpreisgarantie und vor allem ihrer Lieferflotte punkten, da bei anderen Versendern die gängigen Paket-Dienstleister die Pakete liefern.

Das größte Alleinstellungsmerkmal ist daher auch, dass AO seine Kühlschränke selbst liefert. Service-Leistungen wie der Anschluss von neuen Geräten und die Altgerätemitnahme bieten zu ähnlichen Konditionen auch andere Online-Shops, das Sortiment von AO besteht zudem aus Fremdmarken und ist austauschbar. Ein Selbstläufer dürfte das Geschäft daher nicht werden.

Nach eigenen Angaben hat AO in Deutschland aber bereits nach einem halben Jahr ein Level beim Umsatz erreicht, das man in Großbritannien erst nach sieben Jahren erreichen konnte. Der Umsatz in Deutschland steige momentan jeden Monat zweistellig, wie AO versichert.

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