Viel Potenzial, wenig Risiko: Zalando startet Lager in Italien

Heinrich Dehn

Im August hatte man es angekündigt, nun ist es soweit: Ab sofort gehört zur Infrastruktur des Berliner Fashion-Versenders Zalando auch ein Logistikzentrum in Italien und damit erstmals überhaupt ein Versandlager außerhalb der Bundesrepublik. Konkret befindet sich der neue Standort in der norditalienischen Stadt Stradella, die wiederum südlich von Mailand liegt.

Zalando-Logistik ItalienDas neue Versandzentrum (siehe Foto links) bietet eine Fläche von 20.000 Quadratmetern, auf denen Ware für italienische Kunden bevorratet wird. Wie viele der derzeit 17,2 Mio. aktiven Kunden in Europa (mindestens eine Bestellung in den zwölf Monaten bis 30. September 2015) aus Italien stammen, verrät Zalando zwar nicht. Im Mittelmeerstaat dürfte Zalando aber schon einige Kunden erreichen, da der italienische Shop bereits seit Frühjahr 2011 betrieben wird und man sicher nicht ohne Grund ausgerechnet in Italien startet.

Betrieben wird das italienische Logistikzentrum übrigens nicht von Zalando selbst, sondern von Fulfillment-Dienstleister Fiege. Das unterscheidet den Standort von den deutschen Zentren in Erfurt, Mönchengladbach und Brieselang (Berlin), wo Zalando eigenes Personal beschäftigt.

Kein Zufall: Denn durch die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister riskiert Zalando in Italien weniger. Falls das Pilotprojekt aus irgendeinem Grund floppen sollte, kann der Versender die Zusammenarbeit mit Fiege wieder beenden, ohne dass Zalando dann eigenes Personal kündigen muss. Es spricht aber viel dafür, dass Zalandos neues Pilotprojekt erfolgreich läuft – schließlich bemerke man eine „rasch zunehmende Nachfrage im italienischen E-Commerce„.

Wenn sich der Standort bewährt, könnte Zalando auch einmal in Italien auf eigenes Personal setzen. So hatte Zalando zum Start im Jahr 2008 beim ersten Logistik-Zentrum auch zunächst mit dem externen Dienstleister Docdata koopiert, bevor man das Geschäft komplett selbst in die Hand nahm. Eine sinnvolle Strategie. Denn mit einem Partner kann man zunächst einmal den Markt testen, bevor man eventuell vorschnell oder zu viel in eigene Kapazitäten investiert.

Die ersten Lieferungen sollen im Januar 2016 das Lager in Stradella verlassen. Vor Ort befinden sich vor allem Bestseller, die italienische Kunden häufig ordern. Durch die räumliche Nähe zu den italienischen Kunden dürfte Zalando auch seine Laufzeiten verkürzen können. Dadurch wäre prinzipiell denkbar, dass Zalando auch einmal in Italien mit Same-Day-Delivery startet.

In Deutschland testet Zalando die Zustellung am selben Tag bereits im Ruhrgebiet und im Großraum Berlin – also dort, wo sich auch zwei der drei deutschen Logistikzentren bereits befinden. Ein viertes Versandlager soll übrigens im Herbst 2016 im südbadischen Lahr an den Start gehen – womit Zalando auch in Süddeutschland mit Same-Day-Delivery punkten könnte.

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