Verschenkte Chancen: Das Cyberport-Magazin im Praxis-Check

Der Dresdner Multichannel-Händler Cyberport geht neue Wege beim Content-Marketing. So bietet der Elektronik-Spezialist ab sofort mit dem „Cyberport Magazin“ ein eigenes Kundenmagazin an, das jeden Monat neu erscheint und dabei auf 12 bis 24 Seiten ausgesuchte Produkte aus dem Online-Sortiment präsentiert. Mit diesem redaktionellen Format will Cyberport seine Kunden so beraten, dass sie gerade bei komplexeren Artikeln einfach das passende Elektronik-Produkt für sich finden. In der Praxis hapert es aber ausgerechnet bei der Beratung, wie ein Praxis-Check einer aktuellen Ausgabe zeigt.

Cyberport Magazin
Titelbild des Magazins (Bild: Cyberport, zum Vergrößern anklicken)

Diese hat als Schwerpunkt das Thema „2in1-Notebooks“ – also Laptops, die zusätzlich über einen Touchscreen verfügen. Das Motto des Magazins lautet „Technik einfach startklar“ und macht damit sofort deutlich, dass Cyberport bei seinen Kunden mit Beratung punkten will.

Auf dem Titel versprechen die Dresdner daher unter anderem „Tipps zum Notebook-Kauf“ (zu sehen am unteren Seitenrand), was neugierig macht und Kunden zum Weiterlesen animieren dürfte. Ebenfalls gut gelöst: Auf dem Cover (siehe Abbildung) ist ein Mann mit einem Gerät von Lenovo zu sehen, das Cyberport in seinem Online-Sortiment führt.

Gut daher, dass auf dem Titelbild neben einem Preis auch eine Artikelnummer zu finden ist, über die Kunden im Online-Shop zum Produkt kommen. Mehr Infos zum Produkt verspricht Cyberport zudem auf den Seiten 2 und 9 im Magazin, vergisst aber den vielleicht entscheidenden Faktor: einen Hinweis, was an dem Produkt besonders ist und warum Kunden es kaufen sollten (Beispiel: Topseller).

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Cyberport erklärt gut, was für ein 2in1-Gerät spricht (Bild: Cyberport)

Durchwachsen geht es auch im Innenteil des Kundenmagazins weiter. So nennt Cyberport auf Seite 3 zwar fünf Argumente, die für ein 2in1-Gerät sprechen und Kunden daher zum Kauf verleiten sollen (Beispiele: „Blitzschnell einsatzbereit“).

Daneben wird dann aber ein Gerät abgebildet („Microsoft Surface Pro 4“), ohne dass Cyberport nun einen Preis oder eine Artikelnummer nennt.

Ohnehin fehlt der Hinweis, dass man die Nummern (falls vorhanden) in die Suchmaske des Online-Shops eintippen kann und damit direkt auf die passende Produktseite kommt.

Doch wenn Cyberport das Prinzip nicht erklärt, dürften es viele Kunden auch nicht wissen – und nicht kaufen. Potenzial verschenkt Cyberport auch auf der folgenden Doppelseite 4/5. Hier nennt Cyberport fünf „Highlights für Einsteiger“, bei denen zwar wieder Preise und Artikelnummern stehen.

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Bei den Empfehlungen fehlen Hintergründe (Bild: Cyberport)

In der Tabelle fehlen aber Hinweise darauf, warum Cyberport denn nun genau diese fünf Produkte aus seinem Sortiment empfiehlt. Nur zu einem der fünf Artikel gibt es mehr Informationen, wobei diese recht beliebig wirken (Beispiel: „Zuverlässiger Begleiter mit maximaler Flexibilität“).

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So gesehen ist der Content etwas dürftig – schließlich will Cyberport ja gerade mit Beratung punkten.

Wenig aussagekräftig ist auch die Produktübersicht auf der Doppelseite 8/9, wo Cyberport weitere Infos verspricht und dann zu 15 Modellen detaillierte Angaben zu Prozessor, Speicher und Betriebssystem macht.

Kunden könnten diese Details überfordern. Sinnvoller wäre, verschiedene Nutzungsszenarien aufzuzeigen und dazu Geräte zu empfehlen, die genau dafür konzipiert wurden (z.B. Spiele).

Cyberport stellt Fragen – anstatt Antworten zu liefern

Passend dazu nennt Cyberport bei diesem Produktüberblick zwar Punkte, die beim Kauf eines 2in1-Produkts wichtig sind, dem Kunden letztlich aber auch kaum weiterhelfen dürften. So stellt Cyberport etwa die Frage, ob Nutzer auch die richtigen Security-Features ausgewählt haben. Hilfreicher wäre aber doch, wenn Cyberport diese einmal vorstellen und die passenden Angebote empfehlen würde.

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Viele Details, wenig Orientierung: Produktseite im Magazin (Bild: Cyberport)

Gut gelöst dagegen: Eine „Tiefpreisgarantie“ verspricht Kunden, dass Cyberport unter bestimmten Bedingungen nach einem Kauf die Differenz erstattet, wenn ein anderer Händler dasselbe Produkt günstiger anbietet – solche Anreize sind ein Kaufgrund.

Gut daher, dass Cyberport auch auf der Rückseite noch einmal „tiefe Preise“ als Kaufargument aufführt. Unter dem Motto „Darum Cyberport“ liefert der Händler zudem weitere sechs Gründe, die für einen Kauf bei Cyberport sprechen. Das ist wichtig, um Kunden zu einer Bestellung zu bewegen.

Vor diesem Hintergrund ist es aber schade, dass Cyberport auf einen finalen Anstoß verzichtet.

So fehlt im Magazin eine direkte Kaufaufforderung (Beispiel: „Jetzt bestellen und Versandkosten sparen“). Und letzten Endes dürfte ja auch Cyberport mit seinem Magazin verkaufen wollen.

Das neue Cyberport-Magazin lässt sich im Online-Shop abrufen, liegt als gedruckte Ausgabe in den stationären Stores des Multichannel-Händlers und wird obendrein als Paketbeilage den Bestellungen beigefügt. Für Konzeption und Umsetzung des Magazins ist Cyberport selbst verantwortlich.

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