Same-Moment-Delivery: Das wahre Potenzial der „Amazon Locker“

Seit kurzem bietet Amazon erstmals auch in Deutschland seine eigenen Paketstationen an („Amazon Locker„), in die sich Kunden ihre Bestellungen liefern lassen können. Wie bei den Packstationen von DHL können Kunden dann ihre Bestellungen mit einem individuellen Code selbst aus Schließfächern abholen, wenn sie nicht zu Hause auf den Paketboten warten möchten. Doch Amazon könnte seinen Kunden bald schon weit mehr bieten als nur eine Alternative zu den Packstationen von DHL.

Amazon Locker
Die Amazon Locker sind eine Alternative zur Packstation von DHL (Bild: Screenshot)

Denn eine Lieferung von Amazon-Bestellungen zu DHL-Packstationen ist schon seit mehreren Jahren möglich. Amazon würde mit Amazon Locker aber erfahrungsgemäß nicht in Infrastruktur investieren, wenn diese Lösung lediglich als Kopie der DHL Packstation konzipiert wäre – zumal die Infrastruktur von DHL ja ohne jegliche Investitions- oder Wartungskosten von Amazon genutzt werden kann. Bei einer Analyse der Logistik-Prozesse finden sich jedoch einige Potenziale, die von DHL nicht genutzt werden.

Die Zukunft? „Same-Moment-Delivery“ mit Amazon Locker

Eine mögliche Idee wäre: Amazon könnte aufgrund seiner datenunterstützten Erfahrungswerte künftig schnelldrehende Artikel bereits ohne End-Adressat an Amazon Locker senden und dort bereithalten. In diesem denkbaren Szenario würde der Amazon-Kunde auf der Produktdetailseite von bestimmten Produkten den Hinweis erhalten, dass sich bei einem Amazon Locker in seiner Nähe die Artikel bereits befinden (siehe Fotomontage mit Hinweis: „Jetzt kaufen und sofort im Amazon Locker abholen“).

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Fotomontage zur Veranschaulichung von „Same-Moment-Delivery“

Der Bedarf der Kunden an einer schnellstmöglichen Lieferung ist zunächst prinzipiell abhängig vom jeweiligen Produkt und Sortiment. Besonders Produkte, die von den Kunden sehr kurzfristig benötigt werden, eignen sich für die unmittelbare „Bereitstellung“ in einem Amazon Locker. Aus diesem Grund könnte sich der Same-Moment-Service für folgende Anwendungsfälle und Produkte lohnen:

  • Schnelldreher mit hoher Verfügbarkeits-Dringlichkeit (z.B. Smartphones)
  • Geräte im gewerblichen Einsatz mit notwendiger Hochverfügbarkeit
  • Zeitkritische Ersatzteile/ Ersatzteillager
  • Verbrauchsmaterial (z.B. Toner)

Interessant dabei: Amazon könnte die Kosten für „Same-Moment-Delivery“ auch durch eine Service-Gebühr an die Kunden weitergeben. Denn die Preissensibilität der Kunden bei dringend benötigten Produkten ist gering. Durch eine flächendeckende Einführung der Amazon Locker in Deutschland würde Amazon zudem näher an den stationären Einzelhandel rücken. Der würde dann seine große Stärke – die sofortige Verfügbarkeit von Produkten – durch „Same-Moment-Delivery“ von Amazon verlieren.

Alexander Hofmann eComparoÜber den Autor: Alexander Hofmann ist Geschäftsführer der Howado GmbH, die Recherche- & Beratungsleistungen zur Auswahl passender E-Commerce-Software mit ecomparo bietet. Als E-Commerce Experte unterstützt er Unternehmen dabei, die Zukunftsfähigkeit von Geschäftsmodellen zu validieren, E-Commerce-Strategien zu bewerten und durch die Identifikation der individuell passenden E-Commerce-Software-Bausteine ein langfristig uneingeschränktes Unternehmenswachstum sicherzustellen. Er schreibt und spricht regelmäßig über verschiedene Themen des E-Commerce.

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