Same-Day-Delivery: Amazon.de liefert erstmals kostenlos

Der ECommerce-Riese Amazon will bei Kunden mit einer schnelleren Lieferung punkten. Aus diesem Grund können Verbraucher ab sofort in 14 deutschen Metropolregionen einen Same-Day-Service buchen, bei dem sie ihre Online-Bestellung noch am selben Abend zwischen 18 und 21 Uhr erhalten. Diese Expresszustellung hatte Amazon bislang unter der Bezeichnung „Evening Express“ vermarktet, die aber bislang mit hohen Liefergebühren zu Buche schlug.

Gratis Same-Day LieferungAmazon.de stellt Expresslieferungen nun erstmals gratis zu (Bild: Amazon)

Zur Erinnerung: Wer Ware früher bereits am selben Abend haben wollte, musste ein Porto von 13 Euro berappen. Günstiger wurde es für Mitglieder des hauseigenen Treueprogramms Prime, die pro Artikel nur fünf Euro beim Expressversand bezahlen mussten – wobei Prime-Mitglieder aber schon bei drei Express-Artikeln mehr Porto zahlten als Kunden ohne Prime-Status.

Damit ist jetzt Schluss. Zwar gilt für Prime-Mitglieder weiterhin das Gebührenmodell von fünf Euro Porto pro Express-Artikel. Ab einem Mindestbestellwert von 20 Euro liefert Amazon nun aber seine Eilzustellungen bereits am selben Abend kostenlos an Prime-Mitglieder aus.

Auch Mitglieder ohne Prime-Status sparen nun und zahlen nur noch 9,99 Euro pro Lieferung statt wie bisher 13 Euro pro Bestellung. Die Strategie dahinter scheint klar: Prime-Mitglieder sollen durch den kostenlosen Same-Day-Service öfter bei Amazon ordern, während Kunden ohne Prime-Status sich nun für eine Mitgliedschaft entscheiden sollen, um Porto zu sparen.

Studien zeigen zwar immer wieder, dass für Kunden ein verbindlicher Liefertermin wichtiger ist als Same-Day-Delivery. Das dürfte aber auch mit daran liegen, dass Expresszustellungen meist recht teuer sind. Das kostenlose Amazon-Angebot dürften Kunden daher sicher gerne nutzen.

Prime MusicPrime Music bietet kostenlose Streamings für Amazon-Kunden (Bild: Amazon)

Mit so einem Hintergedanken dürfte Amazon nun auch sein Angebot „Prime Music“ gestartet haben. Denn seit der vergangenen Woche können auch erstmals deutsche Amazon-Kunden mit Prime-Status im Rahmen ihrer Mitgliedschaft kostenlos Musik streamen, was Amazon bislang nur seinen Kunden in den Vereinigten Staaten und UK ermöglicht hatte. Damit zielt der ECommerce-Riese direkt gegen die Angebote von spezialisierten Streaming-Diensten wie Spotify oder dem ebenfalls vor kurzem neu gestarteten Aldi Life Musik, wo Kunden meist eine Pauschale von acht bis zehn Euro im Monat für den Zugriff auf die Musikdateien zahlen.

Im direkten Vergleich fällt das Amazon-Angebot mit einer digitalen Musikbibliothek von einer Million Songs zwar deutlich beschaulicher aus als das Angebot vieler Konkurrenten, die bis zu 30 Mio. Songs im Programm haben. Amazon dürfte sein Angebot aber weiter ausweiten, der Service ist zudem bereits zum Start beispielhaft. So werden bei Prime Music in die persönliche Musikbibliothek jedes einzelnen Kunden automatisch die Musikdateien von Alben gespielt, die Kunden in der Vergangenheit zum Beispiel als physische CD bei Amazon bestellt haben.

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Mit dem neuen Musik-Streaming und dem kostenlosen Same-Day-Service wertet Amazon sein Prime-Programm daher deutlich auf. Denn Prime-Mitglieder erhalten ja zusätzlich nach wie vor kostenlose Standardlieferungen, Gratis-eBooks aus der Kindle-Leihbücherei sowie eine Flatrate für Video-on-Demand und exklusiven Zugang zu Verkaufsaktionen bei Shopping-Club BuyVIP, der zu Amazon gehört. Prime-Nutzer können zudem exklusiv Lebensmittel über den Service „Amazon Pantry“ ordern, der allerdings zum aktuellen Zeitpunkt noch unausgereift wirkt.

Mit einer Gebühr von 49 Euro im Jahr bietet die Prime-Mitgliedschaft auch nach wie vor ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis, während Kunden in UK zum Beispiel 79 Pfund zahlen.

Amazon UmsätzeAmazon.de wächst seit Jahren stärker als der Wettbewerb (Grafik: IFH Köln)

Unterm Strich dürften sich die Investition in das Prime-Programm daher weiter auszahlen und Amazon durch eine höhere Kundenbindung den Marktanteil in Deutschland erneut steigern.

Laut einer Schätzung vom Institut für Handelsforschung (IFH) hatte Amazon bereits im Jahr 2014 einen Umsatz von 7,1 Mrd. Euro netto mit eigenen Verkäufen erzielt. Addiert man dazu die Umsätze der externen Händler, so kam Amazon auf ein Marktplatzvolumen von 13,4 Mrd. Euro netto. Damit wurden im vergangenen Jahr laut IFH bereits 38 Prozent des deutschen Marktvolumens auf Amazon.de getätigt. 2010 hatte dieser Wert erst 19 Prozent betragen.

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